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ELSÄSSISCHE

LITTERATURDENKMÄLER

AUS DEM

XIV— XVII. JAHRHUNDERT.

HERAUSGEGEBEN

VON

ERNST MARTIN und ERICH SCHMIDT.

Y. BAND.

PAKZIFAL VON VVI8SE UND COLIN.

MIT UNTERSTÜTZUNG DER LANDESVERWALTUNG VON ELSASS-LOTHRINGEN.

STRASSBURG. KARL J. TRÜBNER.

LONDON. TUÜBNER & COMP.

1888.

Gl.

PARZIFAL

VON

CLAUS WISSE UND PHILIPP COLIN.

(1331—1336)

EINE

ERGÄNZUNG DER DICHTUNG

WOLFRAMS VON ESCHENBACH

ZUM ERSTEN MALE HERAUSGEGEBEN

VON

KABL SCHORBACH.

STRASSBURG. KARL J. TRÜBNER.

LONDON. TR€bNER & COMP.

1888.

II

G. Otto's Hof-Buchdruckerei in Darmstadt.

INHALT.

EINLEITUNa Seite vn— xuv

I. Überlieferung IX— xvm

II. Entstehung des Gedichts xvm— xxn

III. Ulrich von Rappoltstein xxn— xxiv

IV. Die Familien Colin und Wisse in Strassburg xxiv— xxxi Y. Quelle v xxxii— XLiv

VI, Zusätze innerhalb Wolframs Text ... XLV— lvi

TEXT Sp. 1—860

NAMEN -VERZEICHNISS 861—880

EINLEITUNG,

Die umfangreiche Fortsetzung, welche im 14. Jahrhundert die elsässischen Dichter Claus Wisse und Philipp Colin dem Meisterwerk Wolframs von Eschenbach einfügten, wird hier zum ersten male veröffentlicht. Gehört auch das Ergänzungswerk in die Verfallzeit der ritterlichen Poesie, so beansprucht es doch als ein nicht unwesentliches Glied in der Kette der Dichtungen von Artus Tafelrunde und dem Gral und als werthvoUe Quelle für die Geschichte des elsässischen Dialekts im Mittelalter ein besonderes Interesse.

Hätte unseren Literarhistorikern eine Ausgabe des Werkes vorgelegen, so wäre vielleicht ihr Urtheil weniger ungünstig ausgefallen. ^ Beim Durchlesen unsres Textes wird sich ergeben, dass es dem Gedichte keineswegs an manchen ansprechenden Stellen fehlt, in welchen die Darstellung einen höheren dichterischen Schwung nimmt. Ich erinnere nur an die hübsche Liebesepisode zwischen Karados und Gingenier (vgl. Sp. 133 ff.).

Als F. H. V. d. Hagen- im November 1816 die Parzival- fortsetzung in der Casanatischen Bibliothek zu Rom entdeckte,

* Vgl. Gervinus, Gesch. d. deutschen Dichtung 11^ S. 181 f. und Lorenz u. Scherer, Gesch. d. Elsasses ^ S. 71. Hingegen spricht sich Yiktor Scheffel dahin aus, 'es möchte eine lehrreiche Aufgabe sein, das Verhält- niss der Philipp Colinschen Ergänzungsdichtung zu Wolfram in Bezug auf der zugefügten Aventüren Stoff, Behandlungsweise und französische Quelle näher ins Auge zu fassen', da die Dichtung des Strassburger Goldschmieds, Venu auch da und dort breit und gutmüthig plauderhaft', keineswegs die Einreihung unter die ganz werthlosen und herabgesunkenen verdiene (vgl. Scheffel, Handschriften altdeutsch. Dichtungen zu Donaueschingen S. 18).

2 Briefe in die Heimat II 304 f.

yjjl Einleitung.

erkannte er sofort die Bedeutung seines Fundes für die Literatur- und Sprachgeschichte des 14. Jahrh. In dem dortigen Manuskript glaubte er die Urschrift unsrer elsässischen Dichtung gefunden zu haben. Diese Voraussetzung hat sich jedoch als unrichtig erwiesen. Vielmehr liegt uns in der Donaueschinger Handschrift das Original vor, wie es aus der Werkstatt der Dichter hervor- gegangen ist.

Trotz der ausführlichen und vorzüglichen Beschreibungen, welche dieser Handschrift bisher zu Theil wurden, hat meine Durcharbeitung zu einigen überraschenden Resultaten geführt.

Für die deutsche Literaturgeschichte ergab sich als neu, dass ausser der schon bekannten Fortsetzung durch unsere Dichter sich viele zum Theil sehr umfangreiche Einschaltungen in dem Wolframschen Text vorfinden, welche Wisse und Colin zu eigen gehören. Diese zwischen den Versen Wolframs versteckten Aus- führungen (nach franz. Quelle) konnten erst bei einer von Wort zu Wort fortschreitenden CoUation sichtbar werden.

Für die französische Literaturgeschichte ist unsre Dich- tung in zweifacher Hinsicht wichtig. Die Einschiebung des Wisse'schen Trologus' (500 Verse) in das 2. Buch des Wolf- ramschen Textes ist unter theilweiser Benutzung der späten anonymen Vorrede zu Chretiens Perceval entstanden, die hand- schriftlich allein in dem von Potvin herausgegebenen Monser Manuskript erhalten ist. Durch Wisse's Übersetzung muss eine neue, jetzt verlorene französische Handschrift vorausgesetzt werden.

Ausserdem wird die landläufige Ansicht, welche sich bloss auf Colins Epilog stützte, dass nämlich durch unsre Dichter nur die Fortsetzung des Manessier übertragen worden sei, sich als hinfällig erweisen, da dem ersten Abschnitt der elsäss. Nachdichtung zum Theil die Fortsetzung Chretiens durch Gauthier de Dourdan (de Dons) zu Grunde liegt, dessen Namen überdies in unserm Gedicht (Sp. 582 Vers 20) als Walther von Dunsin erscheint.

Die französische Literaturgeschichte wird deshalb bei ihren Untersuchungen über Chretien de Troyes und seine Fortsetzer fortan in eingehender Weise mit dem elsässischen Parzival des 14. Jh. zu rechnen haben.

Durch alle diese Punkte gewinnt die Dichtung von Wisse

Einleitung. IX

und Colin eine erhöhte Bedeutung und ihre Veröffentlichung darf wohl auf das Interesse der Mitforscher Anspruch erheben

ÜBERLIEFERUNG.

Unsere Dichtung blieb nur in 2 Handschriften erhalten, von denen das Donaueschinger Originalmanuskript eine eingehende Besprechung beansprucht.

1) D. Pergamenthandschrift der Fürstl. Fürstenbergischen Hofbibliothek zu Donaueschingen Nr. 97 (früher R 37, 9) aus dem 14. Jh., in gross Folio (89 cm h., 27 cm br.). Der pracht- volle, sehr gut erhaltene Codex ist in altem Einband, Holzdeckel mit gepresstem braunen Leder. Als Datum ihrer Vollendung trägt die Handschrift die Jahreszahl 1336. Sie umfasst jetzt 320 Blätter, während sie früher nach der Schlussnotiz des Rubricators (Bl. 320 versoj 322 Blätter enthielt. Die Lücke von 2 Bll., die bisher unbemerkt blieb, ist hinter Bl. 169. Dieser Ausfall wird zum Glück durch das römische Manuskript ergänzt. Durch Unachtsamkeit des Buchbinders sind diese 2 Blätter ver- loren gegangen. Ebenso wurden durch sein Versehen die Bll. 176 und 177 falsch eingeheftet. Sie gehören hinter 179, worauf in der Handschrift schon durch corresp. Zeichen hingewiesen ist. Die ersten 71 Blätter sind von alter Hand gezählt, wobei aber die Zahl 55 übersprungen ist.

Die Handschrift ist doppelspaltig auf vollständigem Linien- system geschrieben. In der Columne stehen zwischen 48 und 55 Zeilen, zumeist aber 49 und 50, für welche Zahl das System angelegt ist.

Mit der grössten Sorgfalt und mit ausdauerndem Fleiss ist der Codex hergestellt worden. Das Pergament ist ausgesucht, aber nicht ganz gleichmässig ; schadhafte Stellen in ihm sind ge- schickt ausgebessert. Die Lagen sind nicht gleichmässig Sexternen, wie man aus der Berechnung auf Bl. 320 verso schliessen könnte. Es wechseln Sexternen, die allerdings überwiegen, mit Quinternen und Temen, doch finden sich auch schwächere

X Einleitung.

und stärkere Hefte. Ein Theil der Lagen trägt auf dem letzten Blatt Wortcustoden, die an der Ecke des untern Randes stehen.

Die Verse sind abgesetzt und beginnen stets mit einem rubricierten Versal, dem durch Vertikalstriche des Liniensystems ein abgegrenzter Raum angewiesen ist. Zur Ausschmückung der Hs. dienen zahlreiche rothe und blaue, verzierte Initialen von meist 2 Zeilen Höhe. Sie stehen ohne jede Regel, oft mitten im Satz; im Durchschnitt finden wir 3 auf dem Blatt. Zuweilen begegnen auch an Abschnitten grössere mehrfarbige Anfangs- buchstaben, welche sehr zierlich und geschmackvoll ausgeführt sind und von denen sich oft z. Th. hübsche Ornamente am Columnenrande hinziehen (vgl. z. B. Sp. 1% 17', 20^ 22^25°, 55^ 80^ 80^ 114^ 116«, 141 ^ 154", 198^ 287^ 288^ 307'= etc.). Ein interessanter, künstlerisch ausgeführter Initial mit Figuren findet sich am Anfang der auf Bl. 115" eingefügten Minnestrophen.

Zahlreiche rothe Überschriften geben den Inhalt der Ab- schnitte an, stehen aber nicht immer an passender Stelle, son- dern zuweilen mitten im Satz, was kleine Versehen im Concept voraussetzt. Die Tinte ist ziemlich gleichmässig und wenig ab- geblasst. Der ganze Codex ist von 2 Händen hergestellt , die sich deutlich scheiden lassen. ' Den grössten Theil desselben schrieb in steilen kräftigen Zügen Henselin, der sich in einem Verse am Schluss der Handschr. (Blatt 320 verso) nennt. Eine zierlichere kleine Schrift hat sein Schreibgenosse, jedenfalls der ebenda erwähnte Von Onheim'. Dieser löste Henselin öfters in kleinen Partien ab, die hier nicht alle zu verzeichnen sind. Das grösste Stück von ihm findet sich Blatt 286* 312^*, von wo wieder Henselin bis zum Schlüsse schreibt. Auch die rothen Überschriften zeigen abwechselnd die beiden Hände. In der Orthographie kennzeichnen sich die beiden Schreiber nur durch geringe unterscheidende Merkmale.

Der Text ist unter der Aufsicht der Dichter mit grossem Fleisse aufgezeichnet. Schreibfehler begegnen nur in ganz ver-

* In dem Epilog Colins wird nur von einem Schreiber gesprochen (Sp. 854, 1). Gemeint ist natürlich Henselin, dem die Hauptthätigkeit zufiel.

Einleitung. XI

schwindender Zahl. Im Coneept übersehene Verse sind am Rande nachgetragen. Öfters ist eine ganze Reihe von Versen gelöscht und neu geschrieben, um Auslassungen in engerer Schrift einschalten zu können. Correcturen sind im ganzen Codex auf das sorgfältigste gemacht. Zahlreich finden sich saubere Rasuren, die manchmal noch die ursprüngliche Lesart erkennen lassen und so einen interessanten Einblick in die Werkstatt der Ver- fasser gestatten. Häufig sind auch die Correcturen auf über- geklebten Pergamentstreifen geschickt angebracht.

Wir haben das seltene Glück, in dem kostbaren Donau- eschinger Manuskript die Originalhandschrift der Parzival- Fortsetzung vor uns zu haben, wie sie unter den Augen der Dichter für Ulrich von Rappoltstein hergestellt wurde. Diese Vermuthung, die sich sofort aufdrängt, wenn man den sorgfältig corrigierten, im reinsten elsässischen Dialekt überlieferten Text in dem prachtvollen Codex überblickt, wird zur völligen Gewiss- heit durch einige im Ms. selbst vorhandene handschriftl. Ein- träge des 16. Jh., welche das Geschlecht Rappoltstein und ver- wandte Familien betreffen.

Noch nirgends ist dies nachdrücklich hervorgehoben worden, nur Barack (Die Handschr. d. Fürstenberg. Hofbibl. zu Donau- eschingen S. 663, Sp. 2) deutet es an, indem er als den ehe- maligen Besitzer der Hs. Ulrich v. Rappoltstein anführt. Eine glückliche Fügung hat das werthvolle Ms. dem edlen Geschlechte zugeführt, dem Ulrichs Gattin entsprossen ist. Wie die Hs. in den Besitz des Hauses Fürstenberg übergegangen ist , dafür ist kein urkundlicher Beleg vorhanden. Wahrscheinlich geschah es aber mit dem helfensteinischen Erbe, wie Riezler (Gesch. des Hauses Fürstenberg S. 260) ansprechend vermuthet. Hier mag noch erwähnt werden, dass sich innen im Vorderdeckel unsrer Hs. der Name der Elisabeth v. Helfenstein findet, der Gemahlin des Georg V. Rappoltstein (1552). ^

Zwei deutsche Dichter waren es, welche zuerst von der

* Der von Charles Bartholdi in den Curiosites d'Alsace I p. 36 44 veröffentlichte Catalogue de la Bibliotheque des Seigneurs de Ribaupierre au 16^ siecle führt keinen Parzival auf. Da aber das Verzeichniss ausschliess- lich gedruckte Bücher zu enthalten scheint, so darf man daraus keinen Schluss für unser Ms. ziehen.

XII Einleitung.

Existenz unsrer Hs. Kenntniss gaben. Zuerst wies L. Uhland auf sie hin und veröifentlichte die darin zufällig erhaltenen deutschen Minnestrophen. (Schreibers Taschenbuch f. Gesch. u. Alterthum in Süddeutschland [II] 1840, S. 259 ff.) Von Vikt. Scheffel wurde dann, als er der Donaueschinger Bibliothek vor- stand, eine ausführliche Beschreibung des Manuskriptes gegeben (Die Handschriften altdeutscher Dichtungen d. Fürstl. Fürsten- berg. Hofbibl. zu Donauesch. Stuttg. 1859, S. 15—18). Seine Darstellung ist sodann in Barack's musterhaftem Verzeichniss verwerthet worden. (Die Handschriften der Fürstl. Fürstenberg. Hofbibl. zu Donaueschingen. Tübingen 1865, S. 88- 93.) Vgl. auch W. L. Holland, Chretien von Troies S. 223. Benutzt wurde unser Ms. von Potvin für seine Ausgabe des Perceval (vgl. Bd. VI, p. LXXXII). Das für seine Zwecke WerthvoUste ist ihm dabei entgangen.

Gehen wir den Inhalt unserer Hs. genau durch, so finden wir zunächst auf Bl. 1* bis 115% Spalte 2 Buch I— XIV des Wolframschen Textes vollständig überliefert. Eine eingehende Vergleichung mit der Lachmannschen Ausgabe des Parzival führte zu dem interessanten Resultat, dass die Fortsetzer Wolframs Werk, welches sie ihrer Zudichtung voranstellten, nicht einfach copieren Hessen, sondern dass sie den Text für ihren Zweck redigierten.

Neben kleinen Änderungen und Umstellungen finden sich ganz bedeutende Einschaltungen, die fast alle aus der franzö- sischen Vorlage flössen. Diese bisher übersehenen Zusätze habe ich am Schluss der Einleitung zusammengestellt.

Unter diesen hat für uns ein in Wolframs 2. Buch ein- geschobener grosser Zusatz von 500 Versen besonderes Interesse. Es ist der von Claus Wisse herrührende sogenannte Prologus (s. Seite LVII), welcher die späte Einleitung zu Chretiens Perceval verwerthet. Wir kommen darauf unten ausführlich zurück und werden sehen, dass diese Stelle auf die Überlieferung der fran- zösischen Verlage ein ganz neues Licht wirft.

Bemerkenswerth ist ferner eine Einschaltung von 18 Versen hinter Wolframs 4. Buch (vgl. S. XLIX). In dieser empfiehlt sich der Dichter, hier ohne Zweifel Claus Wisse, der Milde seines Herrn (Ulrich von Rappoltstein), jedoch ohne Namensnennung.

Einleitung. XIII

Auch dies wichtige Ergebniss ist völlig neu.

Nach dem Schluss des Wolfram 'sehen 14. Buchs folgt in unsrer Hs. (auf Bl. llö** Zeile 12 v. u.) eine von Henselins Genossen roth geschriebene Prosanotiz, welche den Übergang des alten W. 'sehen Textes zur Fortsetzung durch unsre Dichter vermitteln soll. Sie lautet:

Hie scheidet her Gatvan von künig Artus in zorne unibe daz er sine swester Gramaflanze zuo der e gab one sine wissende und e er sich entslagen hette in kanpfes wis der untete die in Gramaßanz zech und swuor in imme selber^ daz er niemer wider in künig Artus hof kerne, e in künig Artus mit tusent ritfern holte, alse es geschriben stat in deme welschen Farzefale, der zuo tüzsche braht ist. Do daz künig Artus vernam, daz her Gatvan sin nefe in zorne dannan waz gescheiden, do ge- lobet e künig Artus und sprach offen- (115'') liehe, daz er sinen nefen Gawan wolte suochen mit aller der geselleschefte die er do hette, und tet ouch daz.

J^u geswigen wir künig Artuses hie und sagent von het^n Gatvane, wie der zuom ersten mole zuome grole kam . und ist ouch daz von welsche zuo tüzsche braht, des sin me ist danne der tüzsche Parzefal, der nu lan- ge getihtet ist. und alles daz hie ?iach ge- schriben stat, das ist ouch Parzefal und ist von welsche zuo tüzsche braht und volle- tihtet und zuo ende braht. Dis geschach do men zalte von gocz gebürte drize- hundert jor und drißig jor in deme sehsten jore.

Dieses Rubrikat ist deswegen von besonderer Wichtigkeit, weil es für den Abschluss der Arbeit das Jahr 1336 nachweist. Dann folgen, von rothen Linien umrahmt, 2 Berechnungen (roth) :

Der alte Parzefal, der untze har geschriben stot, dez sint XV bletter und hundert dirre bletter.

XIV Einleitung.

So sint dez nuioen Parze fales , der hie noch geschriben stot vij hletter und zwei hundert dirre hletter.

Diese auf Bl. 115, Spalte 2 und 3 stehende Berechnung ist völlig richtig, denn die Gresammtsumme der Blätter betrug, wie wir oben sahen, ursprünglich 322.

Als weitere Füllung der Blattseite 115 verso dienen die von Uhland (Schreibers Taschenbuch [II] 1840, S. 261 ff.) mitge- theilten 7 Strophen von Minneliedern, eine 8te steht Bl. 320 verso, Sp. 1 hinter dem Schreibervers. Koller (Romvart S. 649 ff.) hat die 7 Strophen nach der röm. Hs. abgedruckt und nach- gewiesen, dass No. 1 Walther von der Vogelweide, No. 2 Walther von Motze, No. 3 5 Gotfried von Neifen und No. 6 Reinmar dem Alten zugehört. Die 7te ist noch nicht nachgewiesen, eben- sowenig die letzte, am Schlüsse des Codex stehende.

In unsrer Hs. sind diese Strophen ohne Absetzen der Verse geschrieben. Die erste derselben beginnt mit einem grossen, kunstvoll ausgeführten Initial (6 cm h., 9 cm br.), der fast die ganze Breite der Columne einnimmt. Neben dem blau und rothen Buchstaben IT, der mit reichen Verzierungen fleissig gemalt ist, befinden sich zu den Seiten je eine männliche Figur (gegeneinander gewendet). Dem Mann zur Rechten ragt ein grosser Stamm aus dem rechten Auge, in der linken Hand trägt er ein Spruchband mit der Inschrift:

du hest ein dorn im ougen.

Die Figur links hat im linken Auge einen Splitter und hält in der linken Hand ein über sie hinweg geschwungenes Band mit dem Spruch:

Wer in sin selbes herze siht,

der sprichet eim andern argez niht.

Nach 1^1. 115 ist in unsrer Hs. ein Blatt ausgeschnitten, welches den Schluss der Lage bildete. Dass es leer war, beweist sowohl die Beschaffenheit von Bl. 115 verso als auch die römische Hs., welche nach den Minnestrophen sofort mit dem ersten Verse der Fortsetzung beginnt:

Hie in zorne von dan schiet Gawan.

Einleitung. XV

Hiermit hebt auch in unserer Hs. Bl. 116*, und zwar auf neuer Lage' und mit grossem, blau-rothem Initial, das Ergänzungs- werk an, welches Wisse und Colin der Wolframschen Dichtung anfügten. In 86426 Versen überträgt der 'nuwe ParzefaV die bunten, lose aneinander gereihten Abenteuer seiner französischen Vorlage. (Bl. 11 6*^ -802^). Das letzte Abenteuer, welches der Quelle nacherzählt wird, ist der Kampf Parzivals gegen die 6 Ritter am Brunnen (der Schluss-Vers = Potvin Vers 45036). Hiernach kehren unsre Dichter zum Wolfram'schen Text zurück, dessen Bücher XV und XVI sie nun anreihen (Bl. 302^—3170. Auch in diesen Theil von Wolfram's Parzival sind wieder be- deutende Zusätze nach dem französischen Original eingeschoben.

Die letzte Einschaltung steht im XVI. Buch, vor Lachmann 823, 11. Von da an ist Wolfram's Text unversehrt gelassen, auch der Name des Dichters (L. 827, 13) wurde beibehalten.

Nach dem XVL Buch Wolframs folgt auf Bl. 317''— 320*= ein Epilog Colins (in 558 Versen), welcher über die Entstehung des Werkes werthvollen Aufschluss giebt.

Nach dieser Schlussdichtung folgen in der Hs. nachstehende roth geschriebene und umrahmte Notizen:

Hie het der tiltzsche laid der welsche Parzefal ein ende.

Vnde ist der heider vor und noch xxij bletter und drühundert dirre hletter.

Daz sint zweier hletter minre denne sihene und ztvenzig sexsternen.

Diese Berechnung des Umfangs unsres Codex nach Sexternen kann hier keine Controle der Lagea bedeuten, denn wir sahen, dass sich die Hs. aus Heften in ganz verschiedener Stärke zu- sammensetzt.- Mir scheint die Angabe dazu bestimmt, als Maass zu dienen für den Schreiberlohn, der häufig nach Sexternen be- rechnet wurde.

* Der Schreiber ist hier Henselin.

2 Auch die Zahl der Lagen beträgt mehr als 27.

XVI Einleitung.

Nach dieser Blattberechnung werden endlich in fröhlichen

Versen die Schreiber genannt:

Diz sol nieman i->ergesseti :

ob disem buocJie sint fünf jor gesessen

ze Hhtende und ze schribeti,

hie sol ein ende bliben.

Henselin schriber het auch vil geschriben heran

und iüil noch nüt ein ende han.

er gewan noch nie bart

und ist ouch den vinen vröweliti zart.

der von Onheim * ist ein rehter tore,

er trüget die vrowen mit sime groiven höre.

Auf dem noch freien Raum der Columne wurde dann von Henselin die bei Uhland a. a. 0. S. 263 abgedruckte 8te Minnestrophe nachgetragen, welche bisher keinem Dichter mit Bestimmtheit zugewiesen ist.

Schliesslich ist zu erwähnen, dass unter der Minnestrophe sich weitere 13 fast erloschene Zeilen finden, welche eine im 15. Jahrhundert in französischer Sprache geschriebene Notiz enthalten. Diese beginnt:

ly douz souenir de ma dame jolie etc.

Welcher Besitzer diesen Eintrag in die Hs. machte, lässt sich aus den Worten nicht ermitteln. Auf dem letzten vom Deckel losgelösten Pergamentblatt finden sich Zeichnungen verschiedener Wappen, worunter jedoch nicht das Rappoltsteinische.

2) R. Pergamenthandschrift der Bibliotheca Casanatensis in Rom (A. I. 19) in fol., aus dem 14. Jahrh. Sie umfasst 182 Blätter, auf der Seite 2 Spalten mit 46—49 Zeilen, vor- wiegend jedoch 48 Zeilen. Die Columnen sind liniiert. Die Verse sind abgesetzt und beginnen mit Versalbuchstaben, welche auf den ersten 8 Blättern und später Bl. 146—161 rubriciert sind. Zum Schmucke dienen rothe und blaue Initialen. An Abschnitten stehen rothe Inhaltsangaben; auf Blatt 78'' eine blaue. Unter diesen Überschriften ist öfters etwas Platz ge- lassen. Am Rande finden sich fein geschriebene Bemerkungen für den Rubrikator. Die Lagen bestehen aus Quaternen (22),

' jEIhnheim im Elsass.

Einleitung. XVII

welche Zahlencustoden tragen (z. B. x. quat'ne), deren Zählung gegen Ende verwirrt und corrigiert ist. Nur ein Heft besteht aus 6 Blättern. Drei verschiedene Hände haben an dem Ms. gearbeitet. Zuerst schreibt eine feste kräftige Hand, dann folgt Bl. 49 eine kleinere dünnere, eine dritte endlich scheint 140*' einzusetzen. Das Ms. ist gut erhalten, nur wurden Bl. 112 u. 113 durch übergegossene Tinte beschädigt. Pergament und Tinte sind von guter Beschaffenheit. Der Schweinsledereinband trägt auf dem Rücken den merkwürdigen Titel:

Parcefali Yariö

Rerum Natural POEMA. Dagegen hat das 3te der vorgebundenen Papierblätter von neuerer Hand die Bezeichnung: Parcefali Poema lingua Ger- manica. Im vorderen Innerdeckel steht über der jetzigen Signatur die alte durchstrichene AR. I. 9. Auf Bl. 1* befand sich am oberen Rande von einer Hand des 16. Jhs. eine Besitzerklärung, die fast ganz abgeschnitten ist; darunter steht die Nummer 1248. Für die Provenienz der Hs. fehlt jeder Anhalt. Es wäre interessant zu wissen, wie sie den Weg in die alte Dominikaner- bibliothek gefunden hat. Bekannt wurde dieser Codex 1816 durch F. H. v. d. Hagen (Briefe in die Heimath II S. 304), dem das Verdienst zufällt, die Dichtung des Wisse und Colin entdeckt zu haben. Eine nähere Beschreibung mit grossen Aus- zügen gab später A. Keller, Romvart S. 647 688. Vgl. auch W. L. Holland, Chretien von Troies S. 223.

Die Casanatische Hs. enthält nur den zweiten Theil des Donaueschinger Codex, von welchem sie Copie ist. Sie be- ginnt mit dem Rubrikat (in D. Bl. 115''):

Nu gesivigen tvir hiinig uirftises hie. etc. *

Es ist vorauszusetzen, dass die in D vorhergehenden 14 Wolframschen Bücher, auf welche auch in R die rothe Über- schrift hindeutet, in einem besonderen Bande abgeschrieben waren. Dieser Band ist in der Casanatischen Bibliothek nicht mehr vorhanden 2. Derselbe hat als verloren zu gelten. R copiert

1 vgl. den Abdruck bei Keller, Romvart S. 648 f. - vgl. V. d. Hagen, Briefe in die Heimat 304. f.

Eis. Lit. heiikriiäler. V. ir

Xtllt Einleitung.

ihre Yorlage ohne besondere Sorgfalt; Fehler und Missverständ- nisse begegnen. Yor allem äussert sich aber die Flüchtigkeit der Schreiber darin, dass sie ganze Verspartien übersprungen haben. Der elsässische Dialekt der Vorlage wurde in der Copie bis auf geringe Spuren verwischt. ^ Für die Herstellung des Textes kommt aus diesen Gründen die Hs. R gar nicht in Be- tracht. Als werthvoll erwies sie sich nur in einem Falle, näm- lich für die Ausfüllung der Lücke im Originalmanuskript (s. unsern Abdruck Sp. 237,29 246,22). Die Abschrift fertigte freundlichst Dr. Mau in Rom. Bei einer Studienreise nach Italien i. J. 1883 hatte ich Gelegenheit, die Hs. selbst einzu- sehen und einige Partien zu vergleichen.

ENTSTEHUNG DER ELSASSISCHEN PARZIVAL- FORTSETZUNG.

Wohl bei keinem deutschen Literaturdenkmal des Mittel- alters sind wir so klar über seine Entstehung unterrichtet, als bei unsrem Gedicht. Ein poetisches Nachwort Colins, welches er zum Lobe seines Herrn dichtet, giebt nach jeder Richtung gewünschten Aufschluss.'- Vereinfachen wir die in recht ver- schnörkelter Form vorgetragenen Gedanken des Dichters, so ent- nehmen wir aus ihnen Folgendes:

Als im Herzen seines Herrn die Liebe aufgieng wie ein blühendes Reis, da wuchs in seinem Gemüthe als Frucht seiner edlen Gesinnung der Entschluss, minnigliche Mären zu pflegen. Minne äussert ihren veredelnden Einfluss. Unzertrennbar von ihr ist aber die 'Milde', die Opfervvilligkeit für Dichtung und Kunst.

' Eine Vergleichung unseres Abdrucks mit dem Text bei Keller 8. 677 ff. genügt hierfür. Vor allem beachte man die Unterschiede im Epilog Colins.

2 Die am Anfang des Epilogs stehende Bemerkung Colins über seine Quelle, als welche er Manessier nennt , besprechen wir in einem späteren Capitel.

Einleitung. XtX

milte ziert den minnere

alse daz golt ein edeln stein tuet.

Frau Minne und Milde,- denen 'manige schöne mere' von der Tafelrunde und Parzival im Sinne liegen, suchen unter ihren Dienern einen 'Minner', der die Kosten nicht scheuen würde,

daz er dise aventure alle

der weite zuo gevalle

und zuo kurzewilen reinen wiben

tete tihten unde scriben.

Frau Milde nennt ihren Herrn als den geeigneten und kenn- zeichnet ihn bei seinem Schilde:

daz velt ist von finen berlin groz von origent, wisser denne ein sloz: daruz gent drie schilte irn schin. ieclicher ist ein robin ....

Frau Minne erkennt daran Ulrich v. Rappoltstein, Sie schreibt ihm ein 'Minnebrieflein und bittet ihn, er solle das wälsche Buch, welches König Artus aufzeichnen Hess, zur Übersetzung bringen. Er habe ja von Artus die Neigung geerbt, sich durch Lesen die Zeit zu kürzen:

nu erbe euch von im fürbas

und tuo die edeln Sachen

von welsch zuo tützsche machen.

Die Minne verspricht ihm dafür ihre Hülfe bei der Geliebten seines Herzens:

wez du iemer bittest mich gegen dez herzen frowe din, so wil ich sin din dienerin.

Wenn er ihren Wunsch erfülle, so würden durch das Buch die *Minner' gebildet und veredelt.

dez werdent geeret tützsche laut

unde werdent geedelt domitte

aller tützscher lütte sitte

von der edeln lere

der werden rittere here.

Yon hier an ist erst die Personifikation deutlich durchgeführt.

■y-y Einleitung.

Ulrich verspricht die Yollführung des Werkes und ernennt Colin zu seinem tihtere*.

Nachdem der Dichter bis dahin in etwas gezierter Weise entwickelt hat, wie die Idee zu seinem Werke entstanden sei, gewährt er uns einen Einblick in die Art seines Schaffens. 'Vier vernent und vier hüre' hat er an dem Werke gearbeitet. Dazu hat ihm sein Herr einen Schreiber gehalten; ^ es ist der im Schreibervers genannte Henselin.

Als seinen Mitarbeiter nennt er mit Anerkennung Claus Wisse.

und ein anderen tihtere,

der tihtete disen anevang.

men sol ez imme gerne sagen dang,

wan er ist ein tihter cluog

und kan darzuo guoten gefuog.

er ist genant Ciawez Wisze,

ich wünsche imme, daz er slize

sine tage sunder swere

als ein cluoger minnere,

der tihtete ein jor vor mir e.

Wir lernen aus dieser Stelle , dass Wisse den anevang (d. h. den eingeschobenen Prologus) dichtete und dass er ein Jahr vor Colin schon mit Dichten beschäftigt war.

alsus sint fünf jor oder me obe diseme buoche verzert. 2

Diese Verse sind für die Chronologie von Bedeutung. Da nach der besonderen Erklärung in der Hs. das Werk im Jahre 1336 wurde Volletihtet und zuo ende braht', so ergeben sich als die Jahre seiner allmählichen Entstehung 1331—1336.

Als Gehülfen bei der Arbeit erwähnt Colin dann noch den Juden Sampson Pine, der ihnen die französische Vorlage ver- deutschte. ^

* Aus dem Ms. selbst ist aber ersichtlich, dass dieser noch einen Schreibgenossen hatte, der in dem Schreibervers 'von Onheim' genannt wird.

2 Auch der Schreibervers sagt :

ob disem buoche sint fünf jor gesessen ze tihtende und ze schriben.

3 Wie charakteristisch es ist, dass die beiden aus Strassburg

Einleitung. XXI

der het sine zit ouch wol bewant

an dirre oventure.

er tet uns die stüre,

waz wir zuo rimen hant bereit,

do het er uns daz tützsch geseit

von den aventuren allen.

Für seine Hülfe wünschte er ihm alles Gute. An mehreren Stellen seines Nachworts weist Colin auf die bedeutenden Kosten hin, welche seine Arbeit Herrn Ulrich v. Rappoltstein verursachte und lobt dessen Milde. Bei einem Überschlag der Summe be- rechnet er die Ausgaben für das Buch auf 200 Pfund :

wenne diz buoch wurt voUebroht, daz mag kosten zwei hundert pfunt.

Er tröstet sich aber damit, dass ein ritterlicher Minner eine solche Summe in kurzer Stunde

*an eime orsze verstichet'. Da sei doch an dem Buche das Geld weit besser angelegt, denn es sei ein 'bildere', der Vehter minne ermanet'.

wer volget diseme getihte, der mag nüt miszetretten.

Nach einem längeren Lobpreise der Minne, dessen Abschluss, wie der Dichter naiv eingesteht, er nicht recht finden kann, ruft er die Milde seines Schirmherrn an, damit er zu der früher ge- übten Goldschmiedekunst zurückkehren könne :

ich bin din tihter gesin

und bedarf der helfe din.

nu teil mir dine milte mit,

so wurde ich wider ein goltsmit.

Zum Schlüsse empfiehlt Colin seinen Herrn der ewigen Gnade und Freude.

Der Epilog unsres Dichters ist trotz seiner etwas gezierten Redeweise äusserst lesenswerth. Colin setzt hier sein bestes Können ein und beweist, dass ihm die Verse ohne Mühe zu- fliessen. Hier, wo er nur Eignes giebt, kann man ihn am besten beurtheilen. Colins ausführliche Angaben über Quelle,

stammenden Dichter der französischen Sprache nicht mächtig sind, darauf hat Scherer (Gesch. d. Els.^ S. 71) schon hingewiesen.

XXII Einleitung.

Veranlasser, Dichter, Schreiber, Dauer und Kostenaufwand bilden eine werthvolle Quelle für die deutsche Literaturgeschichte. Man vermisst nur eine Bemerkung über den Entstehungsort. Wo sollen wir diesen aber anders suchen, als in dem Wohnsitz des Dichtung liebenden Herrn Ulrich, im Gross - Rappoltsteiner Schloss, 1 dessen mächtige Ruinen noch heute auf das freundliche Städtchen Rappoltsweiler herabblicken und ein Wahrzeichen sind für das an Naturschönheiten so reiche elsässische Land.

ULRICH VON RAPPOLTSTEIN, DER VERANLASSER DER PARZIVALFORTSETZUNG.

In den Annales Rappoltsteinenses findet sich keine Er- wähnung davon, dass Ulrich von Rappoltstein eine Bearbeitung des Parzival veranlasst habe.^ Wer war nun der von Colin gepriesene. Sagen liebende Ulrich? Dieser Name begegnet in dem mächtigen oberelsässischen Geschlechte der Rappoltsteiner zu allen Zeiten häufig. Uns interessieren hier nur 3 Glieder dieses Namens, welche im 14. Jh. urkundlich zu belegen sind. Ein Ulrich v. Rappoltstein, Sohn des Anselm v. R., ist seit 1310 Domherr von Strassburg, den Rapp. Urk. zum Jahre 1313 und 1335 erwähnen. Eine Strassburger Urkunde von 1321 nennt ihn als Testamentsvollstrecker (ÜB. III S. 287 Nr. 952). Dieser Ulrich kommt für uns selbstverständlich nicht in Betracht. Ein zweiter Ulrich wird 1313 (25. März) zuerst genannt als Sohn des damals bereits verstorbenen Heinrich v. R. Am 29. April 1331 erhielt er von Kaiser Ludwig 200 Mark für geleistete Dienste (Schöpflin AD. II, 144 Nr. 950). Nach dem Jahre 1333 muss er in den geistlichen Stand getreten sein, denn bereits am 10. Mai 1337 und 8. Juni 1838 wird er als Domherr von Basel be- zeichnet. Auch diesen Ulrich wird man besser bei Seite lassen. Ganz vortrefflich deutet aber alles auf seinen gleichnamigen

* Heute S. Ulrichsburg.

2 Nach freundl. Mittheilung des Herrn Dr. K. Albrecht in Colmar, 4era ich für manche Notizen zu lebhaftem Panke verpflichtet bin,

Einleitung. XXm

Neffen, in dem ich mit Sicherheit den Mäcen des Colin wieder- zufinden glaube.

Ulrich von Rappoltstein war der Sohn des Johannes^ v. R. Urkundlich genannt wird er zum ersten Male am 8. Juni 1338. Er war vermählt mit Herzelaude-, der Tochter des Grafen Götzo von Fürstenberg. -^ Wann aber die Hochzeit vollzogen wurde, dafür fehlt jeder Anhalt. Jedenfalls fand die Vermählung einige Zeit vor dem 23. Februar 1353 statt. Den urkundlichen Beleg hierfür giebt eine Pergamenturkunde in Donaueschingen, die unter obigem Datum zu Basel ausgestellt ist:

Konrad von Bärenfels, Bürgermeister zu Basel und Ritter Werner Scholer bestätigen, dass die Grafen Heinrich und Hug von Fürstenberg-Haslach für ihre Schwester vrou Lowclin an deren Gemahl Ulrich von Rappoltstein 450 Mark Silber, die Mark zu 6V2 Florentiner Gulden, bis auf 100 kleine Floren- tiner Gulden als Ehesteuer bezahlt haben und dass 179 zu leicht befundene Gulden durch vollwichtige zu ersetzen sind. (Abdruck im Fürstenb. Urkundenbuch II, S. 193 Nr. 299). Eine zweite Urkunde im Bez.-Archiv zu Colmar, ausge- stellt zu Rappoltsweiler am 19. August 1362 bezeugt, dass Ulrich V. R. seiner Gattin Frau 'Herczelauweden' von Fürsten- berg 200 Mark Silbers 'luters und lötiges Colmer Geweges' zu rechten 'widemen' gegeben habe mit Zustimmung seiner Brüder, der 'Herren Johansen und Brünen von Rapolczstein'. Herzelaude wählt dabei Johan v. R. zum Vogt. (vgl. Fürstenberg. ÜB. II S. 248 Nr. 370). Was die Annales Rapp. (Colmar. Bez.-Arch. B. A. Serie E 1039 fol. llß""") hierüber sagen, ist nur ein Auszug dieser Urkunde. Ebenso dürftig ist die von einem Ulrich V. R. im Anfang des 16. Jh. geschriebene Familien- chronik (in Varia Rapp. Colmar. Bez.-Arch. Serie E. 1038.) Die Ehe Ulrichs war nur mit einer Tochter (Herzelaude)

1 Sein Vater hiess nicht Ulrich, wie Riezler, Gesch. d. Hauses Fürstenberg S. 259 annimmt.

2 So, nicht Herzelande, ist der richtige Name. Als wälsche Form erscheint Loveline u. ä. vgl. die Berichtigung im Fürstenberg. Ur- kundenb. IV, S. 519.

3 Vgl. den Stammbaum im Fürstenberg. ÜB. I, S. 403,

XXIV Einleitung.

gesegnet. Dieselbe muss ca. 1359 geboren sein, denn im Jahre 1372 war sie angeblich 13 Jahre alt.

Frau Herzelaude oder Loveline, wie sie in verwälschter Namensform genannt wird, kann höchstens bis zum Jahre 1363 am Leben gewesen sein, da in einer in Colmar befindlichen Urkunde von 1364 (ohne näheres Datum) als Gemahlin Ul- richs bereits 'Frau Margred, geborne Herzogin von Luthringen' erscheint. In dieser Urkunde verschreibt Ulrich v. R. seiner zweiten Gattin Margarethe 500 Gulden ze eime rehten widemen . ^ (Einen Abdruck wird der IL Band des Rappoltsteiner Urkunden- buchs bringen).

Ulrichs erste Gemahlin entstammte dem erlauchten Hause Fürstenberg, welches sich jetzt durch eine merkwürdige Fügung im Besitze der kostbaren Parzivalhandschrift befindet, die Ulrich verfertigen liess und welche Herzelaude in Rappoltstein oft in Händen gehabt haben wird. Merkwürdig ist es jedenfalls, dass Ulrichs Gattin und Tochter den Namen tragen, welchen bei Wolfram Parzivals Mutter hat: Herzelaude. Es muss uns als Beweis dienen, dass sowohl im Hause Fürstenberg wie Rappoltstein „die Liebe zur deutschen Literatur und gerade zu Wolframs tiefsinnigem Epos heimisch war". ^ Gerade solche Namengebungen in edlen Geschlechtern sind ein erfreuliches Zeichen dafür, dass auch im 14. Jh. der Adel den Sinn für deutsche Dichtung noch nicht völlig verloren hatte.

DIE FAMILIEN COLIN UND WISSE IN STRASSBURG.

Im folgenden soll das urkundliche Material, welches über die nach Strassburg gehörenden Geschlechter unsrer Dichter vorliegt, zusammengestellt werden. Der III. Band des Urkunden- büchs der Stadt Strassburg, welcher die privatrechtlichen Ur- kunden und Amtslisten von 1266 bis zum Sturze der Geschlechter-

» Fürstenb. ÜB. II, S. 248 Anm.

2 Vgl. Riezler, Gesch. d. Hauses Fürstenberg 8. 259 f. u. Fürstenb. Urk. IV., 519.

Einleitung. XXV

herrschaft 1332 zusammenstellt, enthält wichtige Beiträge zur Geschichte der Familien Colin u. Wisse. Herr Archivrath Dr. A. Schulte in Karlsruhe, der Bearbeiter dieses Bandes, hatte die Güte, mir in freundlichster Weise seine bezügl. Zusammen- stellungen zur Benutzung zu überlassen, wofür ich ihm hier meinen aufrichtigen Dank ausspreche. Den I. Band des Rappoltsteiner Urkundenbuchs, der soeben in die Presse wandert, konnte ich leider noch nicht zu Rathe ziehen. Dem Herausgeber desselben, Herrn Dr. K. Albrecht in Colmar, verdanke ich aber die gütige Mittheilung, dass die Annales Rapp, weder die Bearbeitung des Parzival noch die dabei betheiligten Männer erwähnen.

Philipp Colin, der kluge Goldschmied, entstammte einer angesehenen Strassburger Bürgerfamilie, welche weder zu den gewöhnlichen Handwerkern noch zu den grossen Geschlechtern gehörte, sicher aber zu den Rathgeschlechtern zählte.

Der Name Colinus weist auf eine welsche Abstammung der Familie ; er ist aus Nicolaus entstanden. Da dieser Heiligen- name erst seit etwa 1200 in Frankreich häufiger vorkommt, so ist anzunehmen, dass nicht sobald darauf die Koseform Colin schon zu einem Familiennamen geworden ist. Nun erscheint urkundlich im März 1265 zu Strassburg ein Bürger 'Colinus dictus Blanzart de Meti' (also aus Metz), der von einem bischöf- lichen Ministerialen, dem Ritter Burchard Murnhard, dessen Hof (curia) in der Ochsensteinergasse um 30 Mark Silber kauft.' So wird es wahrscheinlich, dass der Vorname Colinus erst bei der Übersiedelung des Metzer Bürgers nach Strassburg zum Ge- schlechtsnamen wurde. Auch der Yorname Philipp, der im Schwäbischen und Elsässischen sehr selten war, deutet auf fran- zösische Herkunft. Sonst tragen die Glieder der Familie Colin den beliebten Vornamen Nicolaus (auch im franz. Gebiet häufig), Götzo, Heinrich und Burchard.

Bald gehörte das Geschlecht der Colin zu den angesehensten in Strassburg. Schon 1275 war ein Glied der Familie im Rathe der Stadt. 2 Als Zeuge erscheint dieser Rathsherr in einer Ur- kunde vom 8. Januar 1275, wo er 'Colin heren Götzen sun' ge-

1 Strassbg. Urk.-Buch I, 451. no. 597.

2 Strassbg. ÜB. III, S. 413. Colin' 1275/6.

XXVI Einleitung.

nannt wird.^ Im Jahre 1277 ist das Rathsmitglied als 'Colinus under Cofliuten' (inter Mercatores) und als *here', mithin als Ritter bezeichnet. 2 Aus jenem Beisatz muss jedoch nicht geschlossen werden, dass die Colin ein Zweig der Familie 'Unter Kaufleuten* bez. von Achenhoim waren, welche sonst die Vornamen Erbo, Friedrich, Cuno, Reinhold u. s. w. führen.^ Es kann der Zu- satz sich ebensowohl auf die Wohnung der Familie 'under Kremern (heute Krämergasse, Gutenbergplatz)^ beziehen. Im Jahre 1279/80 und 1283/4 ist Colin wieder im Rathe, wird aber nicht 'dominus' genannt.^

Ein Clawes Colin, jedesmal ohne die Bezeichnung 'here' ist von 1302—1321 achtmal im Rathe der Stadt Strassburg nachzuweisen, nämlich 1302/3, 1304/5, 1307/8, 1309/10, 1312, 1315/16, 1317/18, und 1320/21.6 Im Jahre 1307/8 war er Stättmeister. "^

Zwei von den Brüdern des Claus Colin waren Dignitäre des Jung-St. Peterstiftes in Strassburg, dessen Capitel fast nur aus städtischen Patriziern bestand. Heinrich war Scholasticus,^ Götzo Thesaurar.^ Ihre beiden gut erhaltenen Siegel stellen Heilige dar, aber keinen Schild. ^^

Die drei Brüder verkaufen 1303 gemeinsam ihren Besitz- antheil an einem beim Holweg gelegenen Hause an Jacob von Barre für 70 Mark Silber; 1307 bezeugen sie den Empfang der ganzen Summe (ÜB. III, S. 96 Note 3).

1 a. a. O. III, S. 23 Nr. 65.

2 a. a. O. S. 114, wo auf die in Betracht kommenden Urkunden ver- wiesen ist.

3 s. Kindler v. Knobloch, Das goldene Buch von Strassburg I, S. 146. * Vgl. (K. Schmidt), Strassburger Gassen- u. Häusernamen S. 94.

5 Str. ÜB. III, S. 414 5 (G. inter Mercatores) u. S. 416.

6 a. a. O. III, S. 423. 424. 425. 426. 428. 429. Als Namensform er- scheint Clawes, Nycolaus, Niclawes, Claus.

' a. a. O. III S. 424.

8 Seit 1303; vgl. ÜB. III, S. 444, wo die Heinrich Colin betreffenden zahlreichen Belegstellen notiert sind.

9 Er wird als solcher urkundlich im J. 1293 u. 1310 bezeichnet (ÜB. III, S 96 Nr. 304 u. S. 201 Nr. 660) a. a. O. S. 444 ist unter Thesaurarius die erste Stelle nachzutragen, nämlich mit dem Jahr 1293 III, 96, z. 27 u. 41.

10 Nach Kindler u. Knobloch, gold. Buch v. St^assb. I, S. 160.

Einleitung. XX Vn

Nicolaus Colin, der noch öfters in Urkunden erscheint,^ war 1823 nicht mehr am Leben (Uß. III, S. 300 Nr. 1001: quondam Nicolai dicti Colin).

Der Scholasticus Heinrich Colin von Jung-St. Peter lebte offenbar in sehr guten Verhältnissen. In den Urkunden erscheint er öfters als Käufer. ^ Sein Testament, welches vom 23. Oktober 1319 datiert ist, liegt in einer Urkunde des Strassburger Bezirks- Archivs vor.^ Er stiftete darin (neben anderen Vermächtnissen) am Marien - Magdalenenaltar der Jung-St. Peterskirche eine Pfründe mit einem Aufwand von 120 Mark Silber. Ausserdem traf er die Bestimmung, dass für den Preis von 30 Schillingen auf seinem Grabe ein Stein mit seinem Bildniss aufgestellt werden solle. ^ Aus Heinrichs Testament ersehen wir auch, dass die Colin nahe Beziehungen hatten zu der bekannten Strassburger Familie Merswin,^ was auch durch andere Urkunden bestätigt wird. ^

Philipp Colins Vater hiess Burkard. Auch dieser erscheint zweimal in Strassburger Urkunden, und zwar in den Jahren 1297 und 1307.'' Beide male handelt es sich um Veräusserungen, ein Zeichen des Rückgangs der Familie. Der erste Verkauf (27. Mai 1297) betrifft das Besitzthum in der Ochsensteinergasse, 'vulgariter hern Kolines hof. Die Abfindungs- Summe betrug 21 Mark Silber. In der zweiten Verkaufsurkunde vom 8. März 1307 machen Meister u. Rath der Stadt bekannt, 'dass Burkart Kolin verkauft hat an Clawese Colin einen Kornzins von einem

^ z. B. im Jahre 1306 erwirbt er Güter in der Reiffegasse (ÜB. III S. 179 Nr. 578), 1310 empfängt er eine 'Hovestat' bei Jung-St. Peter in Erbleihe (ÜB. III, S. 200 Nr. 657, vgl. auch III, S 236 Nr. 770), 1319 wird er im Testament seines Bruders Heinrich genannt (ÜB. III S. 281 Nr. 929), 1323 schliesst er einen Kauf ab (ÜB. III, S. 291 n. 965) u. s. w.

2 z. B. ÜB. III, S. 217 Note 3. III, S. 235 Note 2.

3 Abgedruckt ÜB. III, S. 281 Nr. 929. * Als Heinrichs Todesjahr gilt 1337.

5 Das bekannteste Glied dieses Geschlechts ist Ruolman Merswin, welcher in der deutschen Literaturgeschichte des 14. Jh. eine hervor- ragende Rolle spielt.

6 vgl. z. B. ÜB. III, S. 72 Nr. 227 u. III, S. 96 Nr. 304.

7 ÜB. III, S. 118 Nr. 376 u. S. 181 Nr. 586.

XXVIII Einleitung.

Gute in Bledensheim für 12 Mark Silber'. Hierbei musste auch des Burkard Sohn Philipp auf sein Anrecht verzichten.

Im Jahre 1309 war Burkard Colin nicht mehr am Leben. Seine Tochter Anna, die Begine war, verkauft in demselben Jahr ihren Antheil an Rheinfähren einem Diether Kolbelin ^

Der Name des Philipp Colin begegnet zweimal in Strassburger Urkunden. Das erste Mal wird er, wie wir schon sahen, in der Urkunde vom 8. März 1307 genannt, in welcher sein Vater den Kornzins an Claus Colin verkauft.^ Es heisst darin : 'so wart euch Philippen, Burkartes Kolins süne, von uns uffe der pfaltzen angewunnen, das er dekein reht hat an dem gelte und dem gute'.

Nach seines Vaters Tode kam er in Noth und musste (ebenso wie früher seine Schwester Anna) seinen Antheil an den Rheinfähren veräussern. Am 5. Sept. 1309 geben Meister und Rath der Stadt Strassburg bekannt, dass 'Philippes Colin, Burkartes Colin seligen sun von Strazburg und seine Gattin Katharina ihren Antheil an den varen ze sancte Johannese zu den Hunden und zu Hunesvelt' für 21 Mark Silber verkaufen. Dann heisst es weiter:

'der selbe Philippes und Katherine sin wurtin haut och gesworn vor uns an den heiligen, daz sie dehein ander gut habent, daz unverwidemet si, damitte sie ir notdurft gebessern mügent denne mit diseme gute, und daz sie ez durch ir rehte notdurft verköft habent. sie haut och versworn alles in wideme reht an dem selben güte.'^

Dieser Eidschwur ist ein Gegenstück zu unserm Mani- festationseid und findet sich fast nur bei Zwangsverkäufen.

Da in späterer Zeit niemals mehr ein Philipp Colin in den Urkunden begegnet, so ist die Annahme berechtigt, dass der verarmte Ph. Colin von 1309 dieselbe Person ist mit dem 'klugen Goldschmied', der mehrere Jahre lang sein Handwerk aufgab, um sich ausserhalb seiner Vaterstadt durch Dichten seinen

1 a. a. 0. III, S. 194 Nr. 635.

2 ÜB. III, S. 181 Nr. 586. Originalurk. im Hospital - Archiv zu Strassburg.

3 Originalurkunde im Strassbg. Stadtarchiv. Vgl. ÜB. III, S. 195 Note 1.

Einleitung. XXIX

Lebensunterhalt zu verdienen.^ Zeitliche Bedenken wenigstens sprechen nicht dagegen.

Das einzige Zeugniss dafür, dass Colin in Strassburg die edle Goldschmiedekunst betrieb, sind des Dichters eigne Worte in seinem Epilog.- Aus den Schlussversen, in denen er seinen Gönner um klingenden Lohn bittet, geht es hervor, dass er die Neigung zu seinem Handwerk nicht verloren hat :

nu teil mir dine niilte mit, (858, 11)

so wurde ich widev ein goltsmit.

Über seine Frau Katherine, welche in der oben mitge- theilten Yerkaufsurkunde genannt ist, erfahren wir sonst nichts; in unsrer Dichtung findet sich oirgends die leiseste Beziehung.

Wenn nicht ein glücklicher Fund in einem elsässischen Archiv noch neues Material entdeckt, so müssen wir uns mit obigen, den Urkunden entnommenen Ergebnissen genügen lassen, welche immerhin einen beachtenswerthen Beitrag für die Ge- schichte der Familie Colin abgeben.

Die Wisse sind gleichfalls eine schon früh bekannte Strassburger Familie, sie erscheinen aber nicht vor dem Sturz der Geschlechterherrschaft im Rathe der Stadt.

Ein Hugo Albus begegnet 1148 als Zeuge in einer bischöf- lichen Urkunde.^ Seit dem 13. Jh. sind die urkundlichen Namens- formen der Familie: Wise und Wisse, in späterer Zeit Weiss. Nach K. Schmidt waren die Wisse eine reiche Strassburger Goldschmiedfamilie. Sie besassen seit dem 13. Jh. in Strass- burg Häuser bei der Pfalz, in der Brandgasse und am Wein- markt, die nach den Besitzern die Bezeichnung zu dem Wisen' u. a. führten.'* In den privatrechtlichen Urkunden, welche der

* In späterer Zeit erscheinen in Strassburger Urkunden noch ein Heintzo Kolin arm. Arg. im Jahre 1355 und endlich 1401 eine Greda Kolin, uxor Johannis Waller de Gendertheim. Vgl. Kindler v. Knobloch, gold. B. I, S. 160.

2 Weder H. Meyer, 'die Strassburger Goldschmiedezunft' noch Gerard, 'Les Artistes de l'Alsace pendant le moyen-äge' sind beim Durch- forschen des Urkundenmaterials unter den Meistern der Strassburger Gold- schmiedezunft dem Namen Colin begegnet.

^ Kindler v. Knobloch, goldn. Buch II, s. n. Weiss.

^ (K. Schmidt), Strassb. Gassen- u. Häusernamen S. 41, 129. 187.

XXX Einleitung.

III. Band des Strassburger Urkundenbuch bis zum Jahre 1332 zusarnmenfasst , finden wir viele Glieder dieser Familie er- wähnt. Zuerst begegnet 1286 der Bürger Gotzo dictus Wise, der mit Zustimmung seines Sohnes Johann einen Antheil seines Hauses zum Slcuche' verkauft. ^ Im Jahre 1287 veräusseren 'Jo- hannes dictus Jude in Stadelgassen et Ellina uxor ejus, filia dicti Wisen civ. Arg., de consensu Johannis et EUine, liberorum suorum*, 2 vor der Stadt juxta patibulum' gelegene Grundstücke. ^

Eine Urkunde vom 2. Juli 1296, welche das Wisse'sche Haus *am vischebuhele'^ in der Nähe der Pfalz betrifft, enthält die einzige Erwähnung eines Nico laus Wisse. ^ Dessen Vater Hugo war damals schon gestorben.^ Die andern Familienan- gehörigen werden sämmtjich in der Urkunde genannt. Meister und Rath der Stadt Strassburg machen darin bekannt : 'daz vor Katerine, hern Huges seligen dohter des Wisen, mit willen unde gehelle von Gertrude, irre muter, Niclaweses, Peters, Adel- heite, Elsen unde Greden, irre swestere, het verkofet und geben ze kofenne hern Johannese deme alten von Kagenecke, eime rittere von Strazburg 2 pfunt geltes genger und geber Straz- burgere uf deme huse unde hovestete, die het gegen deme vischebuhele' etc.

Nicolaus muss damals noch in jugendlichem Alter (vielleicht 15. Jahr) gestanden haben. In späterer Zeit ist sein Name nicht wieder in Strassburger Urkunden nachweisbar.^

Nach d: allgemeinen Angabe bei Schmidt führt Gerard, les Artistes de l'Alsace II, 322 u. nach ihm H. Meyer, Die Strassb. Goldschmiedezunft S. 214 den 1296 bezeugten Hugo Wisse als Goldschmied auf. Aus späterer Zeit belegt Meyer (a. a. 0. p, 216 ff.) aus den Stempeltafeln der Gold- schmiedezunft einen Hans Weiss 1545, Jacob Weys 1577, Georg Wei-ss 1594, Jacob Weys 1613, Joh. Wilh. Weis 1650 als Meister dieses Hand- werks.

1 ÜB. III, 8. 64 Nr. 200.

2 ÜB. III, S. 66 Nr. 209. Über die Lage des patibulum vgl. Silber- mann, Lokalgeschichte der Stadt Strassburg S. 165 f.

^ Strassb. Gassen- u. Häusernamen S. 62.

* ÜB. III, S. 112 ,Nr. 358. Urkunde im Strassburger Hospital- u. Stadtarchiv.

^ Es ist der bei Meyer a. a. O. S. 214 als Goldschmied aufgeführte Hugo.

^ Über die verschiedenen Zweige der verbreiteten Familie Wisse

Einleitung. XXXt

Ob nun dieser 1296 urkundlich bezeugte Claus Wisse mit uuserm Dichter identisch ist, kann bei dem Zeitabstand fraglich erscheinen. Immerhin ist die Möglichkeit nicht direkt abzu- lehnen, obwohl die Worte Colins in seiner Schlussdichtung (854, 7 ff.)

er ist genant Ciawez Wisze, ich wünsche imme, daz er slisze sine tage sunder swere als ein cluoger minnere

auf einen sicher 50 jährigen Mann nicht besonders passen. Leider gibt uns der Epilog Colins über die Lebensumstände seines Ge- nossen nicht den geringsten Anhalt.

Der Jude Samson Pine, der unsern Dichtern beim Um- reimen der französischen Yorlage als Dolmetsch diente, ist weder in Strassburger noch in Rappoltsteinischen Urkunden nachweis- bar. Seine Erwähnung im Gedichte selbst ist die einzige Nach- richt, die wir von seiner Existenz besitzen.

Ebensowenig ist der Schreiber Henselin und 'der von On- heim', welche in dem lustigen Schlussvers auf Bl. 320'' der Donau- eschinger Handschrift genannt werden, urkundlich zu ermitteln.

giebt das Str. ÜB. reichliche Auskunft. In Betracht kommen aus dem III. Bande die Urkunden Nr. 372 (S. 116), Nr. 459 (S. 142), Nr. 498 (S. 155), Nr. 564 (S. 175), Nr. 682-684 (S. 208 f.), Nr. 803 (S. 246) und Nr. 1208 (S. 365). Sie fallen in die Jahre 1297—1328. Die nicht immer klaren Verwandtschaftsverhältnisse hier aufzudecken, würde zu weit führen. Be- sonderes Interesse verdient das Testament von Anna, Wittwe von Peter Wisse (III Nr. 372) u. die Verkaufs-Urkunde des Hauses 'zu dem Slüche* (III Nr. 459), weil uns dadurch ein Einblick in die Vermögenslage der Wisse gestattet wird. Einzelne Glieder der Familie gehörten dem geistl. Stande an, so waren R&linus Wise (1296—1313) und Johannes Wisse (1310) Predigerbrüder. Eine Ellina Wisin erscheint 1290 als Schwester in S. Katherina. Albertus Wise war 1406 Decan von Jung-St. Peter und führte im parabolischen Siegel ein Schildchen mit zweisprossiger Leiter. S. Kindler V. Knobloch, gold. B. II (Weiss). Über die seit 1545 vorkommenden Meister d. Goldschmiedezunft mit Namen Weiss s. Meyer a. a. O. S. 216 ff.

XXXII Einleitung.

DIE QUELLE.

Colins Epilog erweist sich auch für diesen Punkt als werthvoU.

Zunächst wird gleich bei Beginn des Schluss wertes, ehe von der eignen Vorlage die Rede ist, eine Bemerkung über die Quelle Wolframs vorausgeschickt:

Dis het gerimet her Wolfram von Eschebach, als er ez vernam , von eins welschen nieisters munt,

der tet Imme den Ursprung kunt von Parzefales kintheit. i

Den Namen Kyot, welchen Colin doch in Wolframs Schluss- versen des Parzival gelesen haben muss, lässt er ganz ausser Acht und nennt nur Chretien als Eschenbachs Vorlage:

so verre ez her Wolfram in tuschen seit, daz het imme meister Cristian in welschen rimen künt getan.

Nach dieser Angabe wird die Vollständigkeit des wälschen Parzival gegenüber Wolfram hervorgehoben und derjenige ge- nannt, welcher das französische Werk zu Ende gebracht habe : Manessier :

der aventüre ist michels me, denne es in tützsche geschriben ste. daz het Maneschier gar bedoht unde allez zuo eime ende broht. . .

Das Werk des Manessier ist es aber nach den Worten Colins, welches Ulrich von Rappoltstein zugesandt wurde und das Colin für seinen Herren in deutsche Reime umsetzen musste.

Einen wie hohen Begriff übrigens unser Dichter von dem Werthe seiner Quelle und der dichterischen Begabung des Manessier hatte, ergiebt sich aus folgenden Versen seines Epilogs :

^ 845, 18 ff. Auffallend ist jedenfalls der Ausdruck 'Kintheit'. Nach Colins Ansicht hatte Wolfram also nur für Parzivals Jugendalter aus Chretien geschöpft.

^

Einleitung. XXXlU

in alleme Frangriche

lebete nüt sin geliche

an tihtenden sinnen.

von manheit und von minnen

het er getihtet in welsch so wol,

daz man in iemer loben sol.

Den Namen des Manessier finden wir nur in der Schluss- schrift Cohns erwähnt, die Umdichtung selbst weist ihn nicht auf. Der Grund hierfür liegt darin, dass unsre Dichter die Fortsetzung des Manessier nicht bis zum Schluss übertragen, in welchem sich erst dessen Namen in der französischen Über- lieferung vorfindet. Die letzten Verse der Wisse-Colinschen Er- gänzung (846, 8 f.) lauten :

hettent fröude gros mit mäht do zuo hofe alle die naht.

Sie entsprechen im Perceval den Versen 45035 f. (vgl. Potvins Ausgabe VI S. 144)

grant joie fönt toutes et tuit, k joie passent cele nuit.

Von da lassen unsre Dichter vom Zusammentreffen Par- zivals mit seinem Bruder Fervis (Feirefiz) die beiden letzten Bücher Wolframs folgen, denen sie nur einige Stellen aus Manessier einflechten.

Da aber Colin diesen Namen nennt, ergiebt sich mit Sicherheit, dass in dem unserem Dichter vorliegenden fran- zösischen Manuskript am Schlüsse Manessier seine Autorschaft angab. ^

Müssen wir uns nun mit Colins Angabe über seine Quelle zufrieden geben?

Bisher hat man es gethan und alle Literaturgeschichten sprechen es aus, dass das Werk unsrer beiden Strassburger Dichter auf der Perceval-Fortsetzung des Manessier fusse.

Noch niemand hat es aber bemerkt und auch Colin ist es entgangen, dass in unsrer Umdichtung der Name eines andern

^ Diese Schlussformel zeigen 3 französische Hsn., die von Montpellier in Paris Nat. Bibl. Nr. 12576. 12577. Das Ms. von Mons hat Manessier u. Chrestien geändert.

Eis. Lit. Denkmäler. V. HI

XXXIY Einleitung.

Bearbeiters des Chretien genannt wird, nämlich Gauthier von Dourdan.

Die Stelle lautet (vgl. 582, 20 f.)

Walther von Dunsini dise rede ret, der dise ystorie vollebroht het.

Die Arbeit Gauthiers, welche der Fortsetzung des Man- nessier vorausgeht, ist durch unsere Dichter ebenfalls übertragen worden und zwar in ilirer ganzen Ausdehnung.

Wie ist nun das Werk des Gauthier zu umgrenzen?

Die fnst allgemein angenommene Ansicht ist es, dass Chretiens unvollendet hinterlassener Perceval nacheinander 3 Fortsetzungen erhalten habe-:

1. durch Gautiiier de Dourdan,

2. durch Manessier,

3. durch Gerbert.

Birch-Hirschfeld hat den Umfang dieser 3 Fortsetzungen [nach der Ausgabe von Potvin^] folgendermassen berechnet: Gauthier dichtete Yers 10 602—34 934 und Mannessier V. 34 935 bis zum Schluss. Nachdem des letzteren Arbeit vollendet war, fügte Gerbert eine grosse Interpolation von ca. 15000 Yersen zwischen Gauthiers und Mannessiers Arbeit ein. Gerbert kommt für uns aber nicht in Betracht, da seine Ergänzung durch Wisse und Colin nicht benutzt worden ist.

Prüfen wir nun die beiden in unserm Denkmal benutzten Perceval-Fortsetzungen des Gauthier und Mannessier näher, so ergiebt sich die von Birch-Hirschfeld aufgestellte Abgrenzung derselben bei Vers 34 935 als völlig zutreffend. Abzuweisen ist

1 Die französischen Perceval - Handschriften geben den Namen Gauthiers äusserst verschieden. Vgl. Potvin, Bibliographie de Chrestien de Troyes p. 43 f. Colins Vorlage muss die Namensform Gauthier de Dons geboten haben, welche auch durch das Ms. von Mons belegt ist.

2 Vgl. hierüber hauptsächlich: Histoire litt^r. de la France XV p. 250 ff. Holland, Chrestien von Troies S. 210 ff. Birch-Hirschfeld, Die Sage von Gral S. 88 ff. Die von Potvin, Bibliogr. de Chrestien de Troyes u. in seiner Ausgabe des Perceval entwickelte Ansicht hat keine Zustim- mung gefunden, und mit Recht.

3 Perceval le Gallois ou le Conte du Graal public par Ch. Potvin. I— VI Mons. 1866-71.

Einleitung^. X:5tXV

es aber unzweifelhaft, dass Gautliier schon mit Vers 10 60'2 an- gefangen habe zu dichten.

Eine Vergleichung des französischen Textes und der Nach- dichtung von Wisso-Colin führten mich zu der Ansicht, dass Yers 10 602-34 934 des Perceval unmöglich von einem Ver- fasser herrühren können. Die Arbeit des Gauthier Hess ich mit dem Wiederauftreten Parzivals einsetzen. (Wisse-Colin Sp. 314, 13, vgl. Potvin, Perceval Vers 21917).

Zu meiner Freude sehe ich, dass Gaston Paris ^ zu dem- selben Resultate gelaugt ist. Er äussert sich über die erste der Fortsetzungen folgendermassen :

"le premier (morceau), qui est anonyme et n'est peut-etre pas d'un seul auteur, et qui, au moins pour une partie, existe dans deux redactions assez differentes, a subi en outre une Inter- polation cousiderable. II va du vers 10 602 au vers 21916, et il est consacre ä la fin des aventures de Gauvain, au milieu desquelles Chretien s'etait arrete."

Mit Recht darf man auf die näheren Ausführungen ge- spannt sein, die G. Paris für einen Aufsatz in der Romania an- kündigt. Seinem Scharfblick wird es gelingen, das Dunkel, welches noch immer über des Perceval-Überlieferung schwebt, endlich zu lichten.

Nach Chretiens Schlussvers (Potvin 10 601) weichen die Handschriften des französischen Perceval sehr von einander ab.- Zu beachten ist, dass das Berner Ms. No. 354 an dieser Stelle schliesst und dass in der Pariser Hs. No. 794 hier Chretiens Text von der Fortsetzung durch das Rubrikat geschieden wird: Explycyt Perceval le viel. ^

In den 8 in Betracht kommenden Perceval-Handschriften zeigen sich von hier ab eine Zeit lang 2 verschiedene Redak- tionen. *

* Les Romans en vers du cycle de la Table Ronde. (Extrait du Tome XXX de l'Histoire litt, de la France) [Paris 1887] p. 27.

2 Ygl. Potvin, Perceval III, S. 47 ff. u. Rochat, Germania 415 f.

^ Auch die Donaueschinger Hs. scheidet Wolframs Gedicht als den 'alten Parzefal' von seiner Fortsetzung dem 'nuwen Parzefal'. S. oben die Notiz S. XIII f. u. die Überschrift Sp. 845, 14.

•^ Später stellen sich einzelne Ms. bald zu dieser, bald zu jener Gruppe.

m*

XXXvt Einleitung.

Die erste (A) wird repräsentiert durch das Monser Manu- skript und die Pariser Codices 794, 1450 (unvolist.), 1453 und 12 576; die zweite (B) durch die Handschriften von MontpelHer und die Pariser Hsn. 12 577 und 1429. Der letzteren Gruppe schliesst sich im ganzen die Prosaübersetzung des Perceval an, welche in dem Pariser Druck von 1530 vorliegt.

Welche von den beiden Redaktionen der französischen Percevalfortsetzungcn liegt nun unserem elsässischen Denkmal zu Grunde?

Wie oben bemerkt, haben Wisse und Colin ihre Fort- setzung an das XIY. Buch Wolframs angefügt, dessen Schluss von dem französischen Text aber erheblich abweicht. Wolfram hatte berichtet, dass König Artus zwischen Gawan und Gramo- flanz eine Sühne geschlossen und letzterem die Schwester des Gawan vermählt habe. Unsere Dichter fanden nun in ihrer französischen Yorlage eine andre Darstellung, als bei ihrem Vor- gänger, dass nämlich jene Vermählung ohne Gawans Wissen geschehen sei. Aus Zorn habe dieser dann den Hof des Artus verlassen. Die Abweichung ihrer Vorlage von Wolfram hielt nun unsre Dichter ab, diese Partie ihrer Quelle zu übersetzen. Sie begnügten sich damit, in einer Prosanotiz (s. vorn Seite XHI) Gawans Abschied vom Hof zu erwähnen. Der Widerspruch dieser Erklärung zu Wolframs Gedicht störte sie nicht.

Das erste Abenteuer, welches Gawan bei unsern Dichtern erlebt, ist sein erster Besuch der Gralburg (Sp. 2 ff.), Diese Erzählung findet sich nur in den Handschriften der Redaktion B., die hier jedoch mannigfache Abweichungen aufweisen. ^ Es folgen in unserer Dichtung der Kampf Gawans mit Dinasdares und die Verhütung des Zweikampfes in Kavalun durch König Artus. (Sp. 8 ff., Sp. 13.) Auch diese sind nur in B. über- liefert.

Bei der Episode zwischen Gawan und der Schwester des Brandalis fSp. 33, 41 f. vgl. Potvin HI, S. 101) zeigt unsere

^ Vgl. Potvin, Perceval III S. 85 ff. Der zweite Gralbesuch Gavirans wird Sp. 265 erzählt (Potvin IV S. 1 if.) Beide male kann G. das Schwert nicht ganz machen und verschläft die Erzählung des Fisclierkönigs. Die erste Erzählung scheint spätere Interpolation.

Einleitung. XXXVII

Dichtung die ausführliche Darstellung, wie sie die Hs. von Mens überliefert. ^ Das Ms. von Montpellier dagegen erzählt das ganze Abenteuer in wenigen Versen. Potvin hat, so viel ich sehe nirgends darauf hingewiesen, dass diese Episode später noch einmal in ganz andrer Weise erzählt wird. (Vgl. Sp. 195 ff. Potvin III p. 260 ff.). An erster Stelle wird berichtet, dass des Brandalis Schwester ^ Gawan, den sie lange geliebt, ihre Minne gewährt habe. Ihr Vater, welcher Gawan nachreitet, um diese Schmach zu rächen, wird von diesem tötlich verwundet. Auch Brandalis kämpft darauf mit G. Der unentschiedene Kampf soll später zum Austrag gebracht werden. Ganz anders lautet der Bericht an der zweiten Stelle. Dort erzählt Gawan seinem Oheim von seinem Abenteuer. Er klagt sich an, dass er der Jungfrau Gew^alt angethan. Ein Bruder des Mädchens und ihr Vater kämpfen mit ihm beim Zelt und werden beide ge- tötet. Endlich kommt auch Brandahs als Rächer. Auch hier bleibt der Streit unentschieden und wird vertagt. Die letzte Darstellung ist viel lebhafter und ausgeführter und die Scenerie eine völlig andere.

Es ist einleuchtend, dass diese beiden Darstellungen nicht von einem Verfasser herrühren können.

In dem grossen Abschnitt, welchen Wisse und Colin mit 'Karados buoch' bezeichnen (vgl. Sp. 45 169), lehnt sich unsre Nachdichtung im grossen und ganzen an die Redaktion im Ms. von Montpellier, das die Episode weit ausführlicher erzählt, als die Hs. von Mens. ^ Dem Texte jener Hs. schliesst sich auch hier wieder der Pariser Druck von 1530 an, der übrigens ab- weichend von den Hsn.* dem Zauberer den Namen Eliavres beilegt, in Übereinstimmung mit unserer Dichtung.

Bei dem zweiten Gralbesuch Gawans zeigt die franzö- sische Überlieferung wieder bedeutende Abweichungen. In einer

* Zu dieser stellen sich hier das Pariser Ms. 12577 u. der Druck von 1530.

2 Sp. 43, 30 wird sie Aclervis genannt. Unsere Dichter fanden in d. franz. Quelle: sa seror au der vis, was sie als Namensform auffassten. Sp. 255, 12 trägt sie ihren wahren Namen Gyrolette.

3 Ygl. z. B. Potvin III S. 198 £f.

* wo der Name Craharies lautet; vgl Potvin, Vers 12461,

XXXVIII Einleitung.

Hs.gruppe (vgl. das Ms. von Montpellier und die Pariser Ilsn. 794 1429 und 12577) wird die Geschichte des Joseph von Arimathia durch den Fischerkönig erzählt (in 228 Versen), während die andere Gruppe dieselbe übergeht (so die Hss, in Mons, Paris 12576, 1435 und der Druck von 1530). Wisse und Colin fanden in ihrer Vorlage die letztere Redaktion vor. '

Die erste grosse Fortsetzung, welche sich an Chretiens Werk anschloss, rechne ich mit Gaston Paris bis zum ersten Auftreten des Perceval (vgl. Potvin Vers 21917).

Der Hauptheld dieser ganzen Partie ist Gawan, da- neben sind grosse Abschnitte dem Karados und Gaharies (Gawans Bruder) gewidmet, mit dessen Abenteuern abge- schlossen wird.

Die erste Perceval-Fortsetzung wird, wie wir sahen, durch die franz. Hsn. sehr abweichend überliefert. Diese Abweichungen bilden aber nicht etwa kleine Differenzen in der Darstellung, sondern sie sind inhaltlich sehr bedeutend. Mehrere Episoden werden doppelt erzählt, was verschiedene Verfasser resp. Inter- polatoren voraussetzt. Der französischen Forschung liegt es ob, hier in dem Wirrniss der Überlieferung durch scharfe Kritik Ord- nung zu schaffen. Die Nachdichtung von Wisse und Colin wird dabei ein wesentliches Argument abgeben.

Den Übergang von den Heldenthaten Gawans zu den Abenteuern des Parzival geben die Percevalhandschriften ver- schieden (vgl. Potvin IV S. 30.) Es zeigt sich deutlich, dass hier eine Nath ist. Auch in unserm Denkmal wird dies klar ersichtlich (vgl. Sp. 313. 314).

In einer Überschrift künden unsre Dichter an, dass nun das erste Parzival-Abenteuer nach ihrer Quelle folge (Sp. 314). Bemerkenswerth ist, dass sie versuchen, in ihrem Übergang an Wolframs XIV. Buch anzuknüpfen. Die in Betracht kommende Stelle lautet (314, 15 ff.):

uf eine mitte wuche ez geriet, daz Parzifal sich do Schiet von künig Artuse zuo Joflanz do er gestreit mit Gawan und Gramolanz.^

1 Vgl. Sp. 273, 28 if. mit Potvin V. 20296. Den ersten Gralbesuch erzählt unser Gedicht nach Redaktion B. (Montpellier), vgl. oben S. XXXVI.

2 Die Namen der 2 letzten citierten Verse stehen übrigens in der

Einleitung. ^ XXXIX

Wie bekannt, gehört der Kampf zwischen Gramoflanz und Gawan nur Wolfram zu.

Auch in der II. und III. Percevalfortsetzung von Gauthier de Dourdan und Manessier bietet die französische Überlieferung noch Abweichungen genug, doch sind dieselben bei weitem nicht so bedeutend und schnell wechselnd, wie in der ersten Partie. Es würde mich viel zu weit führen, wollte ich zusammenstellen, in welchen Punkten unser Denkmal zu einer oder anderen Gruppe der Percevalhandschriften stimmt. Aus obiger Zu- sammenstellung wird es schon hinlänglich erwiesen, dass unsere Dichtung abwechselnd beiden Redaktionen folgt.

Von besonderem Werthe ist für die Reconstruction der von unsern Dichtern benutzten französischen Vorlage eine Ein- schaltung am Schlüsse des 2. Wolframschen Buches, nämlich der von Wisse herrührende 'Prologus' (s. den Schluss der Ein- leitung S. LVII). Die 500 Verse dieses Zusatzes geben im all- gemeinen die ersten 474 Zeilen bei Potvin (II p. 1 17) wieder. Sie entsprechen also dem ersten Theile der Einleitung, welche im 13. Jh. dem Werke Chretiens vorausgeschickt wurde und die handschriftlich nur in dem Manuskript von Mons vorliegt.

Die Einleitung erzählt zuerst von dem Unglück, welches über das Königreich Logres (England) hereingebrochen sei unter Übeln Königen. Wir werden in märchenhaftes Gebiet geführt zu den Mädchen von den Bergen (pucelles as puis) ^, welche die Wandrer mit Speise und Trank nach Herzenslust versehen. König Amangon, der die Jungfrauen schändete, vernichtet diese Herrlichkeit. Artus und die Tafelrunde leisten nun den Schwur, die Jungfrauen zu rächen. Es wird von Kämpfen be- richtet, in den Bliheris gefangen wurde. Dieser giebt wunder- bare Kunde von dem Mädchenlande. Die Tafelrunde fasst den Entschluss, den Hof des reichen Fischerkönigs aufzusuchen. Es wird gesagt, dass Gawan zu der Gralburg gekommen sei. Vor

Donaueschinger Hs. auf Rasur. Es wäre interessant, die getilgte Lesung zu wissen.

* puis heisst 'Grotte*: der Pariser Druck bietet dafür *cave'. Diese Sage von den pucelles verdiente näher untersucht zu werden; wie die Jungfrauen zum Fischerkönig in Beziehung stehen, ist noch nicht auf- geklärt. V^l. dazu E. Martin, zur Gralsage S. 44-

XL Einleitung.

ihm habe aber ein anderer dies Glück gehabt: Parzival. Dann folgt ein kurzer Bericht von Parzivals erstem Gralbesuch, wo er der Frage vergessen. Dem Land sei nun der alte Wohl- stand zurück gekehrt. Darauf wird von dem Bau des castel as pucieles (der megede bürg), vom pont perellous und dem Kastei Orgelus gesprochen, welche die Feinde König Artus zum Trotze errichteten. Vier Jahre lang wüthet nun der Krieg, aber endlich bleibt Artus Sieger und Freude und Glück kehren überall ein.

Diese recht verworrene Einleitung liegt auch in der fran- zösischen Prosaübersetzung, im Pariser Druck von 1530 vor. Sie trägt den Titel: Elucidation de l'hystoire du Graal; die drei ersten Kapitel enthalten obigen Bericht. (Vgl. Potvin, Bibliogr. de Chrestien de Troyes p. 171 ff., wo dieser Abschnitt abge- druckt ist).

Wisse fand jene Erzählung in seiner Vorlage ebenfalls überliefert. Seine Übertragung leitet er durch einige Worte ein. Der Text, der ihm vorlag, unterschied sich indessen in wesentlichen Punkten von den beiden im Ms. von Mons und Pariser Druck vorliegenden: so fehlt z. B. die Stelle von den *sept gardes'.

Seinen Prologus stellt nun unser Dichter nicht vor das erste Buch des Wolframschen Textes, sondern schiebt ihn am Ende des IL Buches ein (nach L. 112, 10), wo die Geburt Parzivals gemeldet wird. (Vgl. dagegen Potvin II, S. 1 ff.)

Wie wir sahen, ist das einzige Ms., welches jene Ein- leitung überliefert, die Handschrift von Mons.

Kann nun diese die Vorlage unsrer Dichter gewesen sein?

Unsre oben angeführten kurzen Vergleich ungen haben gezeigt, dass der Text unsres Denkmals in vielen Stücken zu der Redaktion im Ms. von Montpellier (und seiner Sippe), in manchen aber auch zu der im Monser Codex vorliegenden stimmt.

Keine der vorhandenen Percevalhandschriften ist jedoch die Vorlage für die elsässische Übertragung gewesen.

Nun verbieten aber die Worte Colins die Annahme, dass unsre Dichter aus zwei oder mehr Handschriften geschöpft hätten. Es wird immer nur von 'dem Buch' geredet. Vgl. z, B. 850, 11;

Einleitung. XLI

Wir beide daz vernommen hant^

daz dir ein welsch buoch ist gesanf,

daz der Minig Artus

hiez schrihen von orte unze ende uz.

Ausserdem wäre es wenig glaublich, dass Pine , der den französischen Text den Dichtern deutsch vorsagte, auch noch Textesordnung vorgenommen habe.

Die französischen Percevalhand Schriften bieten in ihren mannigfachen Abweichungen ein so buntes Bild der Überliefe- rung, dass man ein verlorenes Ms. voraussetzen darf, welches die durch unser Denkmal geforderte Beschaffenheit besass.

Reeonstruieren wir die französische Percevalhand schrift, welche unsere Dichter benutzten, so ergiebt sich, dass sie fol- gende Abschnitte enthalten haben muss und zwar in nachstehen- der Reihenfolge.

1. Einleitung (von der nur Vers 1—474 theilweise benutzt ist).

2. Chretiens Gedicht. ^

3. Die anonyme Fortsetzung (Gawans Abenteuer) mit Inter- polationen.

4. Gauthier de Dourdans Fortsetzung (Parzival).

5. Die Fortsetzung Manessiers (in welcher am Schluss der Autorname genannt war.)

Der Pariser Druck von 1530 setzt eine etwas abweichende Hs. voraus, die sich auch von dem Monser Ms. unterschieden hat. Aus jenem erschloss man eine zweite Handschrift; eine dritte Hs. dieser Gruppe wird durch unser Denkmal erwiesen.

Wie sich unsre Dichter bei der Übertragung ihrer Quelle in die Arbeit theilten, ist keine leichte Frage. Die Hauptthätig- keit scheint Colin zuzufallen, denn er nennt sich als denjenigen, welchen Ulrich von Rappoltstein zu seinem 'tihtere' berufen habe. Schlecht stimmen hierzu allerdings seine Worte über Claus Wisse: der tihtete ein jor vor mir e.

Wisse hatte also schon vorher mit der Arbeit begonnen. Wie weit er damit gediehen war, ist nicht mit Sicherheit aus

* Beweis ist z. B. d, grosse Zusatz, der in Wolframs III. Buch (nach L. 175, 4) eingeschoben ist. Er entspricht Chretiens Yersen 2702 ff, (Potvin II, S. 91).

XLII Einleitung.

dem Gedicht zu ersehen. Einigen Anhalt geben uns aber die Schlussworte Colins. Er sagt dort (854, 3) von seinem Mit- arbeiter :

der tibtete disen anevang.

Ohne Zweifel ist damit auf die Eingangsverse des Prologus verwiesen, wo es heisst (s. Seite LYII?):

dovon der ie nach eren rang sol merken disen anevang.

Ich glaube diesen Prolog mit Bestimmtheit Wisse zuweisen zu müssen. Vergleichen wir den Stil desselben mit dem in Colins Epilog, so ergiebt sich, dass der 'Prologus' durch steife und ungelenke Redeweise absticht.

Eine zweite deutliche Spur von Wisse sehen wir ferner in der Einschaltung hinter dem 4. Wolframschen Buche. Dort wird vom Dichter die Milde des Herren angerufen. Dies erste Bittgesuch wird man mit grösster Wahrscheinlichkeit Wisse in den Mund legen müssen, da Colin kaum zweimal seine Mahnung angebracht haben wird. Von wo das Zusammenwirken der Dichter zu rechnen ist, dafür fehlt jeder sichere Anhalt.

DenWerth unsres Denkmals für die Geschichte des elsässi- schen Dialekts werde ich demnächst ausführlich in einem besonderen Aufsatz der 'Strassburger Studien darlegen. Bei der Gelegenheit werde ich dann auch näher über die dichterische Thätigkeit und Befähigung von Wisse und Colin handeln. Hier möchte ich nur auf einen Gesichtspunkt hinweisen, durch den die Beurtheilung schwierig gemacht wird. Nur wenige Stellen des umfangreichen Denkmals sind Geistesprodukt unsrer Strass- burger Dichter. Was ihnen zu eigen gehört, geht kaum über die Conventionellen Bitten um Belohnung hinaus. Alles Übrige ist Übersetzung aus der französischen Vorlage, die von ihnen nach der Übertragung Pines Satz für Satz, Periode für Periode, in deutsche Reime gebracht wurde. Die Quelle, welche selbst schon von ganz verschiedenem dichterischen Werth ist, beengt ihre Aus- drucksweise. Wo die Vorlage sich in der Darstellung erhebt, da finden wir auch in unserm Gedicht fliessendere Verse und gehobeneren Ausdruck. Bringt aber die Quelle lange Reden und langathmige Sätze, so wird den Dichtern das Metrum zu enge und es entstehen ungeschickte und überlange Verse. Die

Einleitung. XLIII

vielen Flickreime theilt unser Denkmal mit seiner Quelle, welche jedenfalls keine viel höhere Stufe einnimmt, als die Um- dichtung durch Wisse und Colin. Nach solcher Erwägung ver- dient die Arbeit der elsässischen Dichter mildere Beurtheilung.

Für die Geschichte der Sage vom Gral und von König Artus Rittern bringt unser Gedicht nichts Neues, da es ja nur die im frz. Perceval mit seinen Fortsetzungen vorliegende Sagen- überlieferung wiedergibt.

Als umfangreiches Denkmal der elsäss. Mundart aber ver- dient das Werk unsrer Strassburger Poeten sorgfältige Beachtung. Für Grammatik und Wortschatz wird es sich gleich weuthvoll erweisen.

Bei der Herstellung des Textes habe ich folgenden Grundsatz befolgt. Der Abdruck giebt genau die Originalhandschrift wieder mit allen ihren orthographischen Schwankungen. Die Abkür- zungen wurden aufgelöst, die Eigennamen mit grossem Anfangs- buchstaben versehen. Die Scheidung von u und v, von i und j ist im Abdruck durchgeführt. Für ü und ü ist der Bequem- lichkeit wegen uo und ue gedruckt, für das häufige ü— ü. Ge- ändert habe ich nur, wo offenbare, sofort erkennbare Schreib- fehler vorliegen. So bietet das Ms. fälschlich: 29, 7 flölich, 19,29 slieiffent, 228, 15 bettet, 336,6 ruof, 440,5 gefron, 452,33 wehte, 489, 37 besseren, 526, 6 unbeschedenheite, 563, 23 nämet, 567, 43 liehtem, 585, 45 erschocken, 615, 34 hütte, 630, 43 Parzefe- fal, 639, 44 torre, 682, 4o ernhüfe, 691, 5 gewangen, 703, 12 schri- ben, 749,44 gesach, 753, 23 enzizent (z für h), 803,38 hartte (für hande), 816, i9 begengent, 836, 20 blep etc. Zuweilen ist ht mit th verwechselt sowie em mit en ; über e ist öfters der n- Strich vergessen. Sp. 33, 21 liest die Hs. harnoch, was Schreib- fehler für harnesch ist. Sp. 39, 17 steckt in von dem ein Ver- sehen, es ist wohl zu lesen kam ze dem. Sp, 13, 34 steht hinter urteil Rasur, die nicht ergänzt ist ; ich wählte die Lesart von R. Einige Male, habe ich Ueberschriften , die an falscher Stelle stehen, an den richtigen Platz gerückt, wenn die Ände- rung leicht w^ar z. B. Sp. 51 etc. Oft war jedoch eine Um- stellung unmöglich. Die Ueberschrift von Sp. 845 steht in der Hs. unten am Rande. Im Abdruck sind die Rubrikate cursiv gesetzt.

XLIV Einleitung.

Unnatürliche Worttrennungen und -Verbindungen wurden aufgegeben. Auch die Versalbuchstaben am Anfang der Zeilen habe ich nicht beibehalten , dagegen sind die wenigen vor- kommenden Längezeichen gewahrt.

Bei der Interpunktion, die im Ms. reichlich verwendet ist, habe ich mich dem Princip der Handschrift angeschlossen.

Das Namen-Verzeichniss am Schluss beschränkt sich natür- lich auf eine Auswahl der Belegstellen. Berücksichtigt wurden dabei die verschiedenen Namensformen und der Reim.

Für den Titel wählte ich den Namen Parzifal, welcher durch das Originalmanuskript geboten ist.

Die Abschrift unseres umfangreichen Denkmals wurde be- reits im Winter 1878/9 angefertigt. An ihr betheiligten sich die Herren Prof. Martin, Balke, Kluge, Brahm, Ad. Schmidt, Waitz und ich. Den grössten Theil der Hs. copierte ich selbst, nämlich 26000 Verse, der Rest vertheilt sich auf die Erstge- nannten.

Auf Anregung von Prof. Martin übernahm ich die Aus- gabe für die Elsäss. Literaturdenkmäler, musste sie aber für spätere Zeit zurückschieben. Andere Arbeiten gestatteten mir erst im Oktober 1887, an die Textherstellung zu gehen.

Die Donaueschinger Hs. konnte ich hier in Müsse be- nutzen und collationieren ; die Durckbogen corrigierte ich nach dem Originalmanuskript.

Für diese grosse Erleichterung meiner Arbeit fühle ich mich gedrungen, der Direktion der Fürstl. Fürstenbergischen Hof- bibliothek zu Donaueschingen hier öffentlich meinen Dank aus- zusprechen. Ebenso empfinde ich es als angenehme Pflicht, allen denen zu danken, welche mir bei meinen Untersuchungen mit Beiträgen förderlich waren, besonders Herrn Archivrath Dr. A. Schulte in Karlsruhe, der mir werthvolles Material überliess, und Herrn Dr. K. Albrecht in Colmar. Auch Herrn Prof. Dr. Martin bin ich für Anregung und manchen freundlichen Rath verpflichtet.

Strassburg, 17. Mai 1888.

K. S.

ZUSÄTZE

VON

WISSE UND COLIN

INNERHALB DES WOLFRAMSCHEN TEXTES.

Vergleicht man den Text von Wolframs Parzival, wie er in der Donaueschinger Hs. überliefert ist, mit dem der Lach- mannschen Ausgabe, so sieht man sofort, dass das Werk nach guter Vorlage sehr sorgfältig^ copiert wurde und zwar unter Aufsicht von Wisse und Colin. Hierbei erhielt die Orthographie durch die elsässischen Schreiber etwas dialektische Färbung.

Die Hand unserer Dichter erkennt man an kleinen Ände- rungen im Reim und in mehreren Umstellungen, durch welche sie den Text zu bessern glaubten.

Als das Werthvollste ergeben sich aber die von Wisse und Colin herrührenden Einschaltungen, die sie dem alten Par- zivaltext Wolframs einfügten. Dieselben beruhen mit geringen Ausnahmen (z. B. d. Bittgesuch Wisses am Ende des 4. Buchs) auf französ. Vorbild und zwar z. Th. auf Chretiens Werk selbst, z. Th. auf dessen Fortsetzungen. Nur die Bücher VII— XIII sind ganz unversehrt geblieben, während die beiden letzten Bücher (XV. XVI) die umfänglichsten Zusätze aufweisen.

Im Folgenden sind die eingefügten Einschaltungen zu- sammengestellt, aus denen man einen interessanten Einblick ge-

^ Nur 2 Verse sind ausgelassen, nämlich die Zeilen L, 496, 7. 8. Unsere Textüberlieferung bietet übrigens zahlreiche beachtenswerthe Yarianten, die ich später an anderer Stelle zu geben gedenke.

XL VI Zusätze Y. Wisse u. Colin innerhalb d. Wolf ramschen Textes.

winnt in die Art, wie unsere Dichter Wolframs Text aus dem französischen Perceval zu ergänzen suchen.

BUCH I.

Zwischen die Wolframschen Verse, bei Lachmann 46, 1. 2 und 46, 2. 3 ist je ein Vers eingeschoben und zwar mit der Ab- sicht, den Reim Eazallc : wtp zu bessern.

[Gant har, min herre Razalig,] (Bl. 7*^, 1 fF.) trettent an der seiden stig. [ir süllent küssen min wip,] die mir liep ist als der lip.

Nach L. 47, 8 sind folgende 2 Verse zugesetzt:

er sprach: nein es niht, (7** Z. 10 v. u.)

swas so anders mir geschiht.

Hinter L. 48, 2 zwei Zeilen mit Änderung von 48, 2:

[ir kus der waz minnenclich,]

den dem tegen bot (8% 17 f.)

mit ir munde rosenrot.

Nach L. 51, 24:

nu do wurden gewar (8'', 20 v. u.)

herren unde barroche (!) gar

BUCH II.

Nach L. 78, 4:

men sprach ir reht uf bluomen velt, (12°, 19 f.) do enirrete stude noch gezelt.

L. 112, 4 ist geändert in:

owe schade unde schände (17^ 11 v. u.)

dann sind 2 Verse hinzugefügt:

den wir nu genomen hau, so sprechen Gamuretes man.

Zusätze V. Wisse u. Colin innerhalb d. Wolframsclien Textes. XLVll

Nach L. 112, 10 steht die rothe Überschrift: (17^^)

Hie ist hünig Gamuretes buoch us, der Parcifales vatter waB.

Darauf folgt die Einschiebung des Prologs von 504 Versen (s. Seite LVII ff.)-

Auf den Prolog folgt in 22 Versen eine Umdichtung der 16 Wolframschen Verse L. 112,13 28, von denen einige An- stoss erregten.

Vgl. L. 112, 13 ff.:

[feines vater fröde und des not (= L. 112, 13 ff.)

beide sin leben unde sin tot : (20'', 9 ff.)

des habent ir ein teil vernomen.

nu wissent, wavon üch si komen

dis mores sachewalte

unde wie men den behalte.

men barg in vor ritterschaft,

untz er kam an siner witze craft,]

wan es vorhte die künigin,

ob ir vil liebes kindelin

ritters werg gesehe,

daz ir zem sunne geschehe

als sinem vatter Gamuret.

davon in gehalten tet

niht wan bi vrowen.

si mueste in dicke schowen,

wan er was ein richer beafis.

ich wene got sinen flis

mit kunst an in kerte,

do er in leben lerte.

got gap im starke schöne lit,

[er wart mit swerten sit ein smit.] (= L. 112, 28)

XLVlII Zusätze v. Wisse u. Colin innerhalb d. Wolframschen Textes.

BUCH III. Nach L. 155, 8 :

do begonde er sin pflegen (26^, 14 f.)

mit schützen unz daz den degen

Nach L. 157, 4:

durch iemannes drou oder bette (27% 21 ff.)

der vil stolze Ywanete

er wundert sich der rede do

und wart mit Parzifale vro

Nach L. 157, 12:

dar in sloufte sich der werde (27*, .33 f.)

darnach als er begerde

Nach L. 175, 4:

ilir sprach: 'frünt guoter, sagent an, (29"*, 19 ff.)

kerne ein ritter oder ein ander man,

der üch sluege, waz were üwer sin?'

'slueg er mich, ich slueg ouch in.'

*ob üch denne breche üwer sper,

wer nüt fürbaz üwer ger?'

zwore, ob ich im iht vertruege,

mit den füsten ich in sluege.'

*frünt, darzuo haut dekeinen vliz.'

'wie tete ich denne in schirmes wiz?'

'mit dem swerte ane verdriez

begegent im': daz sper er sties

in die wise für sich ufreht.

dez würtes beginnen waz gar sieht

in von wapen leren sicherlich,

daz er wol könne weren sich.

dan daz swert in die haut er nam:

'frünt' sprach er, 'fürwor alsam

söllent ir üch weren, keret man üch an.'

'bi gotte, es enkan kein man

so vil also ich in jagende zil,

wenue ich haus an den swinen vil

2uzätze V. Wisse u. Colin innerhalb d. Wolframschen Textes. XLiX

gelernet fürwar, so wisseiit daz,

di wile ich bi minre muoter waz,

so daz ich sin uf alle vart

vil dicke rehte muede wart'

[sehent suz behielt er schinphes pris.] {=- L. 175, 5.)

BUCH IV.

l^SLch L. 207, 4 sind mit einer Änderung noch 2 Verse zu- gefügt :

da wir daz mere e liezen, (34*', 2 v. u.)

daz wil ich üch untsliezzen:

[für Belreper kam Clamide,] ^ (34^)

den lüten wolt er schaffen we.

Am Schlüsse des 4. Buches (L. 223, 30) sind 18 Verse ein- geschoben, ein Bittgesuch Wisse's an seinen Herrn.

Got und üwer frümikeit (37'', 7 ff.)

hat in höhe werdikeit

üch enbort in manige wiz.

durch üweren ritterlichen pris

lant mich üch bevolhen sin

unde ruochent niht vergessen min

durch dienst, als ich han getan

an disem buoche sunder wan,

so ich beste künde.

ich horte von manges munde,

daz euch ich nüt dran verlür,

ob ich ez lieze an üwer kür,

mit willen daz han ich getan.

nu ruochent gnode an mir began :

dez habent ir selde unde ere.

ich mane üch nu niht mere,

wand ir haut tugende wol so vil,

daz ich es hin züch verlazen wil.

Eis. Lit. Denkmäler. V. IV

L Zusätze V. "Wisse u. Colin innerhalb d. Wolframsclien Textes.

BUCH VI.

Nach L. 280, 22 :

daz sis teten durch sinen willen, (45*^, 25 v. u.) daz sirn muot begondea stillen.

Nach L. 319, 18:

J\undrie sprach aber hie: (51^, 3 ff.)

*her künig, gehortent ir ie

von kastei Orgeluse sagen ?

die niere wil ich nüt verdagen.

do wonent drühundert ritter guot

und sehse und sehzig wolgemuot.

do hat bi im ouch, herre min,

iegelicher ouch sine fründin,

die edel ist und wunnebere :

dovon sage ich üch die mere.

ouch sint iegelichem sunder wan

zwenzig ritter undertan.

do velet niemau, der da ritet :

wil er, er justieret oder stritet.

wer ritterschaft suochen wil,

kumet er dar, er vindet ir vil.'

Gyflet Does sun sprach do zestunt:

'ich rite dar, blip ich gesunt.'

BUCH XIV.

Nach L. 690, 13 f. Zusatz von 2 Versen mit Änderung. (108% 24 f.)

under sine ougen mit eime huote tougen, der selbe waz pfewin wis. disses juncherrelins vlis

Zusätze V. Wisse u. Colin innerhalb d. Wolframschen Textes, Li

BUCH XY.

Nach L. 769, 28:

rettent mitteinander vil gar (307% 14 v. u.)

heimliche und offenbar.

darnach ruofte künig Artus do

den helden allen dar ieso.

hartte betteliche er bat,

daz ieglicher seite iif der stat

bi dem eide, den er imme hette getan,

waz imme widervarn were sunder wan,

die wile iederman usser lande waz.

gelobotent alle zetuonde daz,

seitent die worheit alle glich,

es were in schände öder erlich.

Boors und Lyonel an den stunden

seitent, wie einander funden

und wie ietvvederre mit dem andern vaht (307^)

und der werde Kolagrenans geslaht

w^art do von ir eime erslagen :

daz begundent von ende sagen.

umbe Kolagrenans tot tugenthaft

trurte der künig und alle die ritterschaft.

darnach sprach der beiden rieh:

'künig Artus, nu höre mich,

ich wil dir nennen alle die

künige, herzogen, graven alhie,

an den mir ist gelungen,

die ich alle han betwungen.

(folgt L. 770, 1).

Nach L. 772, 30:

IJarnach seite aber Parzefal, (SOS**, 5 ff.)

wie er sach den heiigen gral

und daz sper mit deme ysin,

US deme daz frische bluot gieng fin

vor den lüten bescheidenlich,

IV*

Lil Zusätze V. Wisse u. Colin innerhalb d. Wolframschen T^extes.

und von der pattenen rieh

und von dem gebrochen swerte geslaht,

daz er widere hette gemäht,

und von der cappellen die er vant

und von der swarzen haut,

mit der er so stergliche vaht,

und wie er zerbrach mit mäht

daz zouber und daz wunder,

daz man alle tage vant bisunder

ein erslagcn ritter do

uffe dem alter ligen ieso,

darnach seite er vomme boume zehant, <

da uffe er die kerze bürnen vant,

und von deme rittere darnoch,

der in valte von sime rosze hoch,

dovon er so zornig wart,

und wie der tüfel kam mit zorne hart

in rosses wise swarz gnuog :

daruf er sas und wie es in truog

an ein se und wolte in ertrenket han,

ob er es möhte han getan.

aber von einem crüze, daz er mähte fürsich,

möhte er imme nüt gesin schedelicb.

JJo Seite er euch, wie eine juncfrowe fin

kam durch den se in eime schiffelin

und sprach, daz sin liep were,

und hies spannen ein gezelte aldere

und wie er sich zuo ir leite an ein bette

und wie in nach betrogen hette,

wan daz er sich sogen te die riht.

daz möhte der tüfel liden niht

und möhte bliben do nüt me

und floch als ein tunre durch den se.

er Seite ouch, wie ein biderbo man

kam zuo imme an den selben se har dan,

an deme er guoten trost do vant,

und fuorte in über den se an lant

und gab imme daz ros wis gar,

Zusätze V. Wisse u. Colin innerhalb d. Wolframschen Textes. LIII

daz er brohte zuo hofe dar.

doDach Seite er von Estor geslaht,

wie er euch mit deme vaht, (SOS'')

rehte als es ergangen waz,

und wie ietwederre genaz

von des heiigen grols wegen :

den sante imme got und sinen segen.

von deme zagehten rittere ieso

Seite er es in allesament do

und noch vil, daz imme geschehen,

und begunde euch von Partinias jehen,

wie er imme den köpf abesluog und das

Anfortas dovon genas,

der künig von dem grole genant,

und wie er den köpf hies stecken zehant

uf sin höhesten turn, daz geschach

zuo einre gedenckunge, als er sprach.

darnach Parzefal aber verjach,

wie er die sehs boume sach,

daran sehs schilte hiengent schon,

und von den sehs rittern wolgeton,

die er obe deme burnen vant,

wie er die alle überwant.

daz Seite er deme künige gar.

der hies es alles schriben dar

an ein buoch von werte ze wort.

die aventüre wolt er han für ein ort

und waz ieder ritter aventüre seite

hies er euch schriben algereite,

der guote künig eren vol,

und hies es gehalten wol.

Nach L. 784, 28:

künig Artus in grosze fröude kam (310'', Z. 2 v. u.)

durch die mere, die er do vernam

und alle die geselleschaft, daz geschach. (310")

in fröuden gros der künig sprach,

er wolte mit Parzefale dar hin keren,

LIV Zusätze V. Wisse u. Colin innerhalb d. Wolframschen Textes.

sine ere helfen meren. den künig und die rittere uf der stat Parzefal des alles bat, waz er herschefte do vant. gelobetenz ime alzehant. Am Ende des XV. Buches (L. 786, 30) sind noch 2 Verse hinzugefügt :

künig Artus und die tovelrunder alle (810'^, 22 f.)

mit in mit groszeme schalle.

BUCH XVI.

Nach L. 789, 2:

und künig Artus der riche (311% 13 v. u.)

allesament gliche.

Nach L. 793, 28:

und die tovelrunder alle gar, (311^ 12 v. ii.)

die mit Artuse worent kummen dar.

Darunter roth : Hie kummet Parzefal und sin hruoder Fervis Anschevin und künig Artus und die tavelrunder alle zuo Muntsalfasche zuo dem grole.

Nach L. 816, 4:

ouch liez man nüt under wegen, (315^, 18 v. u.)

Artuses wart wol ge{)flegen unde der tavelrunder schar wart ouch herlich genomen war.

Hinter L. 820, 16 folgt ein grosser Zusatz:

worent zuo hofe alle fro. (316*, 21 fF.)

an aller heiigen tage do

wart Parzefal gecrönet erlich.

bi Imme worent vierzehen künige rieh

und truogent alle cronen durch sin ere :

die selben vierzehen künige here

worent wert und fürneme gar.

an den höhesten tisch aldar

Zusätze V. Wisse u. Colin innerhalb d. Wolframschen Textes. LV

satte men die künige hoch

und die andere herschaft darnoch

soszent ouch ze tische do hine bas.

donoch ez gar unlanc waz,

daz sohent komen uz einre kamern rieh

den heiligen grol gar bescheidenlich,

den eine reine juncfrowe truog,

die weidenlich was unde cluog.

darnach ein junchere kam,

der truog (daz imme wol gezam)

ein sper mit eime lutern isin guot,

daruz gienc frisch reine bluot.

do kam aber ein juncfrowe alleine,

die truog in irre hende reine

gar zühtecliche, als ir wol gezam,

eine patene rieh und lustsam.

giengent dristunt umbe die tische dar.

do wurdent beroten gar

mit so manigerhande trabten,

daz nieman künde geahten:

waz men ie herschefte für getruog,

men bette sin do funden gnuoc (316^)

und aller leye guoten win.

do giengent wider zuo der kammern in

der juncherre und die juncfrowe guot.

künig Artus noch sinem muot

mere frogen begunde

Parzefaln an der stunde.

der Seite imme von dem grole zehant

und tet imme die andern aventüre bekant,

daz er eins wertes vergas nie.

der künig daz essen die wile lie,

also totent alle die do worent do:

der mere worent so fro.

der hof werte einen monot ganz,

daz der grol edel unde glänz

diende vor demme tische alle tage, wissent daz,

rehte alse hie vor sitte waz.

LVI Zusätze V. Wisse u. Colin innerhalb d. Wolframschen Textes.

noch demme monode waz daz hofiern uz.

do nam urlob künig Artus

zuo Anfortasse und zuo der swester sin

und zuo Fervis Anschefin,

zuo Kunde wiramurs und zuo Parzefal

und zuo den andern frowen allen überal.

donoch reit er mit siner ritterschaft zehant

wider heim in sin laut.

Nach L. 823, 10:

Parzefal bleib aldo fürwor (31 6^ 12 ff.)

gewaltig künig alle sine jor

mit gemache und lebete frölich

unde buwete manige vesten herlich.

sine nochgeburn forhtent in alle sere

und buttent imme groz ere.

sine zwo muomen beriet er

erlich nach aller sinre ger.

künig Gouns Wueste tohter die ein,

dez der do waz sin öhein,

die gab er kunig Merian.

in al der weite vant nieman

getruwers ritters niht überal :

der waz künig zuo Lanval.

künig Anfortas tohter, als ich ez laz,

der ein heilig biderman waz,

gab er dem künige von Malote genant:

daz umbekreiszete allez Galeizlant.

daz tet Parzefal gar, wiszent daz,

in den joren do er künig waz.

do horte er sagen mere,

daz Aglofals sin bruoder tot were.

dez wart er unfro gar,

wände er in lieb hette fürwar.

er sante noch demme künige von Maluna zehant

und bevalch demme allez sin laut:

dez landes underwant er sich

künig Malun frömmeclich.

PROLOGUS.

(17*) hebet hie an der prologus von Parcifal, der us ivelschem zuo tüschem ist gemäht unde vohet hie sine kintheit an.

[ W'an er ist alrest geborn,

dem dis mer ist erkorn.] (= L. 112, 11. 12.)

dovon der ie nach eren rang

sol merken disen anevang 5 und ob er gerne höret sagen,

wie men mag hohen pris bejagen,

früntschaft von reinen wiben.

solt ich von gründe schriben

die aventüre an ir zil, 10 zuo tihtende so hat ich zuo vil,

wan es ist us gesundert gantz,

durchlühtig und durchreinet glantz,

das nie so cluoges wart vollebraht.

es ist von also maniger slaht; lödaz es niht wol usrihten kan

ich noch ein ander tumber man.

iedoch so wil ich sagen daz,

in welicher wirde hie vor waz

der grol und euch wie schöne in hielt 20 der fürste in eren, der sin wielt.

ouch wil ich üch hie tuen bekant,

wie Logers daz vil riche laut

zerstöret wart und abe nam.

das künigriche zuo armuete kam,

LVIII Prologus.

25 davon vil digke wart geseit. das ertriche wueste wart geleit unde wart nüt zweier nusse wert, do daz gebirge wart erlert der megede stimme wolgeton,

30 die darus giengen sunder won. die von so grossen dingen dienden gar sunder twingen, das nieman gevaren kam darzuo, es wer joch spote oder fruo,

35 durch trinken oder essens w^on: nieman dorfte ander wege underston, wenne so er zuo der berge eime kam, denheines dinges daz im gezam von wol essende, ob ers wolte han,

40ern het es alzuohandan,

ob ers mit zuht gemuoten künde, wan US dem berge kam zuo stunde ^ine maget, die in trabten werte, daz er nüt schonre engerte,

45 His wer zam oder wilt gevar.

in irre haut von golde dar

(18'*) ein napf si im engegen truog.

vil ander reine megede cluog

truogent tartern, wastel, brot.

öodenne brohte sunder not ein ander maget hochgemuot tweheln wis unde schusseln guot von golde und euch von silber wert, eine der ginre hette begert,

55 der durch essen kummen was zuo dem gebirge, wissent daz, der wart von ir enphangen wol, als men vil liebe geste sol. duht in die spise niht vil kluog,

60 besser vil men im dar truog

zuo haut nach allem dem willen sin,

\

Prologus. LIX

fölleklich mit fröden suader pin. die megede diendent alle mit muot und ouch mit schalle 65 den, die des gebirges noment war und durch essens willen komen dar.

in disen dingen do geschach

gar raichel grosses ungemach

von dem künigc Amaugon : 70 er tet gebürlich sunder won

umbe daz bizeichen, daz er tet do.

manige nach im toten ouch also,

die den künig des sohent walten

und der si in grossen eren solte halten, 75 wan er ir schirmer solte sin

uiide brahte si in jomers pin.

ir einre iren magetuom er nam

(ach got, wie gar übel im daz gezam!),

über iren willen daz geschach. 80 den napf er von ir hende brach

unde truog in dannan alzehant.

des mues er iemer sin geschant!

darnach er im dienen hies,

furwor er dez nüt ürlies. 85 des sol im leides vil geschehen,

bessers kan ich im nicht verjehen.

doch diende im keine jungfrowe me

noch giengen us also, si totent e,

umbe kein ding, daz do zestunde 90ZUO essende in gebresten künde,

die andern diendent alle gar.

ach got, warumbe noment nüt war

die sinen diener an die ere!

do si sehen an irs herren lere, 95 das er den megeden ir küschikeit nam,

wo er zuo den schönesten kam: (18b) ouch des zuo pflegende stuont ir sin

und truogent die nepfe mit in hin.

LX Prologus.

darnach us dem gebirge kam 100 kein jungfrowe, die sich dienestz an nam,

unde wissent sicherlich für wor,

ir herren alle sunder vor,

das lant abe nam ane misse wende.

der künig beholte ein böses ende 105 und die andern alle sunder won,

die in ie leit hettent geton.

das künigrich verwuoste so gar,

das kein boum me bluete do bar.

die velt die wurdent bluomen an, 110 das gras wart val und ungetan,

die Wasser dünne ane genuht,

die weide dürre an alle fruht.

es künde ouch nieman vinden me

des riehen vischers hof als e, 115 der das lant erluhte also gar.

von silber unde von golde dar,

von punt unde von hermin,

von scharlachen und von riehen baldikin,

von spise unde von schalen cluog, 120 von gervalken und von smirlin genuog,

hebiche, sperwer, valken zart:

zuo haut do der hof funden wart,

do waz in aller der gegen zil

richtuomes volle also vil 125 von allem dem, daz ich hie genennet han.

das wissent alle sunder wan,

das si alle bessertent sich

von der eren arm unde rieh.

JNu hettent süs alles verlorn, wissent daz. 130 in dem künigrich zuo Logers waz

al der weite richheit zuo stunde.

die fürsten von der tavelrunde

koment bi kunig Artuses zit

(nie besser künig wart gesehen sit), 135 worent so guote ritter,

Prologus. LXI

SO frech, so starg, so bitter, so menlich, so kueoe, so unlas, do si hortent sägen das, der aventüre twingen,

140 woltent die berge wider bringen, alle kertent si dar geliche. die langen, die starken lihtecliche, die megede die si fuortent hin, der nepfe si ouch truogen mit in,

145 ir wingarten si verstörten,

die der grimen schänden vorten, (18«) darumbe daz si so lange zit belibent in dem gebirge wit und danoch harfür nüt koment,

150 davon si den schaden noment. unde so si der einen viengent, den branten si oder hiengent. almuosen, gebet taten si gar rehte, das got har wider brehte

155 das gebirge in der wirde gar, als es e waz offenbar, unde suochtent den dienest und die ere, doch fundent si ir niht mere. ir heischen daz enhalf si niht,

160 das si ir kundent vinden iht, unde hortent keine stimme me noch jungfrowen us gon als e. aber soliche aventüre in zuo kam, das es si vil gros wunder nam.

165 in den weiden si jungfrowen funden, das si niht schöner erwünschen künden, bi in so worent ritter do gewopent wol uf örschen ho, die mit den jungfrowen ritten.

170 die tavelrunder mit in stritten, ir juncfrowen si in nemen weiten : des rittere vil den tot erholten, umbe die jungfrowen zuo der zit

LXIl Prologus.

wart in der gegen manig strit. iTökünig Artus ane erkovern zwor vil guoter ritter do verlor unde manigen guoten er erstreit, als uns die aventüre seit.

Uer erste ritter, der do wart isogevangen us des landes art,

der hate an im hohen pris:

er waz geheissen Plyopliris.

den sicherte min her Gawan,

der aller frecheite wnz der man, 185 unde hies in zuo kunig Artuse varn,

sine Sicherheit aldo bewarn.

ane biten er do zuo hofe reit

unde leiste sine Sicherheit.

der künig noch nieraan kant in niht, 190 doch seit er in von solicher geschiht,

das nieman möhte verdriessen

umbe denkeiner slaht geniessen

zuo hörende der rede sin.

die von der tavelrunde vrogetent in 195 von den megeden, die men sach riten

in den weiden, die vor den ziten (18^) nüt worent da gesin, si hettent reht

zuo ervarnde die rede sieht,

und ob ers in künde gesagen, 200 das hortent si gerne ane vertagen.

die meisten nehte si wacheten gar

die ritter und die vrowen dar

durch die mere zuo hörende, wissent daz,

unde si ouch zervarende deste bas. 205 er jach zuo in: gros wunder ir hie spehent

von den jungfrowen, die ir hie sehent

durch die micheln weide riten.

fragendes mügent ir kume erbiten,

von welme lande wir sint geborn : 210 die worheit fürhörent sunder zorn.

Prologus. LXIII

Wi

ir sint geborn von jungfrowen also fin

daz in der weite nie schonre wurden schin,

der künig Amangon nam ir ere,

der schade wirt nieinermere 215 wider braht bi dirre weite stunde/

die fürsten von der tavelrunde

durch ere und durch hübischeit,

umbe freche getat und durch manheit

zuo wider bringende betten irn ger 220 das gebirge: davon die betschelierer,

die ritter und die guoten lüte liberal,

der ich üch nennen wil die zal,

die fuorent drus algemeinlich

und euch die megede minnenclich 225 die in disenie lande sint funden

in weiden, in gegin nu zestunden

muessent varn ane erwindende,

bitz daz got git zuo vindende

den hof, dovon die fröde kunimen sol. 230 denne wirt dis laut lütes wider vol.

soliche aventüre si do vindent,

die sich des hoves suochendes underwindent,

die men emols nie me vant

noch in diseme lande wurden erkant. 235 gar wol künde es euch den behagen,

die diu rede hortent sagen.

dar nach in kurtzer stunde so

huop sich ein michel gespreche do

von des hofes geselleschaft : 240 ir muot waz prisig ellenthaft.

geliche sprochen si zuohant:

Vol uf, wir süllent in daz laut

suochen des riehen vischers kurt.'

es wart nie tugenthafter wurt 245 geborn noch keiserlicher art,

kein künig nie bas geeret wart (19*) von sinre massenie.

so selig waz der frie,

LXIV Prologus.

daz im nieman waz gehas : 250 von sinre selikeit kam daz, wan sinre tilgende waz so vil, daz nieman reichete an sin zil.

il^inre suoclite in nach prise,

der ander in stoltzer wise. 255 her Gawan den hof vant alsus

von dem ritter, den er brahte künig Artus,

unde waz zuo hofe lange, daz ist wor.

ouch wurt gesaget offenbar

har nach, waz fröden dovon kam, 260 davon daz riebe alles zuo nam.

aber doch emols do vant in

ein ritter cluog, hate stolzen sin,

der gar von jungen joren was.

kein freches hertze getet nie bas 265 fürwor, als er tet zuo aller stunde.

sit kam er zuo der tavelrunde

der junge man, von dem ich sage.

sine kuonheit waz ane hinderslage

unde gar ane allen underbiot 270 für alle die da worent und noch lebende sint.

in allen künigrichen

möht im an manheit niht geliehen.

unwert er zuo dem ersten was,

sit wart nie helt erzüget bas. 275 er suohte so vil durch das laut

den hof fürwor, untze daz ern vant

der ritter frech an tugenden dar.

ir vil (!), daz wissent ouch fürwar,

dis waz der Galeis Parcifal, 280 der do erfuor, wannan von der gral

diende: doch frogete er nüt der mer,

wovon men bluoten such daz sper.

er ouch zuo frogende vergas,

wovon daz swert entzwei was, 285 des daz halbe uf der bore lag.

Prologus. LXV

do inne der tote ligendes pflag.

l)\s wunder gar verswant verwar,

doch sage ich üch wol offenbar,

das er zestunde wol vernam 290 daz leit, daz in den sal do kam,

unde von dem riehen crüze silberin,

das zuo dem ersten kam hin in.

dinne wart euch tegeliche kunt

zuo drien ziten dristunt 295 so vil jomers unde pin,

daz keinre so kuene möhte sin, (19b) het er die grosse not gehöret,

sinre kuonheit wer ein teil zerstöret.

do hiengent vier rouchfas geliche 300 und dabi vier liehtstögke riche

worent an der boren ende.

do daz ambaht eilende

ergangen waz, der schrei verswant.

in dem sale men niht mere vant, 305 der do waz lang unde breit,

der stuont lere mit erschrokenheit.

do schos ein runs von bluote nas

US eime ses, da daz sper inne was.

das ses waz in der wise 310 gemachet wol zuo prise

löbelich und euch gewere

also : waz von dem spere

bluotes trouf, daz viel darin.

das ses daz was silberin, 315 euch waz daran von silber clor

ein röre gemachet fürwor.

was bluotes von dem spere trouf,

in daz ses das hette sinen louf

durch die röre wolgeton, 320 das men es horte hin in gon :

in dem ses enthielt men daz sper.

menlich duhte seltzcne mer,

EU. Lit. Denkmäler. V.

LXVI Prologua.

was es were und ouch möhte sin. dis alles waz küntliclien schin

325 den die ez noment war.

denne kam in andere wot gevar der künig, der do waz wol erkaat, usser einer kammer alzehant. er waz gecleidet nach richer statte

330 in anderme gezüge den er hatte, das nieman gevisieren künde der cleider gezierde da ze stunde : so durchriche schein ir llehter schin. zepter unde gar guote vingerlin

335 von golde unde von gesteine, listen riche und harte reine truog er umbe die arme sin, die woren gemäht durchlühtig fin. uffe sime houbete er truog

340 einen reif, der waz von golde cluog und dabi von gesteine harte riche (eime horde worent si geliche), fürspang unde umbegurt prisig. nie schöner mensche lebendig

345 men in al der weite vant.

wol wart im wunder gros bekant, (19*^) der des tages sach den sinen schin, als er ein vischer were gesin. zuo haut do der künig gesessen waz 350 zuo tische, merkent me fürbas, und die ritter von guoter art, das brot dar schiere geleit wart, in silber vas schanchte men den win unde ouch in nepfe rot guldin. 355 darnach sacli men den werden gral schiere kummen in den riehen sal : ane ritter, knehte sunder won kam er usser einre kammer schon, men diente zuo tische gar geliche 360 usser schusseln von golde riche.

Prologua. LXVn

solte men si achetzen an ein ort,

vergolten hettent si einen hört.

es waz nut wan ein wunder

die mas, die men bisunder 365 uf alle die tavelen satte

für den künig mit statte.

darnoch so diendent si fürbas

iegelichem, als er gesessen was.

denne so kam daz wunder gros, 370 sin gelich men niene kos,

das ich zuo sagende wil vertagen,

wände Parcifal der sol es sagen.

es wer nüt endelich getan,

solte men die rede underslan 375 anders denne men von relite sol.

wissent, es enzeme niht wol

zuo erteilende, daz ist sicherlich,

so cluoge rede unde so rieh,

swenne kunt der ritter guot, 380 der den hof durch frechen muot

fürwor zuo zweien molen vant.

denne so tuon ich üch bekant

von Worte zuo werte wissen daz,

wie daz gebirge erkünnet waz, 385 wovon der grol dienest verjach,

durch waz men daz sper bluoten sach.

llie tuon ich üch fürwor bekant

von dem ritter alzehant,

der kummen waz, als ich es las, 390 von der gegen da grol unde sper inne waz.

e sol es nieman rehte erhören,

in dirre geschrift ir mügent hören

von vil aventüre sagen,

der men mit nute sol vertagen. 395 men sol si ane alle underbint

künden also si ergangen sint. (19') si ruerent alle sicherlich

LXVm Prologus.

von dem werden grale rieh, davon daz lant alles zuo nam :

400 an fröden, an lüten es wider kam noch der zerstörunge so hart, fürwor in Orsche (?) funden wart der hof und euch der werde gral. des wart daz lant liberal

405 gerichet an lüten unde an guote, an seiden, an eren, au hohen muote. die Wasser die nüt Aussen do und die quegburnen euch also die gewunnent iren Aus als e,

410 wol tusent jar und darzuo me hatent verloren iren sprung. die beide val wart wider jung, die wisen gruene mit bluomen bespreit, die weide mit loube wol gecleit.

415 des tages do der hof funden wart do wart gerichet gar alfart die gegin und darzuo alles daz zerstöret unde zergangen waz.

Wissent, wer dar durch wandeln kam, 420 daz es den michel wunder nam, das sich daz lant bette wider keret und euch an aller fruht gemeret. beide spote und dobi fruo nament an frecher mauheit zuo, 425 die men in dem gebirge vant. die worent do und unerkant, si mahtent stette und bürge cluog, bruochüser, slos und dörfer genuog unde mahtent durch der jungfrowen Ion 430 der megede bürg rieh wolgeton, die brugke sorgsam durch grus und daz grosse kastei Orgullus. durch übermuot unde herschen sin mahtent eine gelübede under in

Prologus. LXIX

435 die Fürsten von dem gesinde rieh.

durch hochfart erhuop es sich

zuo bile gegen der tavelrunde.

die mere kam durch die weit zestunde.

sin liep hatte ieglicher do, 440 si lebeten mit gemuete ho.

drü hundert woren gewaltig

der vesten unde sehtzig.

ouch hette ieglicher sunder won

zwentzig ritter wolgeton, 445 die sin bisunder noment war.

nu merkent hie die zal algar: (20-) siben tusent unde sehs hundert waz der zal

unde sehs unde achtzig überal.

dis rechen wer in der weite wil. 450 so vindet er niht wan also vil.

durch daz wite laut si ritten,

zuo farende enweg si niht enbitten.

von künig Artus hof die ritter guot

versuochtent durch hohen muot 455 sich an si uf alle vart.

wo einre under in gevangen wart,

den fuortent si ane quiten hin.

der künig Artus gewan den sin.

das er daz wolte rechen, 460 die bürg vollen, zerbrechen.

aber alle sine vigende do

imme leitent so vil anderswo

atzunge, krieges unde has :

vergeben suochtent si fürbas. 465 der krieg so gros wart sunder var,

das es werte wol vier jar.

Öus seit die rede geslahte und der ouch dis buoch mähte von eins zuom andern iedem man, 470 warumbe diende sunder dan der gral uf aller slaht geschiht.

^^^ Prologus.

üch Wirt fürwor verswigen niht, was er mengelichem guotes tet, als men fürwor fürhöret het

475 von künig Artuse, daz ist wor. do er das urlüge vier jor gehielt mit den lantlüten sin, do wart des krieges ende schin gefrit mit alsolicher suon,

480 das si alle muestent tuon

den willen sin gar sunder spalt, es wer mit liebe oder mit gewalt. dis mit worheite so ergieng, das schaden, und ere enpfieng

485 der künig, daz weis daz meiste teil, des wurdens in dem hofe geil, das gesinde ellent tragende fuorent in die weite jagende durch fröde und durch gemellicheit

490 uf bechen und uf wassern breit, als iegelicher waz gesit unde euch einre gerner git, deune drie ander sicherlich, also hette ie daz hertze sich

495 geschigket nach dem willen sin in hochgemuete sunder pin. (20b) ir kurzewile was maniger lege

den Winter reht untz uf den meige.

der prologus si hin geleit. 500 nu hörent Parzifals kintheit, darnoch sin manheit hohen pris er war p in maniger hande ivis, als ir harnach bevinden ivol. dis huoch es üch midertvisen sol. (Folgt L. 112, 13.)

l [Vers 1—61.] 2

(116") Hie in zorne von dan scliiet Gawan, so vil. daz er kam uf den stein.

der reit durch velt und über plan. Gawan, an dem ie tugende schein,

den weg er für und wider nara, reit über berg und über stig.

biz daz er an ein wasser kam, wunder waz daz er nüt wart töbig :

gros tief waz das und strete, 5 von zorne sin glinpf zerbrach.

Gawan drin sach der stete. die rihte in dem walde er sach

dar umbe logent velse gros, einen schin reht in der mitten ston,

bruggen noch steg men do nüt kos, der im geviel wol sunder won:

schiffunge weder smal noch breit. ez waz ein turn hoch und gros, den staden hin er durch vinden reit 10 do an der vesten schin er kos,

pfat oder weg fürt bi der strosen. daz si gar wol ze lobende waz.

gedankes pflag er usser masen mit flisse her Gawan reit fürbas,

unde dahte so verre sicherlich, sin lip von vröiden fuor enbor,

daz er selber ermante sich er reit bitz er sach vor dem tor

von dem sper daz er zuo suochende 15 eine vallebrugge abe gelon:

hette, dar über reit der wol geton.

doch wüst er nüt an welcher stette. daz tor entspart unde offen waz,

aventüre in fuorte fürbas, ane ruowen reit Gawan fürbas,

wening wüst er umbe sin mas. von sime orse er balde schreit,

der herbergen er begerte, 20 wol hundert knehte wol gemeit (ngb^

wenne vorhte in jomers werte zuo dienste sich buttent in al wis.

zuo quitende die gelübede sin. dem marschalke sin ors wart mit vlis

nu enwüst er wem er tete schin bevolhen von den knappen do,

ze fragende weg sunder verdriesse. men gap im fuoter höwe stro.

er sprach, zuo ritende er nüt Hesse, 25 si fuortent Gawan in ein hus

ern fünde ritter oder maget, unde zugent im sinen harnesch uz,

die ime liezzent unversaget dar an vil richeit waz gewant.

zuo sagende mere von siner Sachen. hinnan unze Liraosches vant verre von dem wasser er sich machen nieman so schönes noch so reine,

began, sus einen vels er sach. 30 nüwe von marmelgesteine

daz ors er mit den sporn stach waz ez geordent gar gelich :

Eis. Lit. Denkmäler. V.

[Ters 62-153.]

also buwen hiez der künig rieh, ein vech punt semit gewant wart im nüwe braht zehant, daz leit er sunder biten an : die knappen stolz in fuortent dan. ÖU8 brahtent in in den sal. Gawans Schönheit was sunder zal, sin kielt was wert, er riche an eren. die knappen sunder widerkeren giengen in den sal mit vlis. einen biderben man zuo mozen gris sie sitzende fundent, wissent das. glich er niht eime bieker waz, gyler noch buoben genos, wand sin gewant hatte also blos vergolten wol tusent pfunt. sin huot waz niht von halmen runt, der überzog waz zöbelin von Alexander ein baldekin, unde uifen dem huote ein schapel waz von golde luter sam ein glas, dar uffe manig Jaspis schein, von Oriente manig ander stein, die besten die men möhte han. von guote schein ein richer man der würt, der an dem bette lag. zuo guoter messe er fröiden pflag, wan er von horde mehtig waz, doch brestehaft libes unde laz unde unbehülfig sicherlich, waz darf do von me sagen ich, ez ist wol wor, daz er waz swach. min herre Uawan do hin sach do der riche fiirste lag, der zuht in sime hove pflag. er hatte vil hoveliche knehte, schon unde rieh guot von gesiebte. (116'") ^^^ gaste tet er gruozes kunt, her Gawan danket im zuo stunt. der herre in zuo im sitzen bat, daz tet der werde uf der stat. Als er zuo im gesessen waz, der herre vragendes niht vergas, von welme lande er möhte sin. der worheit tet er im schin, alse der ez vil wol künde.

dem ritter do ze stunde die koche reine und wol gemeit hattent die spise schier bereit, zwene knehte hoch gemuot 5 zwei bekin brahtent harte guot unde dabi wasser, daz waz warm, eine twehelle wisser danne ein härm der dritte nach den zwein truog. ir hende geweschen gnuog

10 wurdent, unde do daz geschach, dar noch sazent durch gemach, zwene knehte brahtent zwei drispitz, von zipres gabent liebten glitz: dar uf wart der tisch geleit.

15 vil hettent ez für trugenheit, seit ich, wie guot die tavel waz. ein kneht behende niergent las ein tischelachen leite dar, daz schein lieht also die sunne dar.

20 nüt schüren glich waz der sal, er waz durchlühtig überal. stankerzen vil men spürte do, der schin schein hoher denne ho. also mengelich do zuo tische kam,

25 her Gawan fromede mere do vernam. ein kneht uz einre kamer sleich, der was niht ungevar noch bleich : er waz so schöne, daz nie wip gebar so schönes mannes lip.

30 der truog ein sper wis sinewel in siner haut durchlühtig hei. gegen hern Gawan daz sper er truog durch den sal gar mit gefuog. von bluote gap daz ysin saf,

35 daz ein tropfe ie den anderen traf, dar nach Gawan nam sin spür gelich gegen einer kamer tür. dar uz sach er eine maget gon schon edil und wol geton.

40 die sach er an mit gerender zuht, wenne in beduhte, daz nie fruht gehürre würde noch so cluog. in irre haut die reine truog ein patene silberin.

45 für den tisch gie der liebte schin mit vlise ganz dem spere noch.

[Vers 154—244.]

6

unlange stunt ez sich verzoch, daz Gawan aber kumen sach zwene knehte nüt ze swach, die truogent liehtstöcke herlich mit bürnenden kerzen, lieht gelich enpfenget waren unde gar enzunt. her Gawan dohte wie im wurde kunt, waz daz gemeinde, wüssent daz. als er in dem gedanke saz. den knehten durch den sal noch gon sach er eine maget wol geton lang schöne cluog und wol gemäht, zuo weinende stalt sich alle ir aht, in irre haut si offen truog den werden gral gar mit gefuog. Gawan nam wunder sunder zil, durch waz irs weinendes waz so vil unde war den gral wolte tragen unde wo von so gros waz ir clagen unde si ir weinen niht verbar. daz wunderte in zuo mole gar. gie für sich unz an die stat, daz in ein ander kamer trat, unde do si in die kamer kam, vierer knehte war men aber nam. Die truogent eine bare, da uffe sunder vare von golde lag ein baldekin, daz kein ding besser möhte sin. unde in der bore lag ein lieh unde oben duffe gar gelich lag ein swert betrochen: daz waz iuzwei gebrochen, men durfte do niht anders luogen. die viere, die die bare truogen ane ruowen kerten durch den sal swigende unde sunder schal. Gawan diz wunder alles sach, zuo im selben er do sprach: 'Got, wie bevind ich dise mere, wer dise sint oder wo here kument an disen stunden', die mit der bore nüt erwunden (117*) zuo gonde reht, unz daz ir schin kam aller zuo einer kamer in. niht langer me verbeitet wart.

do huop sich an die widervart der knappe mit dem sper wis. dez spitz do bluote zuo flis, wie ez waz vleisches unde odern an : 5 doch sach men bluot nie balder gan. dar nach do kam die maget fin mit einer patenen güldin. denne koment die zwene glich für war mit den liehtstöcken rieh. 10 dar nach kam der gral reine geziert von edelme gesteine: weinende in die maget truog. nach dem grale mit gefuog giengent die viere mit der baren 15 durch den sal gar sunder varen. diz sohent in dem huse algar, ouch nam ir mit vlize war min herre Gawan do zuo stunt, im wart nie grozer wunder kunt. 20 alsus gedaht er mit ganzer ger : 'diz muoz der gral sin und daz sper, daz du braht lange soltest han. baz ruht er an den biderman unde vregete in, waz do betute 25 sper gral unde ouch die trute maget, die man weinen sach. aber vraget er unde sprach: 'waz betütet die bare'? daz wolt er sunder vare 30 wissen von dem herren wert

unde ouch, in welicher wise daz swert mitten uffe der bore lag. der herre, der dez alles pflag, sprach: 'daz sag ich ane underbint 35 üch, ist daz ir sin würdig sint'. Fier knehte er swinde louffen hies, er sprach: 'nu wolhin one verdries, bringent mir balde min guot swert' ! dez wart er do zuo stunt gewert, 40 doch waz ez mitten durch entrant. nu wüssent, daz ez im gesant von siuer megin einer wart durch liebe und ouch durch frünt- lich art. 45 der herre reichet ez zuo der stunt dem ritter wert und tet im kunt: 1*

[Vers 245-331]

8

konde er daz swert also geschaften, (117^) daz ein teil möht am anderen haften, 80 daz der stahel wider ganz würde an dem swerte sunder schranz, dan möht er von der bore mere unde von dem grole unde von dem

spere ervarn die worheit aldo unde von der raegede ouch also, durch wen weinde und umbe was. gebeitet wart do niht fürbaz. Gawan die stücke beide zuo einander huop gereide unde so glich, daz mengelich jach, der ez zuo samene haben sach, ez were ganz ebene unde sieht. do sprach der künig gereht : 'nement daz gemerre in eine haut, der andere[n] tuont daz spitze bekant unde ziehent ez mit handes kraft, ist ein stücke ans ander gehaft, danne wurt gesaget üch die mere von dem grale unde von dem spere unde von der baren aventüre.' zuo stunt Gawan der wol gehüre an dem swerte er nüt ensparte, er zoch, sus ez von einander zarte : zuo dem ersten züge daz geschach. aber der riche fürste sprach : *ir haut noch nüt geton so wol in wofen, daz men üch sagen sol dirre aventüre die worheit, wenne werdent keime geseit, er enhabe denne der weite pris erworben gar in alle wis'. sprach der herre : 'alsus sage ich, daz mag wol geschehen, dast müge-

lich, daz irs bevindent noch zuo stunt, daz were, so üch würde kunt fürwar daz lop der weite kraft mit manheit unde mit ritterschaft'. Alsus der herre daz enbar, her Gawan nam der rede war und horchete so vil an sine wort, daz er uf der tovelen ort

entslief, daz sage ich sunder lug:

mit rehter worheit ane trug

slief er mit vlize die ganze naht.

unde do der stolze wol geslaht 5 dez morgens fruo erwachet waz,

in nam gros wunder, wissent daz,

daz er sich alsus ligen vant. (117*

an einem mose er erwant,

do bi im lag sin wapenkleit, 10 dar zuo sin harnasch wart geleit.

sin ors guot mit dem zoume

waz gehaft zuo eime boume :

alsuz er sich verirret vant.

leidig verdoht wart er zuo hant, 15besweret, daz er niht wissen künde

der aventüre kraft zuo stunde

und er doch gesehen hette

(daz wundert in sere an der stette)

und daz sehen hette also verlorn : 20 mit leide grimmig waz sin zorn.

er wopente balde sich.

do er bereit wart sicherlich,

an die eiche er kam, wissent daz,

do sin ors an gebunden was. 25 er saz dar uf sunder biterl,

verdaht begond er riten,

niht langer mäht er im zil.

gedenke pflag er harte vil,

wände sine gelübede erbarmet in, 30 daz sine gelide mit ungewin

ziterende wurdent von engesten do,

wände er vorhte niht in zit ieso

zuo sime strite komen sicherlich :

mit balde ritende erbeit er sich. 35 Hie siritet her Gmvan mit Dynas-

danres.

Alsus kam er an einen walt.

im misseviel gar manigvalt

waz er gesach und leidete im gar. 40 eines hohes berges nam er war,

der waz lang unde gros.

ginsit dez berges ein walt er kos,

der waz geloubet gnuog.

ein ritter und ein maget cluog 45 durch den walt er riten sach.

gegen in er kerte und sprach,

[Vers 333—422.]

10

war si ritten so weidenlich. enzwei die sper stachent,

unde ginre gar hochvertiklich die starg worent und gros,

sprach: 'waz liest du domitte ze in die scliilte kam der tos,

schaffen, so daz durch iegelichen drang

swigen wer dir weger dänne claffen 5 der stich wol anderhalber cloftern

und urabe niht krieg ermeren. lang,

waz ruoche dich, war ich wil keren' ? ir swert wurden ungespart,

'wofa', sprach Gawan wider in, die von stahel worent hart,

'habent nicht zuo gebürschen sin. von siegen gros wurden ir houbet

aber daz ich vrage, daz sagent mir, 10 der sinne noch beröubet.

dez überigen denne lidig sint ir, (117*') wenne ich vrog eznüwant durch guot\ 'samir der got, der wunder tuet, für einen narren hab ich ücli iemer. mag ich, ir bevindent niemer min werben zuo dirre stunt. aber tuont mir äne löken kunt die Sache von üwerme wege sieht, ez si reht oder si unreht. üweren namen ich wüssen wil, die worheit sagent sunder zil, wand ir muezent mirs verjehen.' Gawan sprach: *daz si geschehen, min namme würt üch nüt verseit, sit ir sin vrogent die worheit. (jerne minen namen üch sag ich. Gawan die Brittun nennent mich: ich bin von Artus swester komen'. 'die trüwe ich gotte sol dem vromen', sprach der ritter do zuo stunt, 'Gawan suoche ich, daz si üch kunt. den han ich funden, got sis gemeit nu si üch von mir widerseit, hütte arnent ir min es vatter tot. niemer geleb ich sunder not, die wile daz ich üch weis gesunt, wenne ich han willen nu zestunt, daz ich üch schände und laster tuo wand ich han guot reht dar zuo.

an schilten ^nd an halsbergen stolz

vervieng weder ysin noch holz

unbe siege die si gabent so.

iegelicher schuof daz sine do, 15 annander zuo rennende wurden halt.

für war, waz sluogent daz galt, (118')

iewederre die sinen vaste hielt.

nie künig noch keiser hoves wielt,

do batelle würde geslagen bas 20 und geschiht niemer, wüssent das,

so ungefueger herter strit,

wände pinetent sich zuo der zit

einre dem anderen ze tuonde schäm,

bize daz ir strit dar zuo kam 25 daz der, der daz böser teil truog,

sprach zuo Gawan: 'ez ist genuog

unde sage üch warumb sicherlich:

ob ich üch sluege oder ir mich,

unser pris gemerret würde ein wiht, 30 wende man geloubet ez uns niht,

wand niemau siht noch weis die spür.

do von rot ich, daz wir slahen für

Diso batelle uf ein solich zil

mit der gedinge, also ich üch wil 35 bescheiden, merkent daz do bi,

so daz ich von üch sicher si.

wele zit ich üch zuo hove vinde, , daz zil si lange oder geswinde,

mane ich üch üwerre Sicherheit,

der werde got der gebe mir craft!'40daz ir zuo stunden sint gereit

von im kert er unde neiget den Schaft. ane wideren strites an mir ruochen

si do beide sunder biten gegen einander begonden riten mit beides handen so vestiklich, daz au den schilten sicherlich bret unde leder brachent

und keinen abeweg niht suochen'. Gawan ez gelobete do er sprach: 'gevellet ez üch also, 45 so wil ich wüssen sunder vor, wie daz ir sint genant für wor,

11

[Vers 423—512.]

12

e daz ir scheident, ir und ich.' 'herre, ich sage ez üch sicherlich, Dinasdanres sprichet men mir. me suone denne krieges ich enbir, ich wart ouch krieges muede nie. herre, verswigent mir niht hie, wo hin si uwer kere'. 'herre, ane biten mere ich wil do ich zu tuende han : strites han ich mich genomen an vor dem künige von Kavalun. samir sante Lasarus von Davalun, zuo gar lange ist min verbit, ich verwettet ez zuo sumerzit: ich vörhte zuo lange bliben sin. do wil ich hin die strose min, hin var ich, got mueze üwer pflegen !' der ritter gap ouch im den sogen, (118^) er sprach: 'got segen üch manigvalt'. her Gawan kerte durch den walt. zuo wege huop sich sin riten, naht unde tag ane biten, bitz daz er kam zuo Kavalun. er erbeizete an dem perrun, der vor dem sale waz gezilt, sinen anderen harnesch und den schilt behuop er und daz sper er lies, sorge und vorhte in do ane sties, wände men im do holt niht was. gewopent kam er in den palas, den künig den gruost er offenbar, er sprach: 'herre, ich wil für war mine Sicherheit quitten nu ze male, wenne von dem sper und von dem

grole bin ich sit gesin in grozem gedrang. ein winter und einen sumer lang vragete ich nach one erwinden : rehte konde ich sin niht vinden. jNu wil ich leisten Sicherheit mit stete sunder guntrofeit'. er sweig, nüt me tet er im kunt. Gynganbertil zuo hant uf stunt, er gie für den künig fromen 'her Gawan ist her wider komen', sprach er, 'ich wil swem ez gevelle,

daz er mir halte mine patelle: fürbas wil ich niemer me gesparn'. do sprach der künig : 'ich wil ervarn für war, waz mir min rot vergibt. 5 ich weis, liegent drumbe niht durch üch noch durch in von nihte.* der künig stuont uf die rihte, sine barun nam er an sinen rat, von dyaspere rot waz sin wat,

10 do mitte er rilich waz bekleit. ob die mere niht lügelichen seit, so waz er wise und wol kurtoys. die wile zuo rote gie der roys, zuo hove kam ein ritter gros,

15 bi dem zwei schone ors men kos, unz uf die erde mit isin bedaht, die zöme vesteklich gemäht, gestachelt so gar, merkent mich, daz nieman möhte sicherlich

20begrifen zügel noch gebis. zweier sper gros waz er gewis, zwene knehte brahtent die mit dem

gaste : die sper ysin snittent vil vaste. (118*^

25 der dritte braht einen schilt zehant, daz nie bessers wart bekant. dar an waz weder holz noch spon, nie besser schilt noch baz geton an ritters libe ze wer wart kunt.

30 von stahel ein stachel mitten stunt, die sach men do in bukeis wis wol snidende spitz zuo flis. ouch gobent uf dem schilte schin wol hundert stacheln stehelin

35 unde an des schiltes fuoz so stunt ein nagel spitz von stahel runt. in solicher wiz zuo hove er kam, unde alles daz volk daz ez vernam lief swinde umbe in und nam sin war.

40 ane beiten und ane sitzen gar der ritter swindeklichen sprach die rihte do er Gawan sach : 'ich mane dich diner sicherheite'. der künig ane ünderlas gereite

45 von dem rate hinder sich ging, ginre im seite sinü ding.

13

[Vers 513—599.]

14

Hie sprechent zwetie Gau an kämpf ez

an zuo Kavalun. Do zuo sameiie kam dez hoves schar unde do süs alle erhortent gar, sine gelübede er vorderte zestet, die er im in dem walde tet an dem dritten tage vor der maget fin. in sprach ouch an Gynganbertin dez eides unde der sicherheite, daz er daz sper gebe gereite, daz er im gelobet hette oder daz er stritte uf der stette. Dinasdanres zer anderen siten wolte rehtes war nemen nüt biten unde als er im bejezet het, wenne er in fünde uf der stet zuo hove oder wo er in funde, er stritte mit im zuo stunde, do von wolte er mit im striten. aber durch schalkheit zuor anderen

siten wolte Ginganbertin für wor sinen strit haben sunder vor und wolte ouch dez gerihte han: und Dinasdanres ouch alsan er sprach : 'ich urteiles gerende bin', der künig einthalben gieng von in und die fürsten von dem lande do 118'') durch reht ervarn, merkent so, obe sunder min her Gawan beide strites sölte bestan oder iegelichen bi sunder eine durch geheis dez küniges reine, ir urteil [gaben] die fürsten rieh einre sprach: *ir herren, merkent mich, er sol mit beiden striten*. uf stuondent drie sunder biten oder vier und sprochent : 'er ensol*. ginre, der mit rehte künde wol, bewerte mit worheite vil, daz er ane biten und ane zil, sit ers mit beiden hat verpfant, unde ouch ane underlos ze hant er mit beiden vehten sol. unde alle die fürsten, dunket mich wol, wundertent der rede sich

unde geloubetent ez nüt sicherlich.

daz ding verstau tet er bas,

wand er zuo lernende nüt enwaz.

hörende den fürsten vieng er an: 5 *solt er nüt sine trüwe gebrochen

han,

strit er mit disem nüt uf der stat?

gime er ouch dez gesworn hat,

daz er sich strites underwünde, 10 wie schiere er in zuo hove vünde.

Alsus so ist er hie ernert.

nu han ich üch daz reht bewert,

daz er mit beiden striten sol'.

unde alle die herren, wen ich wol, 15 erteilten, er solte mit in beiden striten.

süsasent wider an ir stat sunder biten,

ane krieg und ane widergrin

huobent sich an die rede sin.

der in die urteil brahte so 20 sprach zuo dem künige do,

nütschit er beitete: 'merkent sieht,

die hovelüte dunket reht,

daz ginre sol, der alleine ist,

mit beiden striten sunder frist. 25 wenne ir keinre beiten wil'.

'nu fürderent üch balde uf dis zil,'

sprach der künig, 'dez sint gereit'!

Gynganbertil mit snellikeit

hie wopent sich und waz im not. 30 die knehte brahtent, als er gebot,

gar swindeklich die wofen sin.

schier wart er bereit dar in.

als er von gründe bereit wart, (119*)

einen heim bundent im uf vil hart 35 die knehte sin ane biten gar.

hiengent im an einen schilt waz

dar,

dar an ein lebart entworfen was.

Dinasdanres des nüt vergas, 40 er bereite sich schone alse men sol.

den lüten allen geviel er wol,

die worent uf dem plone.

an des turnes venstern schone

giengent sitzen sunder bit, 45 durch daz gesehen den strit.

aber ein juncherre zuo hove was,

15

[Vers 600-686.]

16

Gawans mog, louffens er sich vermas, künig Artus wolt er von sineniöheim

sagen mere, die im niht wol möhtent be- hagen, do von daz dem kunige nihtwaz kunt noch sinen fründen zuo der stunt, daz er stritendez sich het ane ge-

nomen gegen zwein ritteren also vromen, daz nüt rittere besser woren. danne die dez tages selten sunder

voren ane fürzog striten mit im eine, des juncherren vröde waz deine, von sines herren erbermikeite durch Gawan vristen underwant er

sich erbeite unde ilte, so er beste künde, von dem hove schiet er sich ze stunde uf eime pferde stark und snel. do er kam eine mile von dem kastei an ein gefueges tal, bekam im Keyn der schine schal uf eime grosen orse ritende den juncherren ane bitende. Kegin swindeklich in ane sprach unde ginre gegen im sach, stille huop er in dem walde. Kein sprach vil balde: 'frünt, sagent, wez ist daz kastei, daz do vor lit schon und bei unde do bi starc und veste'? 'herre, so helfe mir der beste, ez ist dez küniges von Kavalun, unde ist euch unze Schalun keins bas gelegen noch so wit. do würt noch hütte ein starker strit: ein ritter gegen zwein striten sol.' *daz spil ist nüt geteilet wol', sprach Kein zuo der selben zit, 'dis ist ein ungelimpfig strit. (119'') ez solt euch nieman zuo Ion gan, der bi im sinne wolte han, daz in sime hove solte geschehen, daz einre zwein strites muesto jehen.

-Nu gebe got dem einen trost. daz er von beiden werde erlost, unde fuege im hütte soliche craft, daz die zwene werdent unsigehaft 5 ime leit ze tuonde oder we. nu nennent, frünt, mir fürbas me', spraohKein, 'die zwene oneunderbint, die gegen dem einen ritter sint'. 'einre ist Dinasdares genant,

den man ane wan bi manheit ie vant; der andere ist Ginganbertin, der sol euch vil edeler sin*, 'zwore, ich kenne wol die beide, nu weis ich, daz der eine in leide

15 gevallen ist und in übel hende'. 'dast wor*, sprach der kneht behende, 'wer ist der?', sprach Kein zehant. *herre, er ist Gawan genant, künig Lotes sun der ritter fin.

20brechent mir uz die ougen min, ob ich üch sage trugenheit.' *80 helfe mir got, daz ist mir leit,* sprach Kein, 'war ritest du alsus?' 'icR suoche herre künig Artus'.

25 'durch waz ?' 'do wil ich im tuen kunt, daz er alle die sine ze stunt uf heisse sitzen gar mit wer und bringe zuo Kavelune sin her durch bresten sins öhens Gawan :

30 die vart sol er durch nieman lan.' her Kegyn one verbiten me wol tusent warbe sprach: 'owe!' er beite nüt langer do, mit dem juncherren reit er so,

35 und rittent so verre, wissent daz, daz koment do der künig waz bi manigen fürsten wol gemeit uf einer schönen wise breit, die an einem wasser waz.

40 Keyn enbeite nüt furbaz,

untz er kam an den künig frech unde saget im den ungerech, dez sich Gawan hette ano genomen. do künig Artus die mere was komen,

45 die rede er vil wol verstunt:

grim unde zorn wart im kunt. (119")

17

[Vers 687-775.]

18

er frote in, wenne solte sin der strit. 'iezent, herre min,' sprach sich der juncherre do. künig Artus sprach: 'geselle, wo?' *ze Kavelun daz wesen sol. nu fürderent üch, so tuend ir wol. hie ist kein langer biten niet, für wer wan do ich von in schiet, do brast nüt wan zuo samene keren'. dez küniges zorn begonde meren, sime her er gebot zehant, daz im kement noch gerant unde nieman do belibe och. dem künige von Britanie noch zogetent die sinen gar gemeit, si worent stolz unde wol bereit, unde zuo stunt, do her Ywan die mer erfuor von hern öawan, do wart er leidig und unfro. balde sin ors bereit er do. one tegdingen mere fürbas snelliklich uf sin ors er sas. der stolze werde ritter guot für die anderen reit er ungemuot swinde one erheizen sunder won, bitz daz er kam zuo Kavalon. umbe dehein ding er nüt enlie, für den werden künig er gie. Und do er komen was für in, zuo im sprach er: 'herre, ich bin künig Artus ritter, der sante mich her : durch in verhörent was ich ger. umbe sine sache ich har reit, wan im ist vür wor geseit, ir went sinen öhein Gawan tuen

striten mit zwein ritteren sunder biten. dar umbe hat er mich har gesant. tuend üwer genode im erkant unde verziehent, herre min, disen kämpf durch den willen sin: dez bittet üch Artus der Brittun.' do gebot der künig von Kavalun den, die den kämpf betten in ir pfliht, daz ze samene noch liessent niht. dar noch enwart nüt lange stunt.

als uns die oventür tuot kunt,

do enkeme der künig Artus.

der künig von Kavalun reit gegen im uz 5 mit vil lütes sunder won,

er enpfieng in wol unde schon, (119'^)

wenne er niht anders konde getuon.

alse hette ez gelernet ie der buon

unde künde ez harte wol der wise. 10 daz ist daz ich aller meist in prise,

wenne der guoten lüten zuht bütet

unde ir geselleschefte trütet

unde der guoten lüten tuot ere kunt,

der nimet sin from in kurzer stunt. 15 aber der bösen lüten ist bereit

dienstes, der verlüret sin erbeit.

aber, samir got der gehüre,

an biderben lüten lit oventüre

zuo vindende, als ez nu stot, 20 wanne gar dünne sint gesot.

jo, die men ahtet sunder vor

unde och menlich wenet für wor,

daz worhafte lüte sint,

an den ist nüzit denne der wint, 25 wenne valsche gelichnisse dike zer-

störent,

die lüte triegent und vertörent.

aber vil sint in so tumbem stricke,

daz wenent in eim ougenblicke 30 die lüte kennen an der gesiht.

min sin der ist aber also niht,

wenne daz antlit bringet nüt getot.

etlichem sin antlitz stot,

wie er gar einvaltig si, 35 dem niemer gewonet fröide bi.

umbe niht daz biderben lüten mag

gevallen wol weder naht noch tag.

dar umbe sol verhaben gar

ein man, daz er neme war, 40 daz er niht diene an solicher stat,

do men sin nutz noch ere hat.

aber von eime sprich ich.

dez getot bewiset sin antlitz mich,

unde der sich ie dez besten vleis, 45 daz menlich von im wol weis.

so würt im, als ez billich sol,

19

[Vers 776—866.]

20

alles dienstes gelonet wol. ane veln dem künige von Kavalon, der sin unde arbeit sunder won hat geleit und sine mäht alsiis zuo erende den künig Artus, wenne er hat in biderbe funden unde ie bewert mit anderen künden, nieman dez vorhte habe doch, wenne im würt gelonet noch (120') der dienest den er im tuot,

würt eht der künig vor not behuot Artus aldo mit im in sinen hof reit. Gawans herze wart gemeit, wenne in beduhte sunder triegen, daz er enbor solte fliegen, do er den öheim sin gesach. der im sol keren zuo gemach den sinen kämpf in suone strig, dez do worent so girig Dinasdanres Gynganbertin, der Gawan mueste in sorgen sin. Zuome hove wart Artus dem wisen von dem jungen und von dem grisen gedienet vil, er wart wol geeret. uf sprang der künig wol gehöret, eine suone ze machende er sich fleis. Gyganbertin Dinasdanreis wurdent beide an den rot genomen, mit Artus worent süüber ein komen; er gap in siner nüftelen zwo, gemehelt wurdent si aldo vor dem bischof von Kavalun. dez vröwetent sich al die barun umbe der ganzen suone geschiht. do wider was enheiner niht, ez enwürde an sinen willen gewant dez küniges us Britanien lant. ir namme waz Tanete die deine US erlesen an Schönheit reine unde ouch ir muome Ciarate, die an ir vil tügende hate. die brünluft waz zuo Kavalan. vil riche fürsten wol getan koment zuo der hochgezit: die hatte der künig besendet wit. umbe dez raers Insel gar

waz kein guot ritter, er keme dar :

daz geviel wol dem künig Artus,

wanne er hatte beweget us.

do zesamene koment alle, 5 do waz fröide unde richeit mit schalle.

so vil gesach nie man bi sinen tagen

unde gehorte nie von so vil sagen.

aber eines dinges waz er witzehaft,

daz mit den fröiden manschaft 10 enpfieng der künig Artus mit heil

von sinon fürsten daz meiste teil,

der ich genennen niht enkan :

ich wil ouch dez kein erbeit han. (120^)

der künig von Kavalun ane vieng, 15 sin künigriche er enphieng

von künig Artus, dez waz er vro.

Dynasdanres tet ouch also

ein ritter, der ze lobende waz.

Gynganbertin ouch niht vergas, 20 er tete dem künige ze stunt

manschaft, dezwartimblitschaftkunt.

waz sol ich da von sagen me,

er lech in alles daz ir waz e,

und wurdent alle sine man ane ent- 25 wichen.

biz an daz mer und in allen riehen

möhte kein fürste so vil würde han,

er enwürde dez moles sin man,

ez were mit liebe oder mit gewait. 30 ir fröide die waz manigvalt.

der künig enphieng si alle,

als er solte mit schalle.

do ez also was ergangen,

daz si ir lant hattent enpfangen 35 von im, als buch waz billich,

do wart künig Artus muotes rieh.

Alsus hatten gesamenet sich

an einen rot, so dunket mich,

die rittere algemeine 40 ane eht Brun alleine,

ein ritter, hatte herschen sin,

der nütschüt gerte tuon durch in:

in Übels wis seiet er von dan.

nu hattens im alle manschaft getan, 45 die zuo dem hove worent so.

von dem künige onphiengent do

21 [Vers 867-954.] 22

alle die man wüste bitz ans mar vonOrkanie,dez wil ich nüt vergessen,

totent gemeinlich sunder wer der Schyromelans kam ouch dar,

manschaft mit uf gehebeter hant der waz frech und biderbe gar,

künig Artuse uz Brittanien laut. von Novoise künig Koriiodas,

in dem lande von Logers wit 5 der gerne geil und frölicli waz,

wonte ouch deheiner bi der zit, unde von Irlande künig Merangin,

ern tete im sines dienstes schin: der nüt konde ein glichser sin,

dez möhte der künig wol frölich sin. der künig Ydiers und Karadog, alsus an niemanne ez erwant, der truog lieber harnesch danne

denne an Brun von Mielant, 10 einen rok,

dez wart der künig zornes rieh. unde der Kandor von Seline,

er sprach, er enlisse nüt umb allez der sere minnete vrowen fine.

Francrich do waz ouch kunig Maradog

noch durch Normandierer ere, unde donoch der künich von Madog

er schadeget in harte sere, 15 unde waz do Lok von Avenoys,

e daz körn würde iu gesnitten. der waz hübesch unde kurtoys.

langer wart do niht gebitten, Jf u hant ir der künige zal vernomen,

(120'') ern sante brieve zuo der zit die zuo dem hove worent komen.

durch alles sin künigriche wit emols waz do sunder won

(diz enwart niemanne verswigen), 20 der werde künig von Kavolon er wolte Brun von Mielant beiigen, unde der werde her Gawen wan er hatte in gesmehet gar. und sin geselle her Yven

vil künige fürsten koment dar, unde künig Vrigiens der vatter sin (120*^)

die ich üch alle nennen wil, unde künig Kynabels ouch bi in.

so ez kumet an der materjen zil. 25 der lantgrave waz ouch do Hie wil künig Artus Brun von Meilon unde Gerschiers mit den wopen gro heiigen. unde Agrapens mit der herten hende,

Zuo einen phingesten daz geschach, dez hochvart waz one ende, daz men den künig gar zornig sach. unde künig Gossengos der werde leye komen hiez er alle sine man, 30 unde der überspreche Keye

wand er zuo Kavalun wolte han unde Lanszelat und Parcifal

sinen hof. alsus koment dar, unde Galahies und Galaal.

dar wurdent gesamenet gar. der selbe ritter für die worheit

wüssent, swenne er von dannan vert, den gral voUebrahte, als man seit, daz Brun von Mielant würt verhert, 35 hie sint genant al die fromen, wenne er im sere waz gehaz. die zuo dem hove worent komen

aber zuo hove komen waz durch kriegen Brun von Mielant.

von manigem lande die fursten rieh, er vorhte aber nüt ein sant, die ich üch nennen kan gelich. wen er uf einer bürge saz,

einennachdemanderenmerkentvort, 40daz in der weite niht schöner waz nüt wil ich liegen umbe ein wort. noch vester noch so guot an wer.

wurdent an einen brief gesät. al umbe und umbe gieng daz mer,

nu merkent dez ersten endes stat, do von er sturmes niht envorhte. welre fürste zuom ersten dar kam: blide noch werk do niht endohte der künig Mars, als ich ez vernam. 45 noch dehein her zuo dekeiner stunde, do waz kunig Lot der wol vermessen wie gros mens erdenken konde.

23

[Vers 955—1043.]

24

ez möhte erhungern ouch nieman: dez waz künig Artus fröiden wan. aber sine fürsten gobent im muot: 'Brims wurt niemer so wol gemuot, ern werde gevangen, wüssent daz. künig Artus, nu fröwent üch bas, gegen üch sin wern hilf et niht ein ber die lenge uf lande und uf dem mer. nu laut uns riten alzehant verderben in und ouch sin lant' ! gelobet wart zuo banden an, als ich üch vor gesaget han, von den fürsten mit dez küniges wille. drie tage lag er stille bi muoter und bi swesteren,wissent daz, den er holt von herzen waz. darnoch fruege er urlop nam an eime zistage, als im wol zam, do wart daz groze her gewant uf die strose gegen Mielant. fuoren durch velt und weide schiere und logent uf schöner riviere. So verre so truog ir pfat, daz si koment nohe an die stat. an dem nünden tage vür wor (12P) sohent alle offenbor

den höhesten turn von Mielant. also balde als in der wart bekant, die minner wofentent sich zuo flis und die von wopen gertent pris unde one dez küniges geheis. ungordent iederman sich fleis ilendes für durch strites spil. do hette men gesehen vil ros sprengen unde erhitzen unde menigen heim ürglitzen und ruschen manige baniere. raichel stoup erhuop sich schiere von den, die men do sach gehen, die von der stat do sehen, wopentent sich one verdriessen, die porten hiessen entsliessen usser der stat wolgemuot. me denne zwei tusent ritter guot, die hattent sich geordent gegen dem

her,

beide an letze unde an gewer. ez wart nie stat beroten bas: daz schuof der dez die herschaft waz. bi im hatte er vil ritter cluog 5 burger siner fründe gnuog. Ijo waz ouch manig soldinier frech dez libes und fier, die die stat hieltent wol in wer gegen dem küaige und sime her,

10 als ir herren vernomen hant. die vrechesten und die baz erkant fuorent uz der stat zuo stunden, manig rieh venlin entwunden, die men do sach offenbar,

15 liessent «ober ligen nüt für war, tetent denne e ritterschaft unde ritters spil mit handes craft. beider site komentz enander an, vür wor als ichz vernomen han,

20 daz gesehen noch gehöret wart sit von kriege ein also grimig strit. wem ez wer liep oder leit, so wart gestrouwet daz velt breit von den, die do worent abe gestochen.

25 von schilten und von spern zer- brochen unde von helmen unde von ors ür-

slagen. aber die üssern, bort ich sagen,

30 koment mit so grozem her,

daz den inren duchte klein ir wer : alsus wart in entwichen kunt. (121*^)

ouch verlurent zuo der stunt fünfhundert ros do bi ahzig,

35 an den die ussern noment sig, mit den die do belibent tot. die inren koment hin mit not, so aller schierost konden, unde beslussen ir tor zuo stunden.

40 do daz allessament geschach, do kertent wider ans gemach, ros gewunnen brohtent uflFes velt. do bi uf sluogent ir gezelt, raahtent hütten uf der vart:

45 kein platz do ungeherberget wart, do sich daz breite her geleite,

25

[Ters 1044-1134.]

26

die gezelt sluog man dar gereite daz Wasser uf an einer zile, daz werte wol anderhalbe mile. sus sach men noch einander ston: nieman gesach so wol geton ein her noch euch ge warnet bas noch besser ritterschaft, danne do waz. kein schöner her, dast sicherlich, für eine stat geleite sich, doch der kiinig, als men noch gibt, gewan die stat so balde niht, wenne ez werte siben jor daz sez zuo minnesten für wor, eb er die selbe stat gewan, dez söllent ir keinen zwivel han. vil nianig stürm ouch do erging mit kraft und ritterliche ding, die guoten ritter wol verwegen, die in der stat woren belegen, der do waz zuo mole vil. do der künig, als ich sagen wil, gelag bitz daz der winter kam, ifrgelicher do urlop nam unde fuorent ouch sicherlich zehant durch ruowen wider in ir lant. dar noch zuo phingesten mit wer samente sich vil grozes her der künig und leite sich aber dar für die stat den summer gar, so lange daz er verherte daz lant unde waz man erte. alsus die stat wart spisen wan, möhtent gewert niht han mit mäht deheine wile fürbas (12F) gegen künig Artuse, wüssent daz, wenne er hette ürhüngert zwor und alle gevangen, daz ist wor. aber dinne worent zwo megede fin fri, die nüt schönre mühten sin. eine hies Clore von Meilant, zühtiger men niergent vant in al der weite sicherlich, über al die megede arm oder rieh waz die ander maget wise an allen tugenden wol zuo prise. Loren vetterkint waz

und hies Ismane, wüssent daz.

alse si worent spise kranc

unde hunger vaste twanc,

seht, die zwo sach man aldo 5 wonen uf eime turne ho.

men möhte die juncfrowen

dikke an dem venster schowen.

an dem turne lag ein gruenes velt,

daz zoch sich nohe an die gezelt. 10 dar kan vil dikke her Gawen

und ouch min herre her Iven

zuo den juncfrowen durch ettewaz

von in bevinden, wissent daz.

Ob si iht woltent begern, 15 daz möhtent gewern.

unde die juncfrowen clageten do

in, waz in brast, und kundetent so

irn grossen gebresten und irn ge- twang. 20 ir dannan ilen wart nüt lang,

den künig si botent do ze stunt,

daz er in tete gnade kunt,

daz er in sante spise.

zuo haut sante der künig wise 25 in gnuog durch die tugent sin,

vische vleisch brot unde win

und andere spise, der er wielt.

do mitte men die stat behielt

ein jor langer uf ein genesen, 30 denne werent gine niht gewesen.

uiide so lange daz der kunig sprach so :

daz keinre were so kuene do,

'der suz noch so bette an mich wante,'

daz er in me keine spise sante. 35 dar noch kleine noch groz enwaz,

der in bete dis noch daz.

und iedoch hiez er one biten

sine werk werfen zallen ziten.

daz her der stat nohete so gar, (121^) 40 für wor nu merkent alle har,

daz nieman, als ich ez han vernomen,

uz möhte zuo den porten komen,

wenne er besaz harte no.

worent ouch erhungert so, 45 daz si genoden wolten gern

(dez wolte der künig nüt gewern),

27

[Vers 1135-1225.]

28

wand der groze hunger twang. dinne euwaz brot noch wines tranc noch nüt daz man solte ezen, oucli hattent die ritter vermessen zwene tage gevastet, wissent daz. do her Ywan gesessen waz uf sin ors starc und wit, durch banchen uf die vesperzit er umbe die stat mit vröiden reit, unz er kam uf die wise breit, als e dez turnes er vorte, die juncfrowen er do horte an venstern in jomer leinende unde euch vil sere weinende, er bat suezekliche, daz im Seiten ernestliche, warumbe si daz groze weinen taten, umbe den hunger, den baten: die schöne Lare sprach zuo im also, do daz her Ywen erhörte do, erbermede twang in zuo stunde, daz er in niht geantwürten künde, balde dannan schiet der wol geborn, daz ors twang er sere mit den sporn, die vart er snelleklichen nam, bitze daz er für den künig kam. unde knüwete für in mit gluste, den rehten fuoz er im kuste. der künig zuht in uf mit der haut, er sprach : 'Ywen, tuont mir bekant waz üch wurret oder wie. ez ist kein fürst in dem her hie, hat er üch üt misseton, er muese üch dez ze buosse ston. nach üweren willen ez geschiht, dez enhant keine vorhte niht. oder stot aber üwer muot noch lüten laut ere oder guot, daz sol üch sin von mir bereit.' 'herre, gnode si üch geseit. ich bit üch, daz ir wendent (122*) üweren sin unde spise sendent den juncfrowen in der stat, wan ir dekeine gessen hat für wor in zweigen tagen niht.' der künig sprach :'zehant daz geschiht.

gar üwer wille hie sol ergan.

sit ich ez üch gelobet han,

so wil ich ez üch frölich geben.

doch sage ich üch uf min. leben, 5 hette ein anderre die bette an mich

geleit,

min hulde wer im widerseit

und liesse in bliben tag noch naht

in lande do ich hatte mäht.* 10 alzehant Kein rief er dar,

daz er one allez beiten gar

einen soumer neme groz und runt

und in hiese laden zuo der stunt

mit vischen win und mit brote, 15 mit vleische und anderme rote

und anderre spise gar genuog,

und sant ez den juncfrowen cluog.

'her hovemeister, dez nement war,

daz ez vil balde kume dar, 20 lieber frünt', sprach her Ywen.

do tet Keyn nüt als ein vilen.

wie er vil übermuetig waz,

tugent er do an sich las,

doch zuo den nöten so waz er 25 raenlich und helfeber

sinen fründe(n) er ie was,

dez bin ich sin gezüg, wissent daz.

er tet manige frecheit

bi siner zit und miltikeit, 30 aber bi sinen tagen er nie

so grosse hübischeit begie,

als er tet zuo dem selben zil.

dez ich üch niht verswigen wil

der tugent die her Kein tet. 35 ein ros er bringen hiez ze stet,

daz Starkeste und daz gröste erkant,

daz men in allem her vant.

ein soumsattel wol bereit

liht wart uf daz ors geleit 40 unde wart geladen, wüssent daz,

mit spise alse vor geheissen was,

so daz ez kume konde gegen

unde uffen den fuezen möhte geston.

ein kneht mit dem zoum ez nam 45 und half im, daz ez kam

an die porte für die stat. (l22'')

29

[Yers 1226-1316.]

80

einen fuoz ez fürbaz nüt entrat, den buch men im spalten sach. daz herze in sinem libe brach, von überlaste starp ez zehant. daz geviel wol den von Mielant. ze stunt hin uz wart gegangen, der prisant frölich wart enphangen. in die stat men die spise truog: do mitte hettent genuog zwene ganze tage dinne. der herre wise waz an sine Brun de Melan uf alle wege, do bi menlich und nüt trege noch verzaget nie keinen tag. umbe deheine not er erschrak weder umbe tröwen noch umbe nit. in duhte, bejaget er sich nüt in zit, er mueste die stat han ergeben, eines tages darnoch, merkent eben, ein lützel vor dez tages schin er wopeu hies die lüte sin. zehant do der tag komen waz, ern beite keine wile fürbas ; er hiez daz groste tor entsparn. die im gevielent tet er us varn, drühundert uf gewünnes gelt die snurretent durch die gezelt. ungewarnet überlieifent, do si blos an den betten slieffent. er enwolte si slahen noch vohen, zuo bessern dingen wolt er gohen. er luot mit spisen in dem her manig ros pfert und soumer, wenne fundent ir gnuog.

nüwant einen schilt, der im wol zam, ein sper in die hant er nam (daz aht ich für ein affenheit). alsus mit sporn siegen er reit 5 zuo dem geschrei hin fürbas durch daz her vrogende waz ez was. dez tages schin so helle uf brach, daz er wol die viende sach, die wider kerten mit bejag

10 hein ane stich und ane slag : dez worent von herzen geil, hin komen waz daz meiste teil, her Gaw^an rante in alles noch, zuo letzende so waz im goch.

15 do in gesach Brun von Meilant, vil balde het er in erkant: zehant sin ors er umbe zoch. her Gawan der nie man gefloch, reit zuo im ouch mit solicher il,

20 daz nie so swinde kam ein pfil. der ritter, dem man lobes jacli, zuom ersten sinen vient stach, Brun durch sines schiltes buog unde durch denhalsperg, den er truog,

25 mit sime sper an der stette, daz ez in noch gefleischet hette. ouch velte nüt Brun von Mielant. er stach in durch des schiltes rant unde durch die ahsele sunder wang

30 daz sper wol einer cloftern lang, alsus er in ouch troffen hat, er kerte wider in sine stat unde hiez sine lüte riten in, vaste versparn die porten sin.

(122'^)

do enwaz kneht nochjuncherrecluog, 35 nu koment die rittere gerant

ern hette mit spise sich geladen, do in gnuog wart ane schaden, Brun hiez sine lüte wider riten alle gegen der stat ane biten, mit dem daz er bejaget hatte, und staphet in hindenan noch mit

statte, groz schrei erhuop sich in dem her, zen wopen lieffent durch wer. Jjalde uf ein ros her Gawan saz gar ungewopent, so wissent daz.

uz dem her alle zehant unde fürhuobent bi hern Gawan. den fundent bleich und ungetan: dez wurdent si leides vil behaft.

40 uz geziehen si im nüt den schaft getorstent, doch wart ez gesnitten beidenthalp abe, niht wart gebitten. er wurde in sin gezelt getragen, do sach men schrien unde klagen

45 allenthalben in dem her, wand er lag ane alle wer

31

[Vers 1317-1405.1

B2

unde in grozem smerzen an libe iinde an dem herzen, wissent, do ez der künig erhörte, daz wunder waz, daz er nüt dorte: von leide sin sproche verswant. sine arzote wurdent besant, (122'') unde bat durch in geruochen sins Oheimes wunden ersuochen. unde do er gebihtet hatte gemechelichen unde mit statte, do zugent im uz zestunt von dem libe daz trunsel runt. die wunde wart mit wine wis geweschen und gemeiselt ze vlis. sprochent: 'er geniset wol', unde der künig blibe sunder dol. vor dem ahtedem tage men wol gesiht, daz im von smerzen wurret niht. gobent dem künige solichen trost, daz er von sorgen wart ürlost. do hiez er sine werc slihten unde sine tumbeler rihten an der stette muren und an die turne

ho. vierzehen wuchen stuont ez also, daz her Gawan lag, wüssent das, eb er der wunden gar genas. 8UZ lag er an einem morgen in sime gezelt sunder sorgen, die geren er drumbe uf haben hies, daz der tag und luft dar in sties. siner knehte einen er kumen sach : er hette getrenket in der bach sin liebes ors Gringalet. zuo im hiez er in kummen do zuo stet, abe saz der knabe tugende riche unde kerte zuo im snellekliche, fürs bette er knüwen do began. er hiez in unde gebot im san, daz er uf sin ors do leite sinen sattel und daz gereite: zehant der kneht het ez geton. hemede unde bruoch guot sunder won daz geheischen wart dem karaerer. sne wis broht er im daz alder fürwor algereite:

an dem bette er es an leite.

dar nach er an daz bette saz.

ein kurzes wambesch von scherter

was, 5 also ouch zuo den wopen ist gereht,

für in er bringen hiez den kneht:

daz tet er an behendkliche.

dar nach hiez er gar heimeliche

den harnesch sin er bringen tet. 10 er selber zuo der stunden het

gewopent gemehelichen sich.

wol schon und ouch wol jegerlich (123»)

waz er, und do er bereitet waz,

zuome rosse er do kam dar uf er sas. 15 ein starkes sper gros er enpfieng,

sinen schilt er an den hals hieng.

durch daz her kerte er ze stunde,

so er iemer heimelichest künde.

diz sach Kein unde aldo zehant 20 tet ers künig Artus bekant

gar tougenliche sunder spot.

*herre min, so helfe mir got

ir habent üweren öhein verlorn'!

l)o das vernam der künig hoch ge- 25 born,

lute schrei er: *ei herre Crist,

Key, verhil mir keine frist,

waz würret mime öheime, wüssent ir ?'

'herre, ich weis wol, geloubent mir, 30 daz er het zuo disen stunden

endelich überwunden

die vorhte der serunge sin.

durch daz her sach ich sinen schin

bereit uf sinem rosse gehüre, 35 unde vert suochen aventüre.

kummet ez, daz er zuo vehtende hat

oder vert er an soliche stat,

do er muoz getete liden,

iemer muezent ir in vermiden, 40 so balde im erbeit würt kunt,

sine wunden werdent uf der stunt

zemole offen und zerzart:

daz fleisch junc und ungehart

ist mürwe und weich.* 45 der künig langer niht entweich,

er saz uf ein pfert cluog.

33 [Vers 1406—1491.] 34

al in der hant einen stap er truog dan über die matten er balde reit unde sluog mit sporn uffen daz velt und kam in einen walt bekleit. durch die hütten und die gezelt: geloubet gruene er den vant,

suz kam er für uf den plan, daz im bi siner zite nie bekant

unz er erilte hern Gawan. 5 wart schöner noch so wunnenklich

zuo im er sprach : 'öhein, sagent mir, noch senfters gesmakes so rehte sue- tuont mir bekant, war wellent ir, seclich.

unde durch waz ir gewopent sint.' allen gesmac möht men do voren 'herre' sprach er, 'durch gotz kint, von krüteren guot, die dinne woren. sint mit dem wone niht behaft, 10 gegen eime bosche sach er do

daz ich durch suochen ritterschaft zende an dem walde harte ho mich habe gewopent sicherlich. einen boum, der waz geloubet gar:

ich wil ein wening erbanich mich, gegen dem er reit und kam aldar. hie harfür die weide schowen, der tag waz hei in lichtem schine

die gruene sint unde ouch die ouwen. 15 und der walt waz vol vögelline: (123*^) ich sage üch dez ganzen minen sin, die sungent gar suezekliche. daz ich so lange gelegen bin, Gawan der vil tugende riche

daz ich sin wene han trokheit. verhuop durch hören den clang

herre, do von ich bin so bereit von der suezer vogel sang,

unde wil wüssen sunder miden, 20 und do er ein lüzel horte,

ob ich noch üt möge harnesch liden sin herze solicher vröiden vorte, und ob ich sin notdürftig wer. daz ein rennen wart von im erzeiget

wüssent, niht verrer stot min ger. mit sime sper ze reht erneiget. (123-)

herre, ich enbize ouch niemer mas, dar nach verhuop er uf der slihte: ich kumme denne her wider, wüssent 25 gesunt starc duht er sich die rihte.

das.' sus noch so erschrac er niht,

der künig sprach: 'dez bin ich vro, daz er der wunden vorhte iht. öhein, daz ir üch erbanchent so. niht mere sparte er sin riten,

doch nemment üch balde kumendes zehant fuor er hin sunder biten.

an, 30 durch den bosch fuor er fürsich wellent ir die mine hulde han.' unde aber durch einen behendeclich,

*herre, dez förhtent üch von nihte'. den dritten, den vierden darnach wider umbe stapfte die rihte kam er, e er har wider zoch

der künig ins her gar sunder leit. one den weg crümben iht.

her Gawan sus von dannan reit 35 da sprach er : durch alle geschiht durch schöne wisen garten. er niemer zuome here wider keme,

hie sol men nüwer mere warten. bitz daz er frömede mere verneme

Hiekumet her Gawan zuo Brandalins oder ander oventüre funde. stresfer und würt mit Brandalin veh- in dem gedanke zuo der stunde

fende. 40 fuor er einen verren weg fürbas. Min herre Gawan der werde do ez an dem dritten tage waz,

sinnig und guoter geberde vant er in eime walde eine

des morgens sich varendes ane nam, ob einem brunnen luter und reine unze daz er durch ein wasser kam. gespannen ein gezelt gar riche, daz waz niht breit tief, wüssent daz, 45 von dem die gern und vettiche doch niht schöners in der weite waz. worent von frömeder varwe fin,

Eis. Lit. Denkmäler. V. 2

35

[Vers 1492—1582,]

36

gemolet mit bluomen und mit fögellin von wunderlichen tieren gar. obenan stuont ein güldin ar uife dem knophe, wüssent daz, der gerwe übergüldet waz. dar umbe worent schöne hüttelin: mit wolsmeckenden bluomen fin worent gespreitet durch gemach. Gawan zuo im. selber sprach: daz er niemer ruowe geneme, untz er zuome gezelt kerne, do er dar kam, er abe saz: zuo henkende er niht vergas sinen schilt an einen boum unde daz ors mit dem zoum sere unde vestekliche bant. er gie in daz gezelt zehant, daz offen stuont und uf geraht, unde sach ein bette wol bedaht mit eime gruenen baldekin. dar an so lag ein maget fii, die waz an schonheite riebe, hern Gawan do früntliche fuorte hübesche aventüre. er sprach: 'got der gehüre, (123^) der gruez üch, liep min.'

neig ir houbet, ir antlitz fin, ein wort sprach nüt die tugentrich. her Gawan dez erkante sich,

suz antwürt ich mime vetterlin, als üch und euch dem bruoder min, wand er ist ritterschefte ein kerne, unde wüssent, daz ich üch gar gerne 5 dez die worheit verjehen wil, wand ich ez üch niht verhil. wissent, ez ist nu wol zwei jor unde ouch vil me on allen vor, daz ich von im horte sagen 10 vil guoter mere sunder vertagen, wand an im ist me miitikeit, sinne vil, zühte und ouch manheit, denne an keime ritter sicherlich, do von me im danken ich, 15 denne ieman oder dem vatter min.' jo, vil edele maget und fin, min namme wart verholen nie, wo men mich sin vroget ie. JMu bit ich üch, liep reine fruht, 20 daz ir mich minnent durch üwer zuht.

ich heisse Gawan'. sprach: 'Gawon ?

daz geloub ich niht.' 'liep, sunder won

ich bins, daz si üch sicher kunt'.

'frünt, so entwefent üch zestunt. 25 wol bevind ich, ob ez ist wor,

an üwerre beschöfede offenbar'.

'gerne' sprach er, 'reine maget*.

'frünt, tuend ez unversaget,

so gon ich in die kamer min:

do er 'liep' sprach, daz er übergreif. 30 do inne pruef ich üweren schin. ein ander gruoz im do entsleif. denne sage ich wol zuo banden an,

er sprach: 'maget, so gruez üch der got, herre min, ob ir sint Gawan'. der üch so schöne gemachet hot.' er lobet ez ir, gie zehant

sprach : 'der do geschuof berg und do gemäht ans gezeltz want

plon, 35 waz eine kamer vil reine, der behuete und grueze hern Gawon der ingang waz harte kleine.

(124"

und üch darnoch er behuete!' *nu sagent mir durch üwer guete, reine maget, waz meinent ir, daz ir niht e gruoz geltent mir, denne hern Gawan, waz meinet daz? ich wüst ez gerne fürbas, ob ez üwer wille wer.' 'ze verswigende, herre, ich ez nüt ger, wer ez an üwerem willen iht. herre, ich verhil ez üch niht:

do inne hatte gemäht ein heidenin, die waz gesin bi der künigin Gynoferen der hohen und die here,

40 eine liste von heidenscher lere: wol gewarht hatte die wise. dar an entworfen waz zuo prise hern Gawans geschöfede gar. do möhte men wol nemen war

45 siner geberde gar gelich,

wie er wofente und entwopente sich.

37

[Vers 1583—1672.]

38

sine Schönheit, sin gemuete, sine tugent, sine guete, diz allessament, wüssent daz, so eiginlich entworfen was nochhern Gawans geschöphede sohin, daz ez niht glicher möhte sin. die maget gondes niht vergas usser der kamer do waz unde sach den fürsten wopen bar. nam sin flisseklichen war an antlytz, an geberde: sach daz ez waz der werde, gie und helset in ze stunt, kust im wangen und den munt wol zehenstunt in kurzer fr ist. *liep' sprach sü, 'sit ez als ist, min lip zuo eigin si üch gegeben : üwer wil ich sin alles min leben!' 'unde ich, min suezes liep, enphahe früntlich, wen ich ez nüt versmahe, dise vil werde gobe riche. die liebe min völlekliche gip ich an üch ane argen list, ob ez üch, liep, gevellig ist', mit küssende so erwarp er vil gezögenliche der minnen spil. rettent zuo enander gnuog unde lachetent früntlich mit gefuog. ir megede nam verlor sam: juncfrowe und liep heisset nu ir nam. unde ob er von ir sohlet fürwar, er seit ir zil stunde offenbar, (124^) wenne er holen solte unde mit im fueren wolte. schön tet er sinen harnesch an, urlop nam er und schiet von dan: enweg reit er mit fröiden stüre. nu hörent vort stark oventüre. Der juncfrowen vatter unverzaget kam ins gezelt und sprach :*v er maget, der werde got der mache üch fro, der do wonet uf dem himel ho', neiget ir antzlytz nider unde entwürt im niht wider, darnach ir vatter aber sprach: *tohter min, got gebe üch gemach*.

do sprach sü: 'lieber vatter guot,

got gebe üch leben und muot.

üch zuo tohter min herze giht,

aber bin ich maget niht'. 5 'ach tohter, wer hat daz geton?'

'ez tet min frünt her Gawon.

niht lang ist, daz er hinnan reit,

minen magettuom er mit im treit.

lange seit ich üch one widerstreben, 10 daz ich in im wolte geben'.

do ez der vatter erhörte, zehant

des orses köpf er umbe want

unde kerte uz dem gezelt rieh

durch Gawan vinden sicherlich. 15 dem huopslage spurt er noch,

unze daz er Gawan erzoch

zwischent zwein böschen uf eime plon.

alsus kam er zuo hem Gawon,

der reit gedenkende an sine amie. 20 zuo im sprach der vil hohe vrie:

'verreter, ir mögent nüt von mir,

vil türe gelten muezent ir

den tot mins bruoders sunder won

unde den schaden, den ir mir haut 25 geton

an der vil lieben tohter min'.

Gawan in dem sinne sin

dohte an der rede verlieren,

iedoch begond er smieren 30 unde sprach: 'herre, wüssent das,

ir möhtent wol reden bas,

wan ich tet üch kein unreht nie.

het ich es geton, so wer ich hie

ze tuende ein reht, als uns mag ge- 35 zemmen,

went ir besserunge do von nemmen,

so daz üwer frünt und die mine

beliben mögent in eren schine. (124*=)

aber verretnisse wer ich mich.' 40 daz ros hiewe er und nam fürsich

den schilt, als im wol gezam.

ginre euch vil zörnliche kam

bereit durch slahen an den frummen.

alse balde die ors möhtent komen, 45 hatten zesamene sich gezilt.

ginre traf Gawan an sinen schilt, 2*

39

[Vers 1673—1759.]

40

so daz daz sper alles zerbrach: die sprizen toten manigen krach, her Gawan galt im daz zestunt, 80 starken stich tet er im kunt, also daz sper und die ringe wis im gieng in sinen lip zuo flis: suz wart er alze sere wunt. noch im menliche triihte er zestunt, daz er in valte uf den plon übers rosses göffen wolgeton. Gawan den heim abe baut unde reit enweg für wor zehant. JNu hörent hie, wie Bran von Lis, ein ritter vrech uf alle wis

durch rechen mines vetteren tot: er gilt ouch türe üwer not.' in hohen Sprüngen er hin reit durch bösche unde durch velde breit, 5 der huopslege war er nam, an eines boumes sehet er kam: do spürt er hern Gawan. er schrei in an ze banden an: 'verreter, ir kument nüt von mir, 10 den tot mins vetter geltent ir, den ir mit nnrehte haut ersterbet, minen vatter hütte ouch verderbet, die swester min geschant an dirre

vart. unde bruoder der juncfrowen, wissent 15 we üch, daz ie geboren wart!

das, durch sterben muessent ir.'

. . . von dem gezelt do die schöne waz. Gawan verhuop, geloubent mir, 'maget, got gebe üch guot gemach' er sprach: 'her ritter, daz lont hin. sprach er. aber nüzüt jach, die trüwe ich gotte schuldig bin,

und er sprach aber: 'swester guot, 20wol möhtent ir reden zuo mir bas.

ich wil bessern, wüssent das, waz ich üch schaden hau geton, an möge an swester sunder won mit üwerre fründe wille gar.

got tuo üwer herze hoch gemuot, als ez begert und billich sol, wan ez dunket mich leides vol'. 'bruoder, üwer swester ich bin'

sprach sü, 'doch wüssent minen sin: 25 so daz ich nüt wurde eren bar

ich bin niht maget me, samir got!' 'ach swester, sagent irs in spot?' 'nein, wan ez ist sicherlich'. *wer tet üch daz, lont wüssen mich?' 'ez tet her Gawan, bruoder her', dez wart er zornig harte ser, dez rosses zoum er umbe zoch und zogete balde Gawan noch mit spornsiegen manigvalt. 8U8 kam er schiere für den walt, der Strossen nam er war genote. zem vatter kam er und frote, wer mit im möhte han gestritten. *sun, der tüvel mir ist widerritten, ez ist nüt lang, ez waz Gawan, der valte mich uf disen plan. (124^) holent mir min ors dort uf dem cle, so zog ich hin, mir ist gar we'. 'zwor vatter, des entuon ich niht.

unde ez minen fründen nüt laster

were. aber zehant one ander mere von verretnisse wer ich mich.'

30 ze stunt one rede sicherlich neigetent die starken sper, die schilte an irn helsen hiengent

noch ir ger. die werden ritter hoch geborn

35 beide mit den scharpfen sporn sluogen die ors in siten bar (sü woren noch irn willen gar), unde koment also snelleklich, daz zitern mueste daz erbrich,

40 so daz daz für sunder wang vil dike uz den steinen sprang, toten nüt juste durch hovieren vor vrowen noch durch zieren, ir rennen wit nomen.

ich wil dem verreter noch, waz mir 45 mit neigenden spern komen : geschiht, iewederre ein tegen was.

41

[Vers 1760-1848.]

42

mit louffenden orsen, wtissent das, sii so sterclichen einander stochent, (125*) daz die schilte gar zerbrochent. die ysin drangen mit gedinge durch die halsberge ringe, dez muestent die sper liegen und brechen sunder triegen. die sper zerspriszetent mit il, die ors verhuoben keine wil. aber die ritter sicherlich durch den stich nüt verwegetent sich, wenne so vil daz beide zesamene stieszent gereide mit schilten und übe sunder vor, daz zuor erde koraent fürwor. einre den andern nider stach: solichen stich men nie gesach, daz iewederre getöbet wart, die ors koment uf die knie so hart,

mit groszen siegen sunder miden, suz ir otem wart geleit. beide littent gros arbeit: an maniger stat wurdent ver- 5 snitten,

wände ouch do engeste litten, so daz von Gawans alten wunden in sinen buosen viel zuon stunden mit il daz heisse bluot rot.

10 des erschrag er und kam in not. und solt er me den strit halten, des unwegern mueste er walten, wan er sach, daz Brandeiis bluote in deheine wis,

15 wenne so vil daz er getoubet waz von den siegen, die er im maz. wissent, daz er waz nüt dez libes mat. aber im Gawan bot an der stat, ob er ein lüczel wolte beiten

(125'0

daz men wit geschrunden sach. 20 und daz ding in friden leiten.

den rittern harte we geschach

und logent unversunnen so,

daz nüt gelüste do

uf zestonde in langer stunt:

vil nohe wart in sterben kunt.

und do uf gestundent,

von den trunszeln sich enbundent,

die men in iren schilten kos.

daz sine clage würde gesliht. 'Gawan' sprach er, 'des sagent niht. vetter und vatter hant ir tot geleit mit unrehte und unwiderseit, 25 mine swester enteret, wissent daz, do eine in eime gezelte waz. von uns suone niemer wurt getan, unser einre muesze daz leben lan.

zehant die swert uz zugent blos. aber gerne disen strit Brandeiis was ein ritter cluog 30 bitz uf eins andern tages zit,

und jung der jaren vil genuog, went ir, wil ich fürbeiten so:

einre hende langer denne Gawon. wo ich üch sihe anderswo,

iewederre sin swert hette in der daz ir des haltent üwer worheit,

hende schon, do hiewent sich herteclich, suohtent hartte zörnlich über heim mit swerten blos, gobent siege hartte gros, die kroyeir versnittent: ir helme wunder littent. neigender siege wieltent über schilte, daz zerspieltent. verhiewent waz hattent und vlissent sich, wie einander

ir sint bereit öder unbereit.

35 reht wie ich üch vinde sunder biten, zestunt ir mit mir söUent striten. an mir nüt minre vindent ir'. Gawan sprach: *zwor geloubent mir, ch halten dirs mit stetickeit.

40 ich weis, daz du grosze kuonheit und frecheit hast in dinem sinne und bist doch nüt der jore inne, daz du solt solichen strit begon und guoten ritter ouch beston'.

schattent. 45 Den strit sluogent für also, komentz an der swerte sniden beide das gelobetent do:

43

[Vers 1849—1937.]

44

wenne Brandeiis nüt wolte biten, 80 solte Gawan mit im striten. soszen uf ir ors mit sin und kertent von einander hin. min herre Gawan der lies sich durch einen walt, waz loubes rieh, bitze daz er kam an den usgang. bi einre eiche, do das gras was lang, entwopente sich der wol gemeit. von sinem bliot einen gern er sneit: do mitte bant er do zestunden (125*^) vil sere sine wunden,

also daz verstretetent sich, do nach sas er uf snelleclich. Drandelis wart vil jamers kunt umbe sinen vatter, der do waz wunt. zuoczim kam er schiere gerant, für in kam er e er do erwant, aber tot erkaltet vant er in. nüt wolt er Ion, er fuert in hin vor sime Sattelbogen als ein helt wol gezogen rehte gegen einer riehen abbatie. in eine schöne perie nohe dem walde an eine halde hies er in begraben balde die müniche in irre zimitiere: totent sine bevilhede schiere. Jciie los ich sin von Brandalis und siner swester Aclervis : die wart eins kindes swanger. rehte gegen Melant uf dem anger zuom her wider kerte her Gawoii siech und aller ruowen on, daz er sich enthuop mit grosser pin, daz er nüt viel von dem orse sin. die wuche hat er geerbeitet sam, daz ers so groszen smerzen nam und wart geseret so vil me. sin alte wunde gieng uf als e, und zerzerrete sich das fleisch weich, daz er wart als ein esche bleich, alse der sich verbluotet hat. n sin gezelte leit er sich uf der stat, also balde als er entwopent wart, zuo dem künige von hoher art

siner knehte einer balde lief

und swindecliche er in an rief

und sprach: 'ir sollent balde komen

zuo uwerme öheim dem frommen 5 und heiszent uwere arzate kommen

alder,

öder uwer hof ist iemer 1er

sins libes und sins lebendes hie.

so not getet im helfe nie, 10 sit er das leben ie gewan'.

der künig sprang als ein töbig man

uf sin pfert, zuotzim er reit.

kein arzat bleip im her breit,

der wol mit wunden künde, 15 er lieffe dar zestunde

durch Gawan helfen zuo der not. (125'^)

doch kondenz im nüt guoten rot

geben, daz tet dem künige we,

wol zwene monot öder me 20 lag her Gawan, wissent das,

obe er der wunden gar genas.

Der künig Artus mähte ieso

drie vesten vor der stat aldo :

die worent gros schöne und wit. 25 die von Mielant erhungert worent zuo der zit,

das in todes vorhte muestent leben

und do bi die stat begeben

an gnode für den tot. 30 sime volke der künig gebot,

daz der sinne wieltent

und die stat von gründe vieltent:

daz tatent mit meisterschaft.

die in der stat worent seshaft 35 ritter, bürgere arm und rieh

teilte der künig in drü gelich.

domitte besatte er die bürge ho,

die er gebuwen hatte do.

eine er sime öheime liez 40 die ze nehest an die stat stiez.

die waz gezieret von matten und von weiden

und euch von geerten velden:

Pancris hies sü, gar schöne was. 45 die genant was Armias

gap er Gypfelt sun küniges do:

45

[Vers 1938—2026.]

46

gar liep waz im der fürste ho. die dritte Langerde was genant: Tor Ares sun gap er zehant. also zergienc daz her breit, künig Artus gegen Kylinin reit, in eine stat die was lobesam: mit heimeliehem gesinde er dar kam. die wol geprisete ritterschaft, die muede warent und kumberhaft, die kertent hein durch ruowens not, wände in muede daz gebot. ir frünt enpfiengent sie frölich. über siben tage der künig rieh lie lidig Brun von Meilant. zwo stette gap er im zehant, Kylinin unde Karadigam: gewilleclichen er die nam und tet im vil dankes kunt. des selben tages an der stunt tet er manschaft eigenlich (126*) vor in allen dem künige rieh.

donoch dem künige von Britenien

laut wart dienstes vil von im bekant. von Melant sin tohter Lore die schöne unde die vil clore minnete Keyn, wissent daz. Gawan noch nüt genesen was der wunden sin, sus hört ich sagen, uf sine bürg wart er getragen durch gemach pflegen sunder we, bitz er riten möht als e . dar noch der künig ruowen pflag unde waz in friden manigen dag. Hie vohef Karados hiioch an. Alse men lag vor Melant in dem ersten jore zehant, ein brunlouft mäht der künig her. der gewan er sit gros er von siner nüftelen eine, daz schönre noch so reine waz von Brittanie bitz Rohes : Iseve hiez von Karoes. die wart gegeben zuo der e von Nantes künig Karode. er hielt erlich in gemach;

nu hörent hie waz im geschach.

wunder gehörent ir niemer so gros

noch nie gehöret wart sin genos.

dez tages do die brunluft wart geton, 5 unde des nahtes slofen sölten gon

der künig und die vrowe guot,

do waz ein ritter hoch gemuot

in dem her, Elyafres genant,

nie solich zouberer wart bekant, 10 der waz dez hovemeisters neve:

gar holt waz er der schönen Ysefe.

wissent, solt im ir hulde entrinnen,

80 muest er den tot gewinnen.

nygramanzie kond er ze prise, 15 daz er verwandelt in manige wise

ein tier oder ein fögellin.

er sluege einem manne daz houbet

sin

abe, wolt er, one we 20 unde sat ez im wider dar als e .

do Karade solte slofen gon,

Elyafres wolte niht Ion,

er gienge in die kamer für wor

heimelichen nüt offenbar, 25 so daz ez nieman bevant,

wand im waz zoubers vil bekant. (126^)

er nam eine breckin, wissent daz,

unde mähte eine maget als Yseve was

in alle wise sicherlich: 30 daz wonde menlich, daz weis ich.

die leit er dem künige bi

unde hatte die wol wandeis fri

sin amie bitz an den tag:

kurzewile fröiden er do pflag. 35 unde aber an der anderen naht

Elyfres hatte gemäht

usser einer süwe eine maget fin,

alse sin schönes liep solte sin,

unde leite zuo dez kuniges lip: 40 aber wond er, daz ez wer sin wip.

usser einre fülschen die dritte naht

wart mit zouberlisten gemäht

ein wip der vrowen gar gelich,

unde leite zuo dem künige rieh. 45 do lag er aber bi sinre fründin die naht bitz uf des tages schin.

47

[Vers 2027—2115.]

48

eins kindes si swanger wart zehant, alse men dar noch wol bevant unde ouch dis mer uns saget hie. dez vierden morgens, do der tag uf

gie, künig Karode urlop nam zuo künig Artus, als im wol gezam. er kuste sine nüftle die wunnenkliche, si schiedent von im gar fröliche: vor Meilant liessent in. rittent so verre fürbas hin, daz der künig zuo Nantes kam. so schöne enphohen men nie vernam, alse do totent die burger sin: mit eren enphiengent die künigin, wan si waz an Schönheit gerehte unde waz von hohem gesiebte, der künig hies ir dienen sere unde bieten zuht und ere. unde do d^r künig inne wart, daz swanger waz sin vrowe zart, sin herze fröide vil gewan, daz nieman groser möhte han. vil riliche hies er die guote halten in hoher eren huote, untz uf daz zil, wissent daz, daz si eins schönen kindes genas. Do von der künig vil vröiden en-

pfant : der sun Karadot wart genant. (126*') do er des tages getöfet wart,

geil wart der künig von hoher art umbe Karadot, dast ungelogen, vil zertlichen wart er erzogen, unze daz er fünf jor wart alt : do waz er schöne an rede halt, zuo schuolen durch leren sat in der künig, und do er latin wol konde reden und verston, do hies er in bereiten schon, dem künig Artuse sant er in do sinem öheime, des wart er fro. er enphieng in wol erliche mit fröiden und wunnenkliche. biben jor gantz bleip sicherlich der künig, daz er nüt crönete sich

noch dem sesse vor Mielant.

die edelen ritter wol erkant,

die vor langer zit ruowe pflogent,

eines dinges sich verwogent, 5 daz si des morgens one biten

wolten mit dem künige riten

bauchen in die weide schon.

unde des morgens fruo sunder won,

unde der tag schinen began, 10 alse sis des nahtes leiten an,

unde der strosen sich an genoment

unde mit dem künige in den walt koment,

sine hunde hies er bringen dar. 15 do nam man schönes louffendes war,

wiltbrete viengent gnuog,

vil maniger hande ein ungefuog:

hatten wüne maniger slaht.

unde do es sich zoch uf die naht, 20 do die sunne nüt me enschein,

iegelicher kerte wider hein.

der künig unde sine ritter kec

vor den anderen fuor sinen weg.

her Gawan sunder frist, 25 als ein man der vol vröiden ist,

unde die anderen gesellen sin

hieltent alle gar umbe in,

wan er seit in ein aventüre,

die gar hübisch was und gehüre 30 unde im widervaren waz.

der künig reit in noch, wüssent das,

verre von den lüten und alleine :

sine gedenke worent niht deine.

die hattent sin herze so beleit, 35 daz er sin vergas und eine reit. (126'')

unde do er fuor so gemechelich,

her Gawan luote hinder sich

und sach in her noch eine riten,

sine gesellen hies er biten 40 unde lient die gemmellicheit.

der künig behendeklichen reit

und waz vil balde zuo in komen,

als er ir beiten hatte vernomen.

so balde kam er nüt zuo in, 45 an sine site reit her Gawin

unde tet im lechelichen kunt:

49 [Vers 2116—2206.] 50

'herre, üch zimt deheine stunt, aldo der künig vrogete in:

daz ir sus ritent hindennouch *wo rotent ir dan, daz er si,

oder daz ir gedenkent ouch do mine man mögent komen bi'?

anders üt denne an hohen muot. *zuo Karduel in üwerme obersten

wenent ir, daz ez dunke guot 5 palas,

dise rittere wol verwegen, die do lit in der marke von Galas

daz ir nüt schinphes wellent pflegen, unde in dem riebe zuo Engellant'. als ir e totent, merkent das?* ^ dez morgens do wurdent besant

der künig guot, der versunnen waz, über alles sin riebe die fürsten guot. horte daz er erlichen rette. 10 die rittere er ouch alle luot:

über künig Vriens sun ze stette, soltent zuo phingesten bi im sin.

Iwen dem werden tugende vol der ritter kummen wart do schin.

dem wol gezogenen und redende wol, dez tages alse sieh der künig versan, sinen zeswen arm er lise leite daz er den hof rieh wolte han,

ritende. merkent waz er seite. 15 er sach sinen neven Karadote,

*Ir herren' sprach er, *one vertagen der an im schöne und frecheit böte, wil ich üch minen gedanc sagen: dem nu me söUent sin wopen kunt.

zuo lange han verbeitet ich. den mäht er ritter zuo der stunt

daz ich nüzüt tet, daz rüwet mich, zuo der hochgezit rilich dez ich üt habe keinen frumen 20 so schon und so höfelich,

noch ze grozen eren mir si kummen, daz me denne drisig juncherren ho wan ich han landes also vil, wurdent mit im ritter do.

daz ich nümme sparen wil, den knappen one widerkere

als ich lange han geton: des morgens bot men gros ere.

schemeliche ist ez mir sunder won. 25 Do der künig die kröne enphieng ich muoz ie üzüt vohen an, unde daz ambaht alles ergieng,

daz ich habe ere und alle mine man, gegen dem palas er zoch. daz ez mine diener babent frume, die andern volgetent alle im noch,

ob ich iemer hinnan kumme. umbe daz si ir gewonheit wolten

daz waz iezunt min gedang 30 halten, alse solten.

imme herzen sunder wang, zestunt do der künig gesas

daz ich zuo phingesten halten wil, unde alle die anderen, wüssent das, die nu hant daz neheste zil, Keyn usser einer kamer kam

so grosen hof, daz sinen glich one mantel und doch alsam

nieman gesach noch ouch so rieh, 35 bekleidet mit einem bliat hermin, wenne ich wil daz mine dar pagen, der stunt im wol und waz gar fin. daz ir nie gehortent sagen zuo wimder waz er edellich.

(127*) von geben, die ich ie gegap, durch al die lüte, dunket mich,

wider dirre geben urhap, kam er für den künig cluog,

die ich den minen geben wil'. 40 in siner hant ein ruote er truog

min herre Gawan zuo demme zil und knüwete für in dar

sprach: 'wir strofent üch mit unreht, unde sprach gezögenlichen gar: (127'')

wan üwer gedang der ist gar sieht 'herre, nement wasser sunder frist, unde ist so hübesch und so rieh, ob ez üch gevellig ist,

daz der wer gar unendelich, 45 wanne hie ist dez inbis zil'.

der üch beneme solchen sin'. 'lieber frünt Kein, ich enwil.

51 [Vers 2207—2292.] 52

enwelle got, daz ich des walte /je stunt one beiten, daz waz sin ger,

ze hochgezit so ich hof halte, daz swert er zuhte und reihte es der, (127'=)

Sit ich die crone getragen han, aber nieraan waz, dersnemengetiirste.

daz ich wasser neme oder ieman, do sprochent rittereundmanigfürste:

ob iht frömeder mere stüre 5 wol wer er tump, der ez versuochte

oder hübesche oventüre unde so gewogeter dinge ruochte,

vor in allen hie ergange. joch het er sin weder pris noch ere.

den Sitten han ich gehalten lange 'ir herren' sprach der ritter here,

alles min leben bitze .har'. 'ich wene, keinre well es jehen.

die wil er rette, do nam er war 10 künig Artus, nu mögent ir sehen,

unde manig ritter, der do sas, daz üwer hof nüt ist so herlich,

daz durch die porte von dem palas als iegelicher seit, daz gihe ich:

kam ein ritter in den sal hie hat kein ritter kuenen sin.

uf eime grosen rosse val. üwer gezüg ich des wol bin,

an im einen herminen beiz er truog 15 daz ich soliche mere wil sagen,

der bi untz uf die erde sluog, die üch noch in mag nüt behagen*.

unde uf dem houbet ein schapellin dannan wolt er sin uf der stat.

unde einen reif, waz guldin. zestunt Karadot har für trat,

ein langes swert sach men in tragen, der ein nüwe ritter waz.

daz waz mit golde fin beslagen: 20 abeziehendes er nüt vergas

der vessel waz ein borte vrisch. sinen mantel schon und breit,

geritten kam er bitz an den tisch wem ez wer liep öder leit,

unde gruoste do alle geliche: gegen gimme er ging und nam daz

'künig Artus' sprach er, 'got von swert:

hymelriche 25 die rehte haut wart im erlert. der geb üch ere unde langes leben !' der künig sach daz und waz im leit, 'frünt, der muez üch vil heiles geben'. er sprach : 'min mog, dise vreqheit 'künig' sprach er, 'eine gobegent mir'. möhtent ir one schamme Ion; 'ritter' sprach er, 'die nennent ir, hinne ist manig ritter wol geton,

mag so sin, ich wil üch geben.' 30 die es also wol und bas ervolten, und ginre sprach: 'ich sage ez üch als ir, ob sis tuon wolten.

eben: si hant ez alles für narrikeit.

einen slag geben one gohen ritter, underwindent üch nüt torheit !'

hösche ich umb einen anderen en- Den künig erhörte Karadot,

phohen'. 35 über al wart er do schamerot, frünt, waz ist daz, was sagent ir ?' doch wolt ers nüt dar umbe Ion. 'künig, daz si üch geseit von mir. nohe gieng er an den ritter ston,

ob kein ritter möge hinne sin, durch daz er sluege vesteklich.

der mir abe slahe daz houbet min ginre gegen dem künige kerte sich, mit diseme swerte uffen disen tag 40 daz houbet er neig, den hals er mit eime slage und ich mich mag strahte.

erneren dez slages sunder triegen, dirre sluog in mit starker ahte, sicher mag er sin one liegen, daz der köpf sprang von im hin

daz er sol von mir über ein jor für den tisch, aber ginre nam in

enphohen einen solichen slag fürwor. 45 mit beiden henden zuo der stunt. Hie öyet Elyafrea sine zouverie. als ob er were vil gesunt,

53

[Vers 2293-2380.]

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und satte in wider als e glich. 'Karadot' sprach er, 'du sluege mich'. Key sprach : *daz tet üch aber lützel

we. von hütte über ein jor, war ez ge, wolte ich nüt varen sine vart umbe alles daz golt daz ie wart.' (127^) der ritter sprach do ofFenbor:

'Karadot, von hütte über ein jor bin ich har wider, daz geschiht. umbe alle ding so enlos es niht, du ahtest daz ich dich hie vinde'. zestunt hin fuor er geswinde unde der künig bleip zornes rieh gar leidig und clagete sich, sus totent die ritter wol vermessen : kume wolten me essen, so zornig woren und so mat. mit leide der hof gescheiden hat. gemeinlich fuorent zehant von dannan wider in ir laut, der künig hies gebieten och, daz über ein jor dar noch zuo Kardoel solten wider kommen, die mere balde hatte vernommen von Karadot der vatter sin unde sin muoter die künigin: die hattent es jomer und dol. aber von im mag ich sagen wol, daz er so gar in fröiden swebete, daz nieman in der weite lebete, der an sime schine neme war, daz er iemer forhte wurde missevar, wenne er suohte vil aventüre und harte ritterschefte stüre, bitz daz jor ein ende nam. unde do der gesprochen tag kam, sin vatter wolte niht kummen do hin. er möhte niht sehen töten in noch die muoter, die in gewan. der hof zuo Kardoel huop wider an zuo phingesten in dem palas. so vil lütes nie bi enander was, wenne in al des küniges pfliht wolte kein man bliben niht, er kerne durch sehen zuo hove schon,

wie ez Karadot solte ergon

vor dem künige und den fürsten sin.

noch dez crüzeganges schin

und do die messe ein ende gewan, 5 die riehen fürsten fuoren dan

in den palas des küniges guot,

aber er hielt gar sweren muot :

alsus die anderen toten alle.

und also sosent sunder schalle, 10 zer porten in reit ginre ungeslahte,

der die bösen prisante brahte. (128")

sin swert daz het er umbe sich

gegürtet, dast unzwivellich.

Hie hevindet Karados^ daz Ehjafres 15 sin vatter was^ und icond er doch

künig Kar ade siin sin.

Uf einem schönen ors er sas,

durch den sal der gemolet was

für den tisch er reit fürsich, 20 do der künig sas weidenlich.

one reden zuo fuoz er kam,

er zuhte sin swert, blos er daz'|nam

unde sprach vor dem künig Artu:

'Karadot, kum her, wo bist du?' 25 'ich bin hie noch diner gir'.

«o kum har, daz rot ich dir'.

sinen mantel abe er do tet

unde gie zuo im uf der stet,

zuo gimme, der vor im stunt: 30 dez geberde tet zürnen kunt.

daz sach der künig und waz im leit,

ze redende balde er nüt meit:

'hey ritter, habe genode sin,

nüt töte mir den öhein min. 35 dar umbe wil ich dir guotes schenken,

wie vil du kanst erdenken'.

'sagent, waz ist der gobe, die ir

dar umbe woltent geben mir?'

'nim al den harnesch gar, 40 den dise alle brahtent har.

von diseme hove mäht du han

me guotes, danne ie man gewan

von schetzunge uf min leben.'

'künig, went ir nüt me geben?' 45 'jo, allen den hört, wissest daz,

von Silber oder von golde, waz

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[Vers 2381—2472.]

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die dise har in hant broht'. 'kÜTiig,' sprach er, 'des lant ungedoht, wenne aller der hört der ie wart, er si beslossen oder entspart, nem ich für in ze wehsei niht'. der künig zuo leide wart geriht unde alle die geselleschaft. 'ritter, du bist gar zagehaft' sprach Karadot, 'tuo behendeklich, daz du tuon solt'. ginre stalte sich ze slahende einen michelen slag : dez halses voren er sich verwag. Der künig viel in unmaht. (128'') weinende gieng die künigin geslaht uz ir kamer, do si das vernam (die vrowen und die megede sam). do si daz swert sach also blos, gros schrekke in ir herze schos, alles ir bluot verwandelte sich, huop sich dar snelleklich zuotzim und sprach mit ile : 'ritter, beite noch eine wile. herre, lo Karadot sin leben : zuo amigen will ich dir geben, die dir allerbast behaget an schöne, ez si vrowe oder maget oder si alle, daz würt geriht'. künigin vrowe, dast ein niht. al die megede und die vrowen, die men mag in der weite schowen, wolt ich nüt für sin houbet han. baz denne staphes gont hinnan in üwer karaer, frowe min, und bittent got für die sele sin, daz er fuere ins hiraelrich'. dahte ir antlitz wunnenklich, weinende sich umbe kerte: der anderen allen schrien sich merte. daz swert uf huop der ritter here unde romete ze slahende so sere, daz daz meiste teil in dem palas in unmaht vielent, wüssent daz. aber ze slahende waz nüt gewant sin wille, er nam in mit der hant, er sprach: 'stant uf Karadas, kein übel tuon ich dir fürbas,

wenne du bist ein ritter wert

frech kuene, wo manheit ez gert

kum har, ich wil gesprochen dich

verre von dem künige, merke mich.' 5 an ein ende fuorte er in hin :

'du bist min sun, din vatter ich bin'

sprach er, 'daz sage ich dir für wor'.

er sprach : 'ir hant gelogen zwor

gentzlich, daz ich si üwer kint. 10 vor allen den rittern, die hinne sint,

schirm ich des mine rauoter hie'.

'du enduost, sol ich dir sagen wie?

ez ist also, daz weis wol,

durch nüt ich dir dez liegen sol'. 15 do seit er im mere nüwe

von der fülschen und von der süwe

unde von der breckin die geschiht. (128*=)

die getot möht er verswigen niht:

wie er mit sinre muoter umbe gieng 20 und wie in von im enphieng.

'sus wart si din swanger zwor'.

swigent, es en ist nüt wor,

ez gelichet wol troum und trügen.

des grozen lasters und der lügen 25 schirm ich gegen üch die muoter min :

dez wil ich hie ein werer sin,

went irs me reden sicherlich'.

der ritter umbe kerte sich

gar swindeklich und lies in 30 ir aller angesiht und fuor hin.

grozer fröide niergent was,

danne sie hatten in dem palas,

do si ginen sohent varen dan.

durch ezzen ze banden an 35 die trumpen blies men do zestunt:

daz Wasser nemen wart in kunt.

zuo tische sosent si mit schalle,

der künig unde die ritter alle.

men diende in wunnenkliche 40 und ozent gar fröliche

mit grozen statten sunder won.

unde do der hof solte zergon,

der künig gap richer goben genuog

den fürsten und den ritteren cluog : 45 mit fröiden schieden si alsam.

Karadot von dem künige urlop nam,

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[Vers 2473—2561.]

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weime er wolte zuo dem vatter sin unde zuo siner muoter der künigin. er kam zuo Nanteys, wüssent daz, do der künig Karode waz. der im tet soliche vröide kunt, daz er in wol hundert stunt kuste von liebe sicherlich, 'herre, ir söUent wol küssen mich, wenne in der weite ist nieman, den ich lieber den üch han, aber üwer sun bin ich nüt, bi gotte'. 'du bist'! *ich enbin'. 'redest dus in

spotte'? 'lieber herre, ich sage üch wor'. von Worte zuo worte seit er zwor, wie daz in Elyafres verriet unde ez sin muoter mit im hielt, der künig dez in gros angest kam, so grozen zorn er an sich nam, daz in der kalte sweis mähte nas. (128'')aldo die künigin kummen was durch küssen in mit ganzer gir, 'vrowe' sprach er, Vol ich des enbir: billich sol ich üch sin gehas'. 'sagent mir, lieber sun, durch waz?' 'daz wol verschuldet so haut ir* der künig sprach zir : 'fliehent von mir !' bald kerte wider sicherlich unde beslos in ir kamer sich, schrei und hatte grozes leit. der künig sprach mit trurikeit: JS u rot mir, frünt, ich bin dir holt, mit ganzen trüwen, alse du solt, umb die künigin, wie ich tuon sol, daz ich min leit an ir gereche wol'. 'wie ez umbe üch si, herre guoter, die künigin ist ie min muoter. min rat sol üch nüt leren verderben oder seren, aber in einen turn men sübesliezzen sol unde heissen den behueten wol, daz Elyafres me keine mäht ir habe, würde swanger tohter oder knabe, so sint ir joch zwivels fri, daz er von anderen denne von üch si.' in den besten turn, den men do kos,

zuo haut der künig drin beslos

unde hies den behueten al umbe sere.

Karadot wolte niht bliben mere,

er nam urlop und lies in. 5 zuo dez küniges hof reit er hin,

sins Oheimes künig Artus:

nie man gehielt so rilich hus.

sus die künigin in dem turne was,

mit grozen vröiden, wissent das, 10 wenne Elyafres kam zuo ir,

wenne er wolte, geloubent mir,

und rette mit ir dikke,

wan kein besliessen schat im eine wikke. 15 zuo haut so der künig schiet von ir,

so kam er dar, geloubent mir.

vröiden hatte er dinne also vil,

daz niergent ist kein selten spil,

men hört ez dinne klingen 20 und suezes getöne bringen.

die künigin in dem turne bleip,

mit fröiden ir zit vertreip.

aber, wüssent das, Karadot

nüt willen vil ze ruowende hot, 25 wenne in wopen arbeiten sich (129*)

zuo aller zit, dast ouch billich,

daz kein man ruowe zuo vil,

der lop und ere haben wil,

wand nieman ere mag bejagen, 30 wil er sime libe zuo vil vertragen.

suz sime herzen waz bekant.

nu reit hin zuo Engellant

Karadot kuener denne ein lowe.

künig Artus zuo Karlowe 35 einen hof gebotten hette

unde daz si kemen uf der stette

zuo phingesten zuo im, wüssent daz.

wer von im belehent was

oder manschaft hette geton, 40 ez wer uf wasser oder uf plon

gynsit mers oder hie dissite,

im zuo eren konient zuo der hoch- gezite.

Manige edele maget dar kam. 45Kardors von Cornvale daz vernam,

ein junger man von hoher art,

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[Vers 2562-2650.]

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kam dar mit siner swester zart, die waz juncfrou Gyngeniers genant: schönre in der weite men niht vant. pflag keinre anderen Schönheit, danne also got hatte an geleit, wände waz eine schöne creature: unde wer siben jor nature bliben zuo bilden iren schin, möhte schönre niht gesin. und do bi daz schöne waz, hatte vil trüwen, wissent daz, wan ez ist sicherliche die, die irme liebe gewenkete nie. ich wil nüt lange mere sagen, swaz an megeden sol behagen, an antlitz, an libe und an hör: daz waz an Gyngenirs für wor. so waz Kardors ir bruoder zart der beste ritter der ie wart, ir vatter waz tot, raerkent daz, der künig zuo Kornvale waz. do von woltent zehant enphahen von Artuse ir lant, unde durch die lant sicherliche fuorent beide einekliche, wanne megede zuo den ziten getorstent baz denne nu riten. Also beide fuorent sara, (129^) ritende usser einem tal kam

ein ritter, der wol gewopent sas. unde Kardors niht entwopent waz, wenne daz er hette abe geton den heim durch den wint enphon, wan er waz so kuene zwor, das er nieraan vorhte ein hör. ginre daz ors mit sporen nam, bitze daz er hin noher kam. do er ersach die maget fin, do jach er: *ez muoz die sin, die mir versaget ir minne'. noch han ich nüt braht zuo sinne, wie ez umbe die zwei do stunt. ze samene mag ich nüt tuon kunt, eins noch dem anderen men sagen

sol: daz stot ouch dem sager wol.

der selbe ritter, merkent daz,

Alardins vomme Se er geheissen waz:

IJaz selbe riche daz waz sin.

er minnete daz megetin, 5 bitz daz er irn vatter umbe bat,

donoch irn bruoder an siner stat.

zer e er si nemen wolte,

vrowe machen, als er solte,

über sin riche, aber ir lip 10 nüt wolte sin liep sin noch sin wip,

wan ez kam nie in irn muot,

daz si in neme umbe kein guot.

doch was er schön unde manhaft,

kuene und frech mit ritterschaft 15 me danne kein ritter in dem lande.

herze unde sinne er an wände,

wenne e daz ir vatter starp

mit aller siner mäht er warp

umbe mit bette cluog 20 unde mit andern Sachen vil genug :

doch ez im nie zuo helfe kam.

zuo hant do er ir war genam,

daz ors er mit den sporen stach,

zuo Cadors balde er sprach: 25 'herre, die trüwe ir an üch hant,

üwer swester ir mir lant.

in zit ich demme kummen bin,

daz ir si nüt fürbas fuerent hin.

went aber ir nüt lassen mir, 30 ein sprengen von mir sehent ir.

üwer houbet zuo wopende rot ich,

oder ich slahe ücb, samir Sant Uol-

rich,

do men üch des hohesten gibt'. (129*=) 35 unedelre dan er waz Kador niht.

iir antwürt im snelleklich:

*herre, tuond algemechelich :

üwer rede sint mir als der wint.

umbe also swer goldes, als ir sint, 40mine swester ich üch nüt lossen

wolte.

daz ich umbe iht mich nideren solte,